Am 3. Advent, diesen Sonntag von 8 bis 15 Uhr, fährt der Elll noch einmal auf der U5. „Einsteigen bitte!“
Wer sich an den Nahverkehr im geteilten Berlin erinnert oder ein Faible für historische Bahnen hat, sollte sich diesen Termin vormerken: Am kommenden Sonntag (15. Dezember), zwischen 8 und 15 Uhr, kehrt ein Stück DDR-Nahverkehrsgeschichte für wenige Stunden in den Regelbetrieb zurück. Der selten gewordene Elll-Zug – ausgesprochen „E drei“ – wird auf der heutigen U5 zwischen Hönow und Hauptbahnhof unterwegs sein.



Historische Wurzeln
Die Baureihe Elll hat ihre ganz eigene Geschichte. Ursprünglich entstand sie aus umgebauten, ausrangierten S-Bahnwagen, die nach dem Mauerbau 1961 im damaligen Ost-Berlin verwendet wurden. Der Hintergrund: Ein erheblicher Teil der Berliner U-Bahnwagen war nach dem Zweiten Weltkrieg von der Sowjetunion als Reparationsleistung beschlagnahmt worden. Um den Bedarf an Fahrzeugen dennoch zu decken, griffen die Verkehrsbetriebe auf ausgemusterte S-Bahnwagen zurück und passten sie für den U-Bahnbetrieb an. Zwischen 1963 und 1990 entstanden insgesamt 172 Wagen dieser Bauart im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Berlin-Schöneweide – jener Werkstatt, die heute als Hauptwerkstatt der Berliner S-Bahn fungiert.
Die markanten Züge der Linie E
Lange Zeit waren die Elll-Züge auf der heutigen U5 im Einsatz, damals noch als Linie E bekannt. Ihr typisches Dreiklang-Türschließsignal wurde für viele Fahrgäste zum akustischen Markenzeichen. Bis Juli 1994 verkehrten die Elll-Züge im Fahrgastbetrieb, ehe die frisch wiedervereinigte BVG entschied, ihre weitere Nutzung einzustellen, da sie wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll erschien. Fast alle Fahrzeuge wurden daraufhin verschrottet.





Ein letzter Überlebender
Doch ein Vier-Wagen-Zug mit den Nummern 1914/1916 entging diesem Schicksal. Dank umfangreicher Modernisierungen – darunter die Nachrüstung mit einer Magnetischen Fahrsperre und einer Einrichtung für die Geschwindigkeitsüberwachung – erhielt er eine Zulassung als Museumszug. So blieb dieses Stück Technikgeschichte bis heute erhalten.
Vor ungewisser Zukunft
In Kürze läuft jedoch die Zulassung dieses historisch bedeutsamen Zuges aus. Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Eine erneute Verschrottung ist nicht geplant, ebenso wenig soll der Zug dauerhaft ins Museum wandern. Die BVG möchte ihn vielmehr in ihrem Bestand behalten. Dennoch bleibt unklar, wann und ob er zukünftig noch einmal im Fahrgastbetrieb zu erleben sein wird.
Ein letztes Mal einsteigen
Wer diese historische Fahrt miterleben möchte, benötigt dafür lediglich einen gültigen Fahrschein des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) oder einen Mitarbeiterfahrausweis der BVG. Ein besonderer Sonderfahrschein ist nicht nötig. Für Nahverkehrsnostalgiker und Geschichtsinteressierte bietet sich somit am kommenden Sonntag die vielleicht letzte Chance, den Elll-Zug in Aktion zu sehen – und das ganz ohne zusätzlichen Aufwand.



Der Fahrplan
Hönow nach Hauptbahnhof

Hauptbahnhof nach Hönow

Nutzen Sie die Gelegenheit, in einem einzigartigen Stück Berliner Verkehrsgeschichte Platz zu nehmen, bevor sich seine Türen vielleicht für längere Zeit schließen.
Fotos: © Pascal Riediger

