Berlin steht erneut vor einer herausfordernden Silvesternacht. Auf einer Pressekonferenz hat die Berliner Feuerwehr detailliert dargelegt, mit welchen Szenarien gerechnet wird, welche Lehren aus dem vergangenen Jahreswechsel gezogen wurden und wie sich Einsatzkräfte auf die bevorstehenden Stunden vorbereiten. Deutlich wurde dabei vor allem eines: Die Belastung für Feuerwehr und Rettungsdienst erreicht seit Jahren neue Höchststände.
Rückblick auf die vergangene Silvesternacht
Zwischen 19 Uhr und 6 Uhr rückte die Berliner Feuerwehr in der Silvesternacht des Vorjahres zu 1.892 Einsätzen aus – erneut eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorjahren. Besonders auffällig war der massive Anstieg von Brandeinsätzen: 160 Brände mehr als im Jahr zuvor, vor allem zahlreiche Kleinbrände, aber auch fünf parallel laufende Großbrände, die über Stunden hinweg erhebliche Kräfte banden.

Leiter Stab Kommunikation
Sprecher der Behördenleitung
Pressedienst, eröffnete die Pressekonferenz der Berliner Feuerwehr
Besonders belastend für die Einsatzkräfte waren schwere Verletzungen durch missbräuchlich eingesetzte Pyrotechnik, darunter sogenannte Kugelbomben. Dabei wurden Menschen schwer verletzt, auch ein Kind. In Schöneberg machten Explosionen 36 Wohnungen unbewohnbar. Hinzu kam ein Wasserrohrbruch im Wedding zu Beginn der Nacht, der große Teile des Berliner Nordwestens ohne Trink- und Löschwasserversorgung ließ – ein Szenario, das die Führungsstrukturen zusätzlich forderte.

Vorbereitung auf extreme Szenarien
Die Einsatzplanung für den kommenden Jahreswechsel basiert auf diesen Erfahrungen. Markus Wiezorek, Abteilungsleiter Einsatzvorbereitung, Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung, machte deutlich, dass erneut mit einer Vielzahl paralleler Einsatzstellen gerechnet wird:
- zahlreiche Kleinbrände im gesamten Stadtgebiet
- mehrere Massenanfälle von Verletzten durch Feuerwerk und Verkehrsunfälle
- schwere Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Personen
- mögliche Krisensituationen durch den Ausfall kritischer Infrastruktur wie Strom- oder Wasserversorgung
- zusätzliche Belastungen durch Glatteis, Sturm oder andere Wetterextreme
Massive Verstärkung der Einsatzkräfte
Um diesen Szenarien zu begegnen, wird der Kräfteansatz in der Silvesternacht mehr als verdreifacht. Insgesamt stehen rund 1.600 Einsatzkräfte zur Verfügung. Darunter befinden sich 543 ehrenamtliche Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr, unterstützt von 54 Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks sowie 68 Kräften weiterer Rettungsdienstträger. Auch kurzfristig aus dem dienstfreien Bereich zurückgeholte Kräfte der Berufsfeuerwehr verstärken den Einsatz.
Ein besonderer Fokus liegt auf identifizierten Gefahrenschwerpunkten im Stadtgebiet. Hier werden gezielt Einsatzmittel vorgehalten. In diesem Jahr werden verstärkt Tanklöschfahrzeuge in die Innenstadt verlegt, um mit wenig Personal effizient viele Kleinbrände bekämpfen zu können.

Anpassungen in der Einsatztaktik
Auch auf die Vielzahl an Fehlalarmen durch Brandmeldeanlagen hat die Feuerwehr reagiert. Durch Feuerwerk ausgelöste Fehlalarme werden teilweise mit reduziertem Kräfteansatz angefahren, um Personal für lebensbedrohliche Einsätze – etwa Wohnungsbrände – verfügbar zu halten. Gleichzeitig wurden die Abstimmungswege mit Katastrophenschutzbehörden und Betreibern kritischer Infrastruktur weiter optimiert.

Schutz der Einsatzkräfte und Prävention
Ein zentrales Thema bleibt die Gewalt gegen Einsatzkräfte. Gemeinsam mit der Polizei Berlin wurden Maßnahmen eng abgestimmt. In bekannten Brennpunktbereichen werden Feuerwehr und Polizei gemeinsam vorgehen. Zusätzlich setzt die Berliner Feuerwehr flächendeckend Bodycams ein, um Angriffe zu dokumentieren. Eine Echtzeit-Lagekarte informiert die Einsatzkräfte über aktuelle Hotspots und Gefahrenbereiche.



Bereits im Laufe des Jahres setzte die Feuerwehr verstärkt auf Prävention: Über 100 Veranstaltungen mit rund 8.500 Teilnehmenden – darunter Kiezprojekte, Sportveranstaltungen, Dialogformate und Pyrotechnik-Workshops – sollten insbesondere junge Menschen für die Gefahren sensibilisieren.
Rettungsdienst an der Belastungsgrenze
Auch der Rettungsdienst blickt mit Sorge auf die Silvesternacht. Die Notaufnahmen in Berlin sind bereits im Alltag stark belastet, zusätzliche Faktoren wie Glatteis und Feuerwerksverletzungen verschärfen die Lage. Jährlich kommt es zu schweren, teils lebensverändernden Verletzungen an Händen, Augen, Kopf und Gehör – nicht selten auch bei unbeteiligten Personen. Rund ein Drittel der Verletzten stammt aus dem Umfeld des gezündeten Feuerwerks.



Die Feuerwehr appelliert daher eindringlich, möglichst auf Feuerwerk zu verzichten oder zumindest ausschließlich zugelassene Pyrotechnik sachgemäß zu verwenden – nüchtern, mit Abstand und unter Beachtung der Gebrauchsanweisung. Kinder sollten besonders geschützt werden, etwa durch Gehörschutz.
Appell an die Bevölkerung
Die Berliner Feuerwehr weißt ausdrücklich darauf hin, dass ein sicherer Jahreswechsel nur gemeinsam gelingen kann. Fenster und Balkontüren sollten geschlossen, brennbare Gegenstände von Balkonen entfernt und für den Notfall Wasser oder Feuerlöscher bereitgehalten werden. Viele Entstehungsbrände könnten – unter Beachtung des Eigenschutzes – selbst gelöscht werden.
Nach der Silvesternacht stehen spezielle Einsatznachsorgeteams bereit, um Einsatzkräfte bei der Verarbeitung belastender Erlebnisse zu unterstützen.

Zum Abschluss richtete die Feuerwehr einen klaren Appell an die Bevölkerung:
Wer hilft, rettet Leben. Wer Einsatzkräfte behindert oder angreift, verzögert Hilfe für andere. Als positiven Neujahrsvorsatz wurde die Registrierung als Ersthelfer über die Katretter-App genannt – ein Beitrag, der im Ernstfall Leben retten kann.
Die Berliner Feuerwehr wünscht allen Berlinerinnen und Berlinern sowie den Gästen der Stadt eine friedliche Silvesternacht und einen gesunden Start ins Jahr 2026.
Foto(s): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 Whatsapp-KANAL Marzahn-Hellersdorf LIVE 🗞️

