Die Berliner Feuerwehr stößt längst an ihre Grenzen. Fast alle 60 Sekunden wird in der Leitstelle ein Rettungswagen (RTW) alarmiert. Im Jahr 2023 rückten die Kräfte 493.728 Mal aus – 2010 waren es noch 321.604 Einsätze. Nun will der Senat mit einer umfassenden Reform des Berliner Rettungsdienst-Gesetzes die Notbremse ziehen.
Klare Abgrenzung von Notfall und Krankentransport
Künftig soll die Feuerwehr ihre RTW nur noch bei lebensbedrohlichen Notfällen, für hochinfektiöse Patienten oder stark übergewichtige Menschen einsetzen. Bagatelleinsätze sollen private Krankentransport-Firmen übernehmen, die über eine separate Leitstelle (19222) disponiert werden. Die Notrufnummer 112 bleibt für akute Notfälle vorbehalten, berichtet die B.Z.

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betont: „Ziel der geplanten Reform ist, dem Rettungsdienst im Land Berlin zu ermöglichen, sich auf die Kernaufgaben Notfallrettung und Notfalltransport zu konzentrieren, um eine bestmögliche Versorgung zu erreichen.“
Neue Regeln und strengere Anforderungen
- Deutschkenntnisse: Helfer müssen künftig nachweislich die „erforderliche Kenntnis der deutschen Sprache“ besitzen.
- Kategorien-System: Einsätze werden in fünf Stufen eingeteilt. Kategorie 1 umfasst lebensbedrohliche Fälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Kategorie 5 (z. B. Fieber) wird an die Kassenärztliche Vereinigung weitergeleitet.
- „NotSan-Erkunder“: Speziell geschulte Rettungskräfte prüfen unklare Fälle vor Ort – ein Modell, das bereits in der Pandemie erprobt wurde.
- Ehrenamtliche: Freiwillige können bei Großschadenslagen wie Explosionen oder Terroranschlägen eingebunden werden. Ihr Arbeitgeber muss sie freistellen, der Lohn wird ersetzt.
- Digitale Transparenz: Standort und Status aller Fahrzeuge sollen jederzeit digital abrufbar sein. Bis 2028 soll ein Bedarfsplan für Rettungsmittel vorliegen.
Erste Erfolge durch Übergangsregelung
Schon 2024 hatte die Feuerwehr eine temporäre Änderung eingeführt: Nicht jeder RTW musste mit einem Notfallsanitäter besetzt sein, auch Rettungssanitäter reichten aus. Feuerwehrchef Karsten Homrighausen erklärt: „Dadurch sank die Eintreff-Zeit von mehr als zehn Minuten auf acht Minuten und 14 Sekunden.“

Strenge Vorgaben für den Einsatzalltag bei den Rettern der Berliner Feuerwehr
Neu ist auch ein ausdrückliches Verbot für Retter, Bild- oder Tonaufnahmen von Einsätzen anzufertigen und auf Social Media zu teilen – mit Ausnahme offizieller Pressearbeit. Zulässig werden hingegen Videoübertragungen aus dem RTW in die Leitstelle, um Patienten schneller einzuschätzen.
Der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes erhält zudem erweiterte Auskunftsrechte gegenüber Kliniken. Schon während des Transports können künftig Daten zur Weiterbehandlung übermittelt werden.
Offene Baustelle: Kosten
2023 hatten 4.646 Patienten keine Versicherungskarte dabei. Für die Feuerwehr bedeutete das offene Forderungen von insgesamt 1,64 Millionen Euro. Auch hier soll die Reform Klarheit schaffen.
Foto(s): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 Whatsapp-KANAL Marzahn-Hellersdorf LIVE 🗞️

