11. März 2025

Anklage gegen mutmaßlichen rechtsextremen Gewalttäter aus Marzahn-Hellersdorf erhoben

Polizei Berlin - © Marzahn-Hellersdorf.com

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen 24-jährigen mutmaßlichen Angehörigen der rechten Szene erhoben, teilt die Staatsanwaltschaft in einer sehr ausführlichen Pressemitteilung mit.

Dem Mann werden mehrere schwere Straftaten zur Last gelegt, darunter Bedrohung, gemeinschaftliche räuberische Erpressung, versuchter besonders schwerer Raub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Die Vorfälle ereigneten sich zwischen August und Oktober 2024 in verschiedenen Berliner Stadtteilen, darunter Marzahn und Hellersdorf. Der Angeschuldigte befindet sich seit dem 24. Oktober 2024 in Untersuchungshaft und muss sich nun vor dem Landgericht Berlin verantworten.

Todesdrohung gegen Aussteigerin aus der rechten Szene

Einer der Hauptvorwürfe gegen den Angeschuldigten betrifft eine Todesdrohung, die er am 28. August 2024 per Sprachnachricht an eine Frau gesandt haben soll. Die Geschädigte hatte sich zuvor aus der rechten Gruppierung „Deutsche Jugend Voran“ zurückgezogen, in der der 24-Jährige mutmaßlich eine leitende Position innehatte. Der Austritt der Frau soll innerhalb der Gruppe auf Widerstand gestoßen sein, woraufhin der Angeschuldigte sie mit dem Tod bedrohte.

Gewalttätige Überfälle auf politische Gegner

Neben dieser Bedrohung soll der Mann an mehreren brutalen Angriffen beteiligt gewesen sein. Die Taten sollen sich gezielt gegen Personen gerichtet haben, die der linken Szene zugerechnet werden oder durch Symbole als politische Gegner identifiziert wurden.

13. September 2024: Angriff auf einen Mann wegen „Antifa“-T-Shirt

Am Abend des 13. September 2024 soll der Angeschuldigte mit sieben weiteren mutmaßlichen Mittätern (im Alter von 16 bis 23 Jahren) in der Mehrower Allee in Marzahn einen Mann verfolgt und umstellt haben. Der Grund: Der Mann trug ein T-Shirt mit einem „Antifa“-Emblem.

  • Die Gruppe soll das Opfer zunächst eingeschüchtert haben.
  • Anschließend wurde ihm gegen den Kopf geschlagen.
  • Unter Gewaltandrohung wurde er gezwungen, sein T-Shirt auszuziehen und herauszugeben.

Der Geschädigte erlitt dabei erhebliche Schmerzen, Rötungen sowie eine kurzfristige Sehstörung am linken Auge.

20. September 2024: Brutaler Angriff an einer Bushaltestelle in Hellersdorf

Nur wenige Tage später, am 20. September 2024, soll der Angeschuldigte mit zwei weiteren mutmaßlichen Tätern und weiteren unbekannten Männern einen Mann an einer Bushaltestelle in der Hellersdorfer Straße attackiert haben.

  • Das Opfer wurde mit Schlägen zu Boden gebracht.
  • Die Täter traten dann auf ihn ein.
  • Der Angeschuldigte soll ihm anschließend eine ungeladene Luftdruckpistole vorgehalten und gedroht haben: „Ich knall dich ab!“

Der Mann erlitt zahlreiche Hämatome und Schmerzen im Gesichts- und Körperbereich. Hintergrund der Tat soll eine persönliche Racheaktion gewesen sein.

19. Oktober 2024: Überfall in der S-Bahn

Ein besonders brutaler Vorfall ereignete sich am 19. Oktober 2024 in der S-Bahn-Linie S7 auf Höhe des Bahnhofs Lichtenberg. Der Angeschuldigte soll sich mit einer Gruppe von 19 Personen in einem Waggon aufgehalten haben.

  • Die Täter vermummten sich und verdeckten die Videoüberwachung in der Bahn.
  • Dann griffen sie mit mindestens sieben Mittätern einen Fahrgast an, der eine Jacke mit einem „Antifa“-Emblem trug.
  • Der Mann wurde mit Schlägen und Tritten, unter anderem mit Quarzsandhandschuhen, attackiert.

Dank des Eingreifens anderer Fahrgäste konnte die Gruppe den Angriff nicht weiter fortsetzen und floh aus der S-Bahn. Das Opfer erlitt Hämatome, Schwellungen und Rötungen am gesamten Körper.

Großangelegte Polizeirazzia und Festnahmen

Nach monatelangen Ermittlungen schlug die Polizei am 23. Oktober 2024 zu. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin wurden zwölf Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt.

  • Die Einsätze fanden in Hellersdorf, Köpenick, Marzahn, Neu-Hohenschönhausen sowie in den brandenburgischen Orten Letschin und Wandlitz statt.
  • Insgesamt waren 160 Polizeikräfte im Einsatz, darunter Spezialeinsatzkräfte und Ermittler des Polizeilichen Staatsschutzes.
  • Durchsucht wurden zehn Wohnanschriften von neun Tatverdächtigen, die zwei rechten Gruppierungen zugeordnet werden.

Ermittlungen decken illegale Waffen und weitere Straftaten auf

Im Zuge der Durchsuchungen wurden zahlreiche Beweismittel sichergestellt, darunter:

  • Tatkleidung und Kommunikationsmittel
  • Verbotene Schlagwerkzeuge und PTB-Waffen
  • Waffenteile und illegale Pyrotechnik

Zudem wurden Hinweise auf eine weitere bisher unbekannte Gewalttat gewonnen.

Zusätzlicher Verdacht: Diebstahl von Polizei-Ausrüstung

Ein besonders brisanter Fall wurde ebenfalls im Zuge der Ermittlungen aufgedeckt:

  • Ein 20-jähriger Sympathisant der rechten Gruppierungen steht unter Verdacht, zwischen April und Dezember 2023 in einer Berliner Polizeiliegenschaft einen Diebstahl mit Waffen begangen zu haben.
  • In sozialen Medien veröffentlichte er Bilder, auf denen er mit Lang- und Kurzwaffen posierte, während er eine ballistische Schutzweste der Berliner Polizei trug.
  • Ermittlungen ergaben, dass er als Handwerker Zugang zu Polizeigebäuden hatte und dabei mutmaßlich die Ausrüstung entwendete.

Angeschuldigter sitzt in Untersuchungshaft – Ermittlungen laufen weiter

Der 24-jährige Hauptverdächtige wurde am 23. Oktober 2024 festgenommen und befindet sich seit dem 24. Oktober 2024 in Untersuchungshaft.

  • Er schweigt zur ersten Tat (Bedrohung), räumt jedoch die weiteren Taten größtenteils ein.
  • Er ist strafrechtlich bereits einschlägig in Erscheinung getreten und vorbestraft.
  • Die Ermittlungen gegen die weiteren Tatverdächtigen dauern an.

Ein deutliches Zeichen gegen rechtsextreme Gewalt

Die Berliner Justiz setzt mit dieser Anklage ein klares Zeichen gegen politisch motivierte Gewalt aus der rechten Szene. Die umfangreichen Ermittlungen zeigen, dass rechtsextreme Netzwerke weiterhin eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen.

Mit der bevorstehenden Verhandlung vor dem Landgericht Berlin könnte der Prozess wegweisend für den Umgang mit politisch motivierter Gewalt in der Hauptstadt werden. Der genaue Prozessbeginn wird in den kommenden Monaten erwartet.

Titelbild: © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 MaHe LIVE Whatsapp-KANAL 🗞️

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