An der Hohensaatener Straße in Marzahn nimmt ein umstrittenes Bauprojekt der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag und der ZS Beteiligungs-GmbH weiter Gestalt an.
Für das Grundstück Hohensaatener Straße 18, das Gelände der früheren Kleeblattpassage, wurde die Baugenehmigung Ende Juli 2025 offiziell erteilt. Das Vorhaben, das die landeseigene Gewobag gemeinsam mit der ZS Beteiligungs-GmbH realisieren will, sieht den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses mit 375 Wohnungen sowie mehreren Gewerbeeinheiten vor.

Umfangreiches Baukonzept mit Wohn- und Nahversorgungsangebot
Wie Bezirksamtssprecherin Susan Hermenau mitteilt, ist die Baugenehmigung nach ihrer Erteilung zwei Jahre gültig und kann auf Antrag bis zu dreimal um jeweils ein Jahr verlängert werden. Ab dem Zeitpunkt der Baubeginnanzeige muss die Realisierung innerhalb von sechs Jahren erfolgen (§ 73 BauO Bln).
Laut Projektvorstellung, die im Rahmen einer Öffentlichkeitsveranstaltung im März 2025 präsentiert wurde, entstehen auf dem Gelände sechs Gewerbeeinheiten – darunter zwei Gastronomiebetriebe, eine Apotheke, eine Drogerie, ein Verbrauchermarkt und ein Bekleidungsgeschäft. Ergänzend dazu sollen 375 Wohnungen sowie 478 Fahrradstellplätze und 60 PKW-Stellplätze errichtet werden. Der geplante Außenbereich umfasst rund 1.500 Quadratmeter und soll mit Spielplatz und Aufenthaltsflächen gestaltet werden.
Ein Abrissantrag für den bisherigen Gebäudekomplex liegt derzeit noch nicht vor. Nach aktuellem Zeitplan ist die Fertigstellung des Projekts für das erste Quartal 2028 vorgesehen.
Kleeblattpassage Oktober 2025
Bürgerdialog bleibt sensibler Punkt
Das Bauvorhaben ist seit Monaten Gegenstand intensiver Diskussionen. Anwohner äußern Bedenken wegen Baulärm, Verdichtung und Parkplatzmangel. Die Gewobag teilte inzwischen mit, sie habe Kontakt zur Bürgerinitiative vor Ort aufgenommen und strebe einen Austausch zur Verbesserung der Kommunikation an. Das Bezirksamt betont, dass sich die Öffentlichkeitsbeteiligung im gesetzlich vorgesehenen Rahmen bewege, verweist aber auf die Verantwortung des Bauherrn, die Nachbarschaft frühzeitig und transparent einzubinden.
Stadtentwicklung zwischen Verdichtung und Aufwertung
Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen liegt das Baugebiet im Bereich des Bebauungsplans 10-11, der ein Sondergebiet für Nahversorgung und Wohnen vorsieht. Der bestehende Gebäudekomplex – geprägt von Leerstand und baulichem Verfall – soll durch eine moderne, durchgrünte Bebauung mit Dachbegrünung und Photovoltaik-Anlagen ersetzt werden. Für das Areal sind zudem neue Baumreihen entlang des Brodowiner Rings und begrünte Innenhöfe vorgesehen.
Auch die soziale Infrastruktur wird im Zusammenhang mit dem Projekt neu bewertet. Aus den 375 geplanten Wohnungen ergibt sich ein rechnerischer Mehrbedarf von 41 Grundschul- und 39 Kitaplätzen. Der Bezirk verweist auf bereits geplante Ausweitungen: In Marzahn-Mitte entstehen bis 2028 über 100 neue Kitaplätze, außerdem soll ein Erweiterungsbau an der Landsberger Allee künftig als Grundschule genutzt werden.

