Die Hoffnungen vieler Bewohnerinnen und Bewohner von Marzahn-Hellersdorf auf ein modernes Kombibad mit Saunalandschaft und großzügigen Beckenanlagen haben sich endgültig zerschlagen. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Inneres und Sport auf eine Schriftliche Anfrage des Linke-Abgeordneten Kristian Ronneburg hervor.
Statt eines Multifunktionsbades soll am Standort Kienberg im Jelena-Šantić-Friedenspark nun lediglich ein sogenanntes Funktionsbad — also eine schlichte Typenschwimmhalle — entstehen. Wann genau, ist weiterhin offen.
Vom Kombibad zur Typenschwimmhalle
Noch bis 2024 war für den Bezirk ein ambitioniertes Kombi- oder Multifunktionsbad geplant, das mehrere große Becken sowie eine Saunalandschaft umfassen sollte. Doch die angespannte Haushaltslage des Landes Berlin machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Der Senat entschied, das Konzept des Multifunktionsbades berlinweit aufzugeben und stattdessen sogenannte Funktionsbäder an mehreren Standorten zu errichten — darunter Pankow, Marzahn-Hellersdorf und Spandau.
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Das für Marzahn-Hellersdorf vorgesehene Funktionsbad soll ein 25-Meter-Sportbecken mit sechs Bahnen sowie ein Lehrschwimm- beziehungsweise Kursbecken von rund 10 mal 16 Metern umfassen. Ein Außenbecken ist im Grundkonzept nicht vorgesehen, die Bausubstanz soll jedoch technisch so vorbereitet werden, dass eine spätere Ergänzung möglich bleibt — sofern die Finanzierung gesichert werden kann.
Rund 68 Millionen Euro eingeplant — aber noch keine genaue Verteilung
Als Finanzierungsgrundlage sollen laut Senat rund 68 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt (SIWA) eingesetzt werden — Mittel, die ursprünglich für ein Multifunktionsbad in Pankow vorgesehen waren. Wie genau diese Summe auf die drei geplanten Funktionsbäder aufgeteilt wird, steht noch nicht fest. Gesichert sei lediglich der Bau eines Funktionsbades mit zumindest der technischen Vorbereitung für ein Außenbecken.
Ob dieses gleichzeitig realisiert werden kann, soll die noch ausstehende Machbarkeitsstudie klären.
Machbarkeitsstudie soll im Sommer vorliegen
Kernstück der aktuellen Planungsphase ist eine Machbarkeitsstudie, die zwei Varianten untersuchen soll: ein reines Hallenbad sowie ein Hallenbad mit saisonal nutzbarem Außenbereich. Dabei werden unter anderem die topografische Besonderheit des Kienberg-Plateaus, Erschließungsfragen, Zuwegungen sowie Flucht- und Rettungswege analysiert. Auch die städtebauliche Einbindung in den umgebenden Jelena-Šantić-Friedenspark soll bewertet werden. Die Ergebnisse werden für den Sommer 2026 erwartet.
Der Aufsichtsrat der Berliner Bäder-Betriebe (BBB) hatte im November 2025 der strategischen Gesamtplanung zugestimmt, einen formellen Ausführungsauftrag für den Bau in Marzahn-Hellersdorf jedoch noch nicht erteilt. Dieser soll nach Abschluss weiterer Vorprüfungen separat beschlossen werden.
Bebauungsplanverfahren kommt nicht in die Gänge
Parallel zur inhaltlichen Neuausrichtung des Projekts stockt auch das Bebauungsplanverfahren 10-118. Der ursprünglich für 2025 angekündigte Beschluss des Bebauungsplans wurde verfehlt — unter anderem deshalb, weil sich das geplante Profil des Bades mehrfach geändert hat und zentrale Gutachten noch ausstehen.
Der Vorentwurf des Bebauungsplans mit dem bisherigen Arbeitstitel „Multifunktionsbad Kienberg“ wurde Anfang 2025 erarbeitet. An der frühzeitigen öffentlichen Beteiligung beteiligten sich elf Bürgerinnen und Bürger mit Stellungnahmen, von Behörden und Trägern öffentlicher Belange gingen 32 Stellungnahmen ein. Der Auswertungsbeschluss zur Bürgerbeteiligung wurde am 10. Februar 2026 gefasst; die Auswertung der Behördenbeteiligung wird derzeit noch vorbereitet.
Besonders problematisch: Weder das Lärmgutachten noch das Verkehrsgutachten liegen bislang vor. Beide Untersuchungen müssen erst neu ausgeschrieben werden, weil sich das Nutzungsprofil des Bades und damit die maßgeblichen Berechnungsparameter verändert haben. Darüber hinaus muss der Artenschutzfachbeitrag fortgeschrieben werden, und voraussichtlich wird auch ein Niederschlagswasser-Versickerungsgutachten erforderlich.
Naturschutzausgleich noch nicht abschließend bilanziert
Auch beim naturschutzrechtlichen Ausgleich im Ökokonto Wuhletal ergibt sich Anpassungsbedarf. Durch die wiederholten Profiländerungen des Bades verändert sich voraussichtlich das Maß der baulichen Nutzung, was eine Neubilanzierung des Eingriffs in den Natur- und Landschaftshaushalt erfordert. Die Kosten für die Kompensationsmaßnahmen trägt im Regelfall der Projektträger — also die Berliner Bäder-Betriebe.
Zeitplan bleibt vage
Auf die ausdrückliche Bitte des Abgeordneten Ronneburg, den mehrfach angekündigten Zeitplan zu aktualisieren — mit Ausschreibung der Bauleistungen 2026, Baubeginn 2027 und Eröffnung 2028 — gibt der Senat keine konkreten neuen Daten. Baubeginn sei erst möglich, wenn die Genehmigungsfähigkeit erreicht sei. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf strebe diesen Zeitpunkt „so schnell wie möglich“ an. Ein verbindlicher Zeitplan werde erst nach Fertigstellung eines „ausschreibungsreifen Detailkonzeptes“ vorliegen.
Für den bevölkerungsreichsten Berliner Außenbezirk ohne eigenes Freibad bedeutet das: Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich weiter in Geduld üben — und sich mit einer deutlich abgespeckten Anlage abfinden als ursprünglich groß versprochen.
Drucksache 19/25297
Symbolbild(er): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 MaHe LIVE Whatsapp-KANAL 🗞️

