24. Oktober 2024

Der „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“-Betrug: Wie eine perfide Masche ältere Menschen in Marzahn-Hellersdorf um Tausende Euro bringen könnte

Bernd (78) aus Kaulsdorf ist ein verwitweter Rentner, der mit moderner Technik nicht vertraut ist. Sein Handy nutzt er hauptsächlich, um mit seiner Tochter und seinen Enkeln in Kontakt zu bleiben. Eines Tages erhält er eine WhatsApp-Nachricht von einer unbekannten Nummer, in der steht: „Hallo Papa, mein Handy ist kaputtgegangen und dies ist meine neue Nummer. Kannst du mich hier abspeichern?“ Er wundert sich kurz, aber die Nachricht klingt, als käme sie von seiner Tochter, die ihm schon häufiger mitgeteilt hat, dass ihr Handy defekt war. Ohne groß darüber nachzudenken, speichert er die Nummer ab. Marzahn-Hellersdorf LIVE erzählt eine Geschichte, wie sie sich bei älteren Menschen in Marzahn-Hellersdorf leider so zutragen könnte. Redet mit euren Eltern, klärt Oma und Opa über diese fiese Betrugsmasche auf.

Die ganze Geschichte und wie sie sich in Etappen in der Regel abspielt: Die nächsten Tage folgen einige unverfängliche Nachrichten. „Wie geht es dir?“ und „Was machst du gerade?“ wirken harmlos und stärken Bernds Vertrauen, dass es sich wirklich um seine Tochter handelt. Dann kommt die entscheidende Nachricht: „Papa, ich habe ein Problem. Ich kann gerade nicht auf mein Onlinebanking zugreifen und muss dringend eine Rechnung für meinen neuen Laptop bezahlen. Könntest du das für mich übernehmen? Es sind nur 1.200 Euro, ich gebe dir das Geld sofort zurück.“

Bernd gerät in Panik. Seine Tochter ist ihm wichtig, und sie hat ihn noch nie um solch eine Hilfe gebeten. Er vertraut darauf, dass sie das Geld wirklich benötigt. Also geht er zur Bank und überweist den geforderten Betrag auf das Konto, das ihm geschickt wurde. Zwei Tage später erhält er erneut eine Nachricht, diesmal mit der Bitte um eine weitere Überweisung – angeblich, weil die erste noch nicht angekommen sei.

Wie die Betrüger vorgehen

Die Masche, mit der Bernd betrogen wurde, ist ein klassischer Fall des sogenannten „WhatsApp-Betrugs“ oder „Hallo Mama/Papa-Tricks“. Betrüger nutzen hier die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kindern aus, um Geld zu erschleichen. Sie behaupten, das Handy sei defekt, und geben vor, von einer neuen Nummer aus zu schreiben. Nach einigen harmlosen Nachrichten wird schließlich eine finanzielle Notlage vorgetäuscht.

Bernd ist damit nicht allein. Derartige Betrugsversuche haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) verursachten Betrüger allein 2022 in Deutschland einen Schaden im zweistelligen Millionenbereich. Pro erfolgreichem Betrugsfall erzielen sie oft Beträge zwischen 1.000 und 3.000 Euro.

Wie kommen die Täter an Bernds Nummer?

Die Täter nutzen verschiedene Wege, um an Telefonnummern wie die von Bernd zu gelangen. Oft stammen diese aus Datenlecks, wie etwa beim Facebook-Datenhack, bei dem Millionen Telefonnummern offengelegt wurden. Außerdem durchsuchen Betrüger Plattformen wie Kleinanzeigen oder soziale Netzwerke nach öffentlich zugänglichen Telefonnummern.

Ein weiterer Punkt, der solche Betrügereien erleichtert, ist die Verfügbarkeit von Prepaid-SIM-Karten, die teils mit gefälschten Personalien erworben werden. Die Täter nutzen diese anonymen Nummern, um nicht zurückverfolgt werden zu können.

Die SMS ist erstmal unscheinbar

Bernds Reaktion und die Folgen

Nachdem Bernd die zweite Überweisung getätigt hat, wird er misstrauisch. Er ruft seine Tochter auf ihrer alten Nummer an, die noch in seinem Telefon gespeichert ist. Als sie ans Telefon geht und ihm sagt, dass sie keine neue Nummer hat und auch kein Geld von ihm verlangt hat, bricht für Bernd eine Welt zusammen. Er realisiert, dass er auf Betrüger hereingefallen ist.

Bernd kontaktiert sofort seine Bank, doch es ist zu spät. Die Überweisungen wurden in Echtzeit durchgeführt, und das Geld wurde bereits von den Betrügern abgehoben. Das Problem bei solchen Überweisungen ist, dass sie oft unwiderruflich sind, besonders wenn das Geld auf Konten von „Finanzagenten“ überwiesen wurde, die ihre Bankdaten den Tätern zur Verfügung gestellt haben.

Was hätte Bernd tun können?

Bernd hätte den Betrug möglicherweise verhindern können, wenn er die folgenden Schritte beachtet hätte:

  1. Misstrauen bei unbekannten Nummern: Wenn eine angebliche neue Nummer von einem Familienmitglied kommt, ist es wichtig, die alte Nummer anzurufen und die Echtheit zu prüfen.
  2. Keine Überweisungen ohne Bestätigung: Geld sollte niemals überwiesen werden, ohne sicherzugehen, dass es sich tatsächlich um eine vertrauenswürdige Person handelt. Fragen, die nur die echte Tochter oder der echte Sohn beantworten kann, sind hier hilfreich.
  3. Nummer blockieren: Sobald klar wird, dass es sich um Betrug handelt, sollte die Nummer blockiert werden, um weitere Nachrichten zu verhindern.
Tage zuvor: selbes Smartphone, andere Nummer, identischer Inhalt

Was tun, wenn man Opfer wurde?

Wenn jemand auf diese Betrugsmasche hereingefallen ist, sollte sofort die Polizei informiert werden. Die Nachrichten sollten als Beweis aufbewahrt werden. Auch die Bundesnetzagentur nimmt Hinweise zu verdächtigen Telefonnummern entgegen. Obwohl es für Bernd zu spät ist, kann er so verhindern, dass andere in dieselbe Falle tappen.

Dieser Fall zeigt, wie wichtig es ist, bei ungewöhnlichen Nachrichten immer skeptisch zu bleiben und nicht sofort auf finanzielle Forderungen einzugehen – egal wie glaubwürdig sie wirken. Ruft am besten eure Angehörigen an.

Fotos: © Marzahn-Hellersdorf.com

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