Nach dem massiven Eisregen Ende Januar, der große Teile des Berliner Straßenbahnnetzes lahmlegte, wurde öffentlich lautstark diskutiert, ob ältere, als besonders robust geltende Straßenbahnen den Betrieb hätten stabilisieren können. Eine aktuelle Antwort des Senats bringt nun Klarheit – und dämpft diese Erwartungen deutlich.
Ausgangspunkt war eine Schriftliche Anfrage des Berliner Abgeordneten Dr. Alexander King, der das Thema Anfang Februar im Abgeordnetenhaus aufgriff. Hintergrund waren Medienberichte und Experteneinschätzungen, wonach frühere Straßenbahngenerationen möglicherweise widerstandsfähiger auf Stromunterbrechungen reagiert hätten. King wollte unter anderem wissen, wie viele alte Fahrzeuge seit 2022 abgegeben wurden, ob noch Reserven existieren – und ob diese grundsätzlich zur Enteisung der Oberleitungen hätten eingesetzt werden können.

Die Berliner Verkehrsbetriebe setzten seit 1977 insgesamt 574 sogenannte Tatra-Straßenbahnen ein. Über die Jahre wurden die Fahrzeuge modernisiert, verkauft oder ausgemustert und schrittweise durch neue Niederflurmodelle ersetzt. Zahlreiche Wagen gingen an Städte im In- und Ausland – darunter nach Stettin, Norrköping, Alexandria sowie in die ukrainischen Städte Lwiw und Saporischschja.
Konkret zur Ukraine: Mit Zustimmung der Finanzverwaltung spendete die BVG in den Jahren 2022 und 2024 insgesamt zwölf Tatra-Bahnen samt Ersatzteilen an das Verkehrsunternehmen in Lwiw. Bereits 2018 hatte die Stadt zuvor 30 Fahrzeuge erworben – damals zu rund 18.000 Euro pro Wagen zuzüglich Transportkosten. Weitere einzelne Fahrzeuge wurden später verkauft oder – im Fall eines nicht mehr betriebsfähigen Wagens – an die Bundeswehr zu Übungszwecken abgegeben. Für 2026 ist zudem der Verkauf von drei weiteren KT4D-Fahrzeugen nach Brasilien geplant, allerdings ohne gültige Betriebserlaubnis.



Entscheidend für die aktuelle Debatte: Der Senat stellt klar, dass gerade diese abgegebenen Fahrzeuge keinen Vorteil bei vereisten Oberleitungen gebracht hätten. Laut BVG reagiert ihre Technik bei plötzlichen Stromunterbrechungen ähnlich empfindlich wie die heutigen Niederflurtrams. Der isolierende Eispanzer auf den Fahrdrähten hätte somit auch mit älteren Modellen eine Weiterfahrt verhindert.
Erst spezielle Fahrzeuge mit mechanischer Enteisung konnten den Betrieb wieder vorbereiten. Selbst Städte mit verbliebenen Tatra-Bahnen waren von den Auswirkungen des Eisregens tagelang betroffen.
Damit ist offiziell bestätigt: Die Vorstellung, alte Straßenbahnen hätten den großflächigen Ausfall verhindern können, trifft nicht zu. Entscheidend bleibt vielmehr eine gezielte technische Enteisung der Oberleitungen – unabhängig vom Alter der eingesetzten Fahrzeuge.
Foto(s): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 Whatsapp-KANAL Marzahn-Hellersdorf LIVE 🗞️

