Der Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule zählt zu den bedeutendsten Bildungsentscheidungen im Leben eines Kindes – und stellt zugleich viele Familien vor große Herausforderungen. Um Eltern umfassend zu informieren, fand berlinweit eine mehrteilige Online-Informationsveranstaltung zum Wechsel von der 6. in die 7. Klasse statt. Organisiert wurde der Infoabend von den Elternvertretern für Mitwirkungsfragen in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.
Mehrere hundert Eltern nahmen an den digitalen Terminen teil. Die begleitenden Umfragen verdeutlichen, wie hoch der Informationsbedarf ist – und wie emotional belastend die Entscheidung für viele Familien wahrgenommen wird.
Entscheidung unter Druck: Mehrheit fühlt sich stark belastet
Bereits zu Beginn der Veranstaltung wurden die Teilnehmer anonym befragt. Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild:
- Über 60 Prozent der Eltern gaben an, dass sie die Schulwahl „auf jeden Fall“ stark stresst.
- Rund 80 Prozent äußerten Sorgen, die vermeintlich „richtige“ Entscheidung für ihr Kind zu treffen.
- Mehr als drei Viertel befanden sich erstmals im Übergangsprozess.
Auch nach der Veranstaltung blieb bei vielen Eltern eine gewisse Unsicherheit bestehen – wenngleich sich ein Teil besser informiert fühlte. Das verdeutlicht: Der Übergang ist nicht nur ein formales Verwaltungsverfahren, sondern für Familien eine tiefgreifende Weichenstellung.
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Die Berliner Schularten im Überblick
Ein Schwerpunkt der Veranstaltung war die ausführliche Darstellung der Berliner Schulstruktur. Dabei wurden Unterschiede, Gemeinsamkeiten und mögliche Bildungswege transparent erläutert.
Gymnasium
- Ziel: Studiumsvorbereitung in der Regel nach 12 Schuljahren
- Zweite Fremdsprache verpflichtend
- Kein Probejahr mehr
- Abitur nach 12 Jahren möglich
Integrierte Sekundarschule (ISS)
- Kombination aus Berufsorientierung und Möglichkeit zum Abitur
- Leistungsdifferenzierung in Grund- (GR) und Erweiterungsniveau (ER)
- Zweite Fremdsprache optional
- Abitur nach 13 (teilweise 12) Jahren über die gymnasiale Oberstufe
Gemeinschaftsschule
- Lernen von Klasse 1 bis 10 bzw. 13 möglich
- Keine Noten bis zur Mitte der 9. Klasse
- Verpflichtende Binnendifferenzierung
- Teilweise besondere Aufnahmekriterien
Wichtig wurde betont:
Das Abitur hat unabhängig von der Schulart in Berlin die gleiche Wertigkeit.
Schulabschlüsse: Kein Weg ist eine Sackgasse
Ein weiterer zentraler Punkt war die Übersicht über die verschiedenen Abschlüsse und deren Anschlussmöglichkeiten:
- Berufsbildungsreife (BBR) – nach Klasse 9 oder 10
- Erweiterte Berufsbildungsreife (EBBR) – mit Prüfungen in Klasse 10
- Mittlerer Schulabschluss (MSA) – Voraussetzung für den Übergang in die gymnasiale Oberstufe
- Allgemeine Hochschulreife (Abitur) – nach 12 oder 13 Schuljahren
Besonders hervorgehoben wurde:
Selbst wenn ein Kind zunächst keinen direkten Weg zum Abitur einschlägt, bestehen vielfältige Möglichkeiten über Fachoberschulen, berufliche Gymnasien oder Oberstufenzentren.
Die Botschaft des Abends war klar:
Das Berliner Bildungssystem bietet Durchlässigkeit – Bildungswege bleiben offen.
Die Förderprognose: Grundlage für die Schulwahl
Eine zentrale Rolle im Übergangsverfahren spielt die sogenannte Förderprognose, die Eltern zusammen mit dem Halbjahreszeugnis der 6. Klasse erhalten.
