Es ist kurz nach 19 Uhr im Myslowitzer Straße in Kaulsdorf. Die Dunkelheit senkt sich über den Ortsteil, als plötzlich dichter Rauch aus einem Kellerfenster steigt. Blaulicht flackert über die Fassaden, die Anwohner bleiben stehen, neugierige Blicke hinter Gardinen. Doch diesmal ist es kein echter Feuerlöscheinsatz – sondern eine realitätsnahe Feuerwehrübung, die kaum vom Ernstfall zu unterscheiden ist.
Die Freiwillige Feuerwehr Kaulsdorf trainierte gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Hellersdorf den Ablauf eines Kellerbrandes – eines der gefährlichsten Einsatzszenarien überhaupt. Kaum Platz zum Bewegen, schlechte Sicht, unübersichtliche Raumstrukturen, brennendes Mobiliar, herabhängende Stromkabel. Für die Einsatzkräfte bedeutet das: volle Konzentration, sicheres Vorgehen und absolute Teamarbeit.









Schon beim Eintreffen sitzen die Handgriffe der Kameraden aus Kaulsdorf und Hellersdorf: Schläuche werden ausgerollt, die Wasserversorgung steht in Sekunden. „Rauchentwicklung im Keller, vermutlich Personen vermisst“, lautet die Lagemeldung. Mit schwerem Atemschutz, Lampen und Wärmebildkamera verschwinden die ersten Trupps in der Dunkelheit. Hinter der geöffneten Tür wartet eine dichte Nebelwand – nur schemenhaft sind die Umrisse der Einsatzkräfte zu erkennen.
Im Keller herrscht Nullsicht. Jeder Schritt wird vorsichtig gesetzt, jede Bewegung mit Bedacht ausgeführt. Die Hitze steigt, das Atmen fällt schwer. Dann ein dumpfer Ruf: „Person gefunden!“ Ein Übungsdummy, stellvertretend für ein Kind, wird auf die Schleifkorbtrage gelegt und nach draußen gebracht. Minuten später folgt die zweite „Person“, eine erwachsene Übungspuppe. Trotz des Wissens, dass es nur eine Übung ist, ist der Puls hoch – das Adrenalin spürbar.











Doch damit nicht genug: Zum Abschluss der mehrstündigen Übung wird ein Atemschutznotfall simuliert. Ein Feuerwehrmann „verunfallt“ im verrauchten Bereich. Jetzt zählt jede Sekunde. Sofort wird der sogenannte Sicherheits-Trupp aktiv – er arbeitet sich unter erschwerten Bedingungen zu dem Kameraden vor, überprüft dessen Luftversorgung und bringt ihn gemeinsam mit den anderen ins Freie. Der Schweiß rinnt, die Anspannung ist greifbar – und doch läuft alles nach Plan.
Nach rund zwei Stunden ist die Übung in der Myslowitzer Straße beendet. Das Gebäude ist rauchfrei, die Schläuche eingerollt, die Ausrüstung wieder verstaut. Die Einsatzkräfte versammeln sich vor der Einsatzstelle, um die Übung auszuwerten. Jeder weiß: Der Aufwand hat sich gelohnt. Denn im echten Einsatz bleibt keine Zeit für Fehler – und genau deswegen sind solche Trainings so wertvoll.
Die Feuerwehrleute aus Kaulsdorf und Hellersdorf zeigen an diesem Abend eindrucksvoll, was Professionalität, Routine und gegenseitiges Vertrauen bedeuten. Hinter jedem Atemzug unter der Maske, hinter jeder Bewegung im Dunkeln steckt Vorbereitung, Erfahrung und der gemeinsame Wille, Menschen zu schützen – auch unter Lebensgefahr.
So endet ein langer Übungsabend – mit erschöpften, aber zufriedenen Gesichtern und der Gewissheit: Wenn es darauf ankommt, sind sie bereit.
Fotos: © John Boutin / Berlin-Doku
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Auf der Suche nach neuen Mitgliedern: Wer Interesse daran hat, bei der Freiwilligen Feuerwehr Kaulsdorf mitzumachen, hat die Möglichkeit, am Übungsdienst teilzunehmen. Jeden Montag ab 19 Uhr findet dieser im Mädewalder Weg 21 statt und bietet eine gute Gelegenheit, einen Einblick in die Arbeit der Feuerwehr zu erhalten.
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