Die angekündigten Streiks bei der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) sorgen für Unmut bei Fahrgästen und Unternehmen gleichermaßen, teilt die Pressestelle der BVG mit.
Die BVG nennt das Vorgehen der Gewerkschaft Verdi eine „unnötige Eskalation“ und befürchtet erhebliche Auswirkungen auf tausende Fahrgäste in der Hauptstadt. Gleichzeitig appelliert das Unternehmen an Verdi, die kommenden Verhandlungen konstruktiv zu nutzen, anstatt auf Streiks zu setzen.
Hintergrund der Tarifrunde
Die BVG und die Gewerkschaft Verdi verhandeln seit geraumer Zeit über einen neuen Tarifvertrag. Kernpunkte sind höhere Löhne, Zulagen und eine fairere Arbeitszeitregelung für rund 16.500 Beschäftigte, insbesondere für Fahrerinnen und Fahrer von Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen. Die bisherigen Gespräche wurden vom Unternehmen mehrmals mit neuen Angeboten unterlegt, um die Forderungen der Beschäftigten zumindest teilweise zu erfüllen. Dennoch hat Verdi erneut Streikmaßnahmen angekündigt.
BVG: „Streiks dürfen nur letztes Mittel sein“
Nach Ansicht der BVG sei ein erneuter Streik zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerechtfertigt. Die öffentliche Erklärung des Unternehmens:
„Streiks, die Auswirkungen auf tausende Fahrgäste haben, dürfen immer nur das letzte Mittel sein. Bei einem Angebot von 13,6 Prozent mehr Lohn und einer auf 24 Monate verkürzten Laufzeit ist die erneute Eskalation auf dem Rücken unserer Fahrgäste unverhältnismäßig und unnötig.“
Zudem kündigte die BVG an, mögliche rechtliche Schritte zur Überprüfung der Verhältnismäßigkeit des Streiks zu prüfen. Laut Pressestelle hofft man jedoch, dass es nicht dazu kommt und Verdi im nächsten Verhandlungstermin Kompromissbereitschaft zeigt.
Deutliche Verbesserungen im Angebot der BVG
In ihrer Stellungnahme hebt die BVG vor allem die bereits zugesagten Verbesserungen hervor, die in den bisherigen Gesprächsrunden erreicht werden konnten:
- Erhöhung des durchschnittlichen Entgelts um 13,6 Prozent
Das Unternehmen betont, diese Summe stelle bereits eine signifikante Steigerung der Vergütung dar. Eine weitere Erhöhung in Richtung der von Verdi geforderten 30 Prozent sei aus wirtschaftlicher Sicht nicht darstellbar. - Verkürzte Laufzeit auf 24 Monate
Ursprünglich wollte die BVG einen Vertrag mit einer Laufzeit von 48 Monaten abschließen. Um den Forderungen der Belegschaft nach rascheren Anpassungen entgegenzukommen, wurde die Laufzeit bereits auf zwei Jahre halbiert. - Zulagen und Zuschläge
Laut BVG sollen Zulagen um bis zu 125 Prozent steigen, sodass Beschäftigte auch bei Schicht- und Wochenendarbeit besser entlohnt werden. - Einstiegsgehälter für Fahrerpersonal
- Bei einer 37,5-Stunden-Woche: 3.182 Euro monatlich.
- Bei einer 39-Stunden-Woche: 3.300 Euro monatlich.
- Hinzu kommen 225 Euro Zulagen, was das Einstiegsentgelt bei einer 39-Stunden-Woche auf über 3.500 Euro steigert.
Damit würde sich die BVG laut eigener Aussage im bundesweiten Vergleich vom „Abstiegsrang“ auf Platz drei bewegen.
Darüber hinaus verweist das Unternehmen auf Teilergebnisse, die in den bisherigen Verhandlungen bereits erzielt werden konnten – zum Beispiel beim Thema „Flexible Arbeitszeit“. Damit wolle man die Arbeitsbedingungen deutlich attraktiver gestalten, um auch künftig ausreichend Personal zu finden und zu halten.
Verdi fordert über 30 Prozent mehr Lohn
Trotz der beschriebenen Angebote hält Verdi an Forderungen von über 30 Prozent fest, was die BVG als „finanziell nicht tragbar“ einstuft. Nach Unternehmensangaben müsse man darauf achten, die BVG weiterhin „zukunftsorientiert und sicher“ aufzustellen. Dies gelte umso mehr, da die BVG für ihre Investitionen neben eigenen Mitteln auch auf öffentliche Gelder des Landes Berlin angewiesen ist.
„Verhandeln bedeutet aufeinander zuzugehen!“, sagt BVG-Personalvorständin und Verhandlungsführerin Jenny Zeller-Grothe. „Wir sind Verdi in vier Schritten deutlich entgegengekommen. Jetzt ist Verdi an der Reihe, einen Kompromissvorschlag zum Thema Entgelt an den Tisch zu bringen, statt weiter an Maximalforderungen festzuhalten. Der Ball liegt bei Verdi.“
Ausblick: Nächster Verhandlungstermin und Hinweise für Fahrgäste
Der nächste Verhandlungstermin ist für den 21. März angesetzt. Bis dahin wird Verdi voraussichtlich an seinen Plänen für Arbeitsniederlegungen festhalten – sofern die Gewerkschaft ihre Maßnahmen nicht kurzfristig aussetzt. Die BVG wiederum behält sich vor, rechtliche Schritte zur Überprüfung des Streiks einzuleiten, sollte sich die Situation weiter zuspitzen.
Wichtige Hinweise für Fahrgäste:
- Informationen zur aktuellen Verkehrssituation
Die BVG rät allen Fahrgästen, sich vor Fahrtantritt via FahrInfo-App oder auf BVG.de über mögliche Einschränkungen zu informieren. - Streik-Updates
Alle aktuellen Meldungen und Hintergründe zum Streik finden sich auf der eigens eingerichteten Seite: bvg.de/de/streik. - Details zum Tarifangebot
Wer tiefergehende Informationen zu den Inhalten der Tarifrunde sucht, kann diese unter Tarifrunde 2025 | BVG einsehen.
Ob und wie lange sich Fahrgäste auf Einschränkungen einstellen müssen, hängt vom Verlauf der nächsten Gespräche ab. In jedem Fall will die BVG nach eigener Aussage „so schnell wie möglich“ über konkrete Auswirkungen informieren.
Titelbild: © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 MaHe LIVE Whatsapp-KANAL 🗞️