Sie basiert auf:
- den Noten des zweiten Halbjahres der 5. Klasse
- den Noten des ersten Halbjahres der 6. Klasse
- doppelter Gewichtung der Kernfächer Deutsch, Mathematik und erster Fremdsprache
Aus der Notensumme ergibt sich eine Durchschnittsnote, die insbesondere bei Übernachfrage an Schulen als Auswahlkriterium dient.
Neu im Verfahren 2026/2027 ist die vollständige Umsetzung der Schulgesetzänderung zur Eignungsfeststellung für das Gymnasium anhand der Notensumme in Deutsch, Mathematik und erster Fremdsprache.
Zwar liegt die finale Schulwahlentscheidung bei den Eltern – dennoch wurde mehrfach und ausdrücklich betont, dass die Empfehlung der Grundschule ernst genommen werden sollte.
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Der Probeunterricht: Zweite Chance für das Gymnasium
Kinder, die die formalen Notenvoraussetzungen nicht erfüllen, aber dennoch ein Gymnasium besuchen möchten, können am berlinweit einheitlichen Probeunterricht teilnehmen.
Wichtige Eckdaten:
- Dauer: etwa drei Zeitstunden
- Inhalte: Deutsch, Mathematik, überfachliche Kompetenzen
- Durchführung durch Lehrkräfte aus Grundschulen und Gymnasien
- Keine Sonderregelungen für Geschwisterkinder
Nur bei erfolgreichem Bestehen ist eine Anmeldung am Gymnasium möglich.
Anmeldung und Aufnahmeverfahren: Klare Fristen
Das Übergangsverfahren folgt einem verbindlichen Zeitplan:
- Beratungsgespräch an der Grundschule bis 24. Januar 2026
- Ausgabe von Zeugnis und Förderprognose am 30. Januar 2026
- Probeunterricht am 20. Februar 2026
- Anmeldung an der Erstwunschschule vom 5. bis 12. März 2026
- Versand der Aufnahmebescheide am 10. Juni 2026
Eltern können drei Wunschschulen angeben.
Bei Übernachfrage gelten klare Auswahlkriterien:
- Vorrang für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf
- Bis zu 10 Prozent Plätze für Härtefälle und Geschwisterkinder
- Mindestens 60 Prozent nach objektiven Kriterien (z. B. Durchschnittsnote, Profilbezug)
- Rund 30 Prozent der Plätze per Losverfahren
Hohe Nachfrage, steigende Schülerzahlen
Zum Schuljahr 2026/2027 werden berlinweit rund 28.800 Schülerinnen und Schüler im Übergangsverfahren erwartet – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Bereits in den vergangenen Jahren waren zahlreiche Schulen stark übernachgefragt. Besonders Gymnasien in mehreren Bezirken verzeichneten deutlich mehr Anmeldungen als Plätze. Auch Integrierte Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen gewinnen zunehmend an Erstwunschanmeldungen.
Angesichts der anhaltend hohen Nachfrage setzt die Senatsverwaltung verstärkt auf Monitoring, Schulneubauten und Kapazitätserweiterungen.
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Transparenz schafft Orientierung – aber keine vollständige Entlastung
Die Online-Informationsveranstaltung bot Eltern eine umfassende und strukturierte Orientierung durch das komplexe Berliner Übergangsverfahren. Sie machte deutlich:
- Der Schulwechsel ist ein formalisierter, aber hoch emotionaler Prozess.
- Das Bildungssystem ist durchlässiger als vielfach angenommen.
- Frühzeitige Information und realistische Einschätzung der Förderprognose sind entscheidend.
Trotz ausführlicher Erklärungen bleibt bei vielen Eltern die Sorge, die optimale Entscheidung für ihr Kind zu treffen. Gleichzeitig zeigt die hohe Beteiligung an der digitalen Veranstaltung: Der Bedarf an transparenter Information, persönlicher Beratung und verständlicher Aufbereitung der Verfahren ist größer denn je.
Für individuelle Rückfragen steht vom 25. Februar bis 6. März 2026 werktags zwischen 13 und 16 Uhr eine zentrale Beratungshotline unter 030 / 90227-5500 zur Verfügung.
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