Heute, am 23. September 2024, wurden in Berlin-Mahlsdorf und Kaulsdorf drei neue Stolpersteine verlegt. Der Künstler Gunter Demnig, der das Projekt 1992 ins Leben rief, legte um 10:30 Uhr in der Greifswalder Straße 49 zwei Stolpersteine für Arthur und Frida Weisbrodt, geb. Fischer. Im Anschluss daran folgte um 10:55 Uhr im Briesener Weg 170 die Verlegung eines weiteren Stolpersteins für Karl Vesper.
Das Projekt Stolpersteine erinnert an die Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Es ist das größte dezentrale Mahnmal der Welt, mit mittlerweile über 100.000 Steinen in ganz Europa. Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf befinden sich bereits 37 dieser Gedenksteine, die an die Schicksale von Opfern des NS-Regimes erinnern. Die Verlegung der heutigen Stolpersteine wurde durch den Ortsverband Mahlsdorf/Kaulsdorf der LINKEN, die Volkssolidarität sowie den DGB-Kreisverband Ost unterstützt. Auch das Bezirksmuseum beteiligte sich mit Spenden.

Die drei geehrten Personen waren aktive Kommunisten und Widerstandskämpfer, die sich dem nationalsozialistischen Regime widersetzten. Für die Initiatoren dieser Gedenkveranstaltung ist es angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland von besonderer Bedeutung, das Bewusstsein für die Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten wachzuhalten.

Informationen zu den Personen
Arthur Kurt Paul Weisbrodt wurde am 23. September 1909 in Rummelsburg bei Berlin geboren. Von Beruf war er Optikermeister. Seit 1920 war er in einer kommunistischen Kindergruppe aktiv, 1923 dann Mitglied im Kommunistischen Jugendverband und ab 1929 in der KPD. Ab 1933 war er als Meldekurier für die „Rote Hilfe“ und als Geldkurier in ganz Deutschland unterwegs. In diesem Zusammenhang wurde erstmals verhaftet und zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Von 1941 bis 1944 arbeitete Arthur Weisbrodt als Mechaniker in der Firma Helmuth Riedel Apparatebau (Rüstungsproduktion) in Berlin. In dieser Zeit entstand ein Kontakt zur Gruppe um Anton Saefkow (Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation). In der Folge leistete er erneut illegale Widerstandsarbeit gegen den nationalsozialistischen Staat. Arthur Weisbrodt wurde am 12. Juli 1944 verhaftet und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt. Er wurde am 6. November 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.
Seine Mutter Frida Weisbrodt, geb. Fischer, wurde am 5. Oktober 1881 in Großenhain geboren und arbeitete in einer Zigarettenfabrik. Sie war zunächst in der SPD, dann in der USPD und spätestens seit 1920 in der KPD tätig. Später war sie aktiv in der „Roten Hilfe“ und versteckte vor und nach der Verhaftung ihres Sohnes Arthur 1934 von der Gestapo Gesuchte. Im April 1933 wurde sie dafür kurzzeitig verhaftet. Ihr kommunistischer Hintergrund war zudem Begründung für die Ablehnung eines Gnadengesuches für den Sohn. Sie überlebte den Zweiten Weltkrieg und verstarb am 11. April 1969 eines natürlichen Todes.
Karl Vesper wurde am 17. Mai 1883 in Berlin geboren und war gelernter Rohrleger und Monteur. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges engagierte er sich als Lichtenberger Vorsitzender im „Internationalen Bund der Opfer des Krieges“. Seit 1921 war er Mitglied der USPD und seit 1925 Hauptkassierer in der KPD. Im Widerstand gegen den Nationalsozialismus organisierte er den Druck und die Verteilung von Flugblättern der „Roten Fahne“ und anderer Schriften. Zudem beherbergte er politische Verfolgte. Karl Vesper wurde am 8. November 1933 verhaftet und im Berliner Konzentrationslager Columbia am 27. November 1933 ermordet.
Ein besonderer Dank gilt den Initiatoren Dr. Uwe Klett und Dagmar Poetzsch, die das Gedenken maßgeblich vorangetrieben haben.
Liste der Orte mit Stolpersteinen
Fotos: © Marzahn-Hellersdorf.com