Infrastruktur und Bauphase
Während der Bauzeit rechnet die BVG nicht mit Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr. Die Berliner Wasserbetriebe prüfen aktuell mögliche Leitungsverlegungen, die sich nach ersten Einschätzungen jedoch auf ein überschaubares Ausmaß beschränken. Die BSR bestätigte bereits eine funktionsfähige Entsorgungslogistik für das Neubauvorhaben und erteilte zwei Standplatzbestätigungen für Müllsammelplätze.
Um Belastungen durch die Baustelle gering zu halten, verweist das Bezirksamt auf die Vorgaben der Bauordnung Berlin (§ 11 BauO Bln), die insbesondere den Schutz vor Lärm, Staub und Erschütterungen regelt. Die Bauherrin plane zudem eine kurze Bauzeit durch hohen Vorfertigungsanteil, um Beeinträchtigungen zu minimieren.
Mit der erteilten Baugenehmigung beginnt nun die konkrete Umsetzungsphase. Während Politik und Gewobag von einem wichtigen Schritt für die Wohnraumversorgung und städtebauliche Aufwertung Marzahns sprechen, bleibt die Akzeptanz in der Bevölkerung begrenzt. Entscheidend wird sein, wie transparent die Kommunikation zwischen Bauherr, Bezirk und Anwohnerschaft in den kommenden Monaten verläuft.
Fertigstellung laut Planung: Frühjahr 2028.
Quellen:
- Schriftliche Anfrage Dr. Alexander King (SPD) – Drucksache 19/22794, Abgeordnetenhaus Berlin, 20.06.2025
- Schriftliche Anfrage Kristian Ronneburg (DIE LINKE) – Drucksache 19/23459, Abgeordnetenhaus Berlin, 08.08.2025
- Angaben der Pressesprecherin des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf, Susan Hermenau, Oktober 2025
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Danke für Ihre Infos. Dass die Anwohner informiert werden, sollte ein Selbstverständnis sein, aber nirgends sind echte Infos zu haben, obwohl Sie sagen, dass das versprochen wurde.
Es ist schon eine bodenlose Frechheit, was vom Bezirksamt bezüglich der Parkplatzsituation geschrieben wurde.
Es sind jetzt schon zu wenig Parkplätze vorhanden. LKW und Firmenbusse (Sprinter) sowie einige private PKW wurden nachts auf dem großen Parkplatz abgestellt. Der fällt ja durch die Bebauung gänzlich weg.
Sämtliche Parkbuchten, die in der Hohensaatener Straße existieren, sind abends voll belegt.
Wie wird es aussehen, wenn 376 neue Wohnungen dazukommen? Noch dazu hat REWE Kundenverkehr. WO sollen die Autos für REWE parken?
Wie sieht überhaupt die Straßenführung während der Bauarbeiten aus?
Kommt man problemlos durch die Hohensaatener und den Brodowiner Ring, wenn dort bis an die Straße gebaut wird?
Ich finde es wieder einmal bezeichnend, dass die Bedenken der Anwohner von den Politikern und Bauherren völlig in den Wind geschlagen werden.
Die haben extra einen Paragrafen geschaffen, damit sie bei der Ablehnung durch die Bevölkerung trotzdem ihren Willen durchsetzen können. 🙁
Das Unternehmen Schlecker existiert seit langem nicht mehr. Der ging pleite. Aber dennoch finde ich die Verdichtung an dieser Stelle unerhört. Mit sozial verantwortungsvoller Stadtentwicklung hat das nichts zu tun.
Hier redet man von 375 Wohnungen die neu gebaut werden sollen. Aber auf der Internetseite :www.ioobln.de/projects/hohensaatener-strasse-hsn/ ist die Rede von 674 Wohneinheiten. Hier werden die Anwohner schon wieder einmal hinters Licht geführt. Damit fehlt es in Zukunft an vielen Kitaplätzen ,Schulen, Ärzten,und Parkplätze. Man sollte auch bedenken das daß gleiche in der Jan Petersen Straße und im Talcenter passiert. Ich habe mal wieder das Gefühl das der Osten der Stadt wieder einmal hinhalten muss damit der Westteil der Stadt nicht belastet wird.
