Marzahn-Hellersdorf verfügt bei fast allen Facharztgruppen über deutlich weniger Ärzte als der Bedarfsplan vorsieht – und die Lage hat sich in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Das geht aus der Antwort des Berliner Senats auf eine Schriftliche Anfrage des Grünen-Abgeordneten Stefan Ziller hervor (Drucksache 19/25288, Eingang 10. März 2026).
Laut den aktuellen Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KV Berlin) erreichen zum Stichtag 1. Juli 2025 fast alle Arztgruppen im Bezirk lediglich Versorgungsgrade zwischen 70 und 97 Prozent der Zielmarke. Besonders kritisch ist die Lage bei Hautärzten (71,7 %), Frauenärzten (81,3 %) und Hausärzten (82,3 %). Einzig Psychotherapeuten (121,9 %), Internisten (141,3 %) und Radiologen (222,3 %) liegen über der Bedarfsgrenze. Formal hat der zuständige Landesausschuss bislang für keinen Berliner Planungsbereich eine offizielle Unterversorgung festgestellt – eine Einschätzung, die die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege teilt.
Die im August 2025 vom Bezirksamt gestartete Praxisraum-Börse soll niederlassungswilligen Ärzten die Suche nach geeigneten Räumen erleichtern und gleichzeitig Vermieter mit Mietern zusammenbringen. Der Senat bewertet das Instrument grundsätzlich positiv – aber mit Einschränkung: Es sei ein „gutes und effizientes Instrument“, sofern ausreichend Angebot auf entsprechende Nachfrage treffe. Dem Bezirksamt ist nach eigenen Angaben bislang lediglich eine einzige erfolgreiche Vermittlung durch die Börse bekannt.
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Auf die Frage, wie viele Ärzte in 2025 und 2026 neu in den Bezirk gekommen sind, kann die KV Berlin keine belastbare Antwort liefern. Die Verfahren würden nicht mit den nötigen Filterdaten erfasst, eine händische Auszählung sei nicht möglich. Auch bezirksbezogene Statistiken zu Nachbesetzungsverfahren existieren nicht. Da Marzahn-Hellersdorf in den Bereichen Hausärzte und Kinder- und Jugendärzte zulassungsfrei ist, finden dort ohnehin keine formellen Nachbesetzungsverfahren statt.
Als strukturelle Gegenmaßnahmen verweist die KV Berlin auf ein seit 2022 laufendes Förderprogramm mit einem Volumen von 21 Millionen Euro speziell für die Ostbezirke Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick. Praxisneugründungen werden mit bis zu 60.000 Euro, Anstellungen von Ärzten mit 30.000 Euro gefördert. Zudem wurden die Planungsbereiche für Hausärzte (2021) und Kinderärzte (2023) neu zugeschnitten, um die Steuerung zu verbessern. Für die allgemeine Fachärzteversorgung gilt: Neuniederlassungen sind nur noch in Bezirken mit einem Versorgungsgrad unter 90 Prozent möglich. Im April 2026 soll zudem eine fünfte KV-Eigeneinrichtung in einem der Ostbezirke eröffnen.
Dennoch konstatiert die KV Berlin selbstkritisch, dass der enorme Bevölkerungszuwachs in Marzahn-Hellersdorf und den Nachbarbezirken die ergriffenen Maßnahmen „sofort absorbiere“ – die Schere zwischen Einwohnerzahl und Ärztedichte schließt sich damit kaum.
Quelle: Schriftliche Anfrage 19/25288 des Abgeordneten Stefan Ziller (GRÜNE), Antwort der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege vom 9. März 2026
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