@Ralph: Das ist eine alte Planung. 2018 wurde bereits in Verantwortung der Linken eine durchgängige 11-geschossige Bebauung (+Staffelgeschoss) genehmigt. Jetzt sind zwei längere Gebäude mit 8 Geschossen (+Staffelgeschoss) und ein Hochhaus mit 16 Geschossen geplant. Daher auch die geringere Anzahl an Wohnungen. Eine gute Übersicht gibt es hier: https://bvv-marzahn-hellersdorf.berlin.de/pi-r/___tmp/tmp/45081036/nSCFxGANje5bJNjRgn7f6Ta4l57TnbyxRbRSWxxS/EDhaPiSL/04-Anlagen/02/vzb0902_VI-B-Plan_10-11_Auswertg_fruehz_Oeffen.pdf (17mb)
Ich finde es schlimm, das in einer sogenannten Demokratie die Menschen kein Mitspracherecht haben. Marzahn und Hellersdorf sind schon so zugebaut und es leben jetzt schon zu viele Menschen dicht aneinander,da ist doch der Ärger der entsteht schon vorprogrammiert.Keine Infrastruktur keine Ärztliche Versorgung keine Schulen und Kitas .Marzahn ist ein alter Stattbezirk und hat viele alte Anwohner ,man könnte auch bezahlbare Alters gerechten Wohnraum bauen dann würden große Wohnungen die jetzt von einzelnen Personen bewohnt werden frei für Familien mit Kindern werden oder noch besser gleich einen neuen Stadtbezirk wo Familien nicht in Häusern wohnen müssen wo man sich aus den Fenstern die Hand reichen kann.
Das Bedarf an bezahlbarem Wohnraum besteht, dürfte eigentlich jedem Mieter klar sein. Wohnungsneubau kann eine Möglichkeit sein, dieses Problem anzugehen, sollte aber nicht die einzige Stellschraube hier sein.
Bei Betrachtung des Neubaus fällt hier außerdem auf, dass die Flucht zwischen (vor allem) den 11-Geschossern und dem Neubau schon sehr schmal sind. Attraktiver und lebenswerter Neubau und Neugestaltung von Wohnquartieren kann und wird so nicht funktionieren.
Ein riesiges Problemfeld ist und bleibt (trotz einer „positiven“ Studie vom Bezirksamt, deren Resultat nicht verständlich ist) die Parkplatzsituation. Beim Neubau wird ein schon etwas größerer Parkplatz komplett überbaut und es werden nur 60 „neue“ PKW-Stellplätze geschafft, die vielleicht gerade so den alten Parkplatz ersetzen. Wenn wir dann nur mit 1 Person pro Wohnung (was natürlich lächerlich wenig ist) kalkulieren, haben wir am Ende knapp 400 neue Anwohner. Gehen wir vom Durchschnitt in Berlin aus, werden mit ca. 30% PKW-Besitzquote gut 120 neue Autos hier erwartet. Wenn wir uns dann die aktuelle Situation anschauen, die oft gerade noch im erträglichen Bereich ist (Abends und Nachts aber schon teilweise kritisch ist) und zudem noch schauen, dass die 120 Autos mit allen Kenngrößen viel so gering geschätzt sind… joa, da bahnt sich ein neues Parkchaos an.
Kommunalpolitik hat oft die Möglichkeit die Anwohner vor Ort wirklich „mit zu nehmen“ und einzubinden. Logischerweise ist es nicht immer einfach, Politik und ordentliche Politik sind fast nie einfach. Aber eine solche Verdichtung von Wohnraum ohne die Nötigen Vorkehrungen für die Infrastruktur ziehen absolut die Lebensqualität und die Qualität des Quartiers herunter. Ist das wirklich das Resultat was gewünscht wird? Wenn ja, dann ist es auch kein Wunder, weswegen ein Großteil der verantwortlichen Politiker im Großen und im Kleinen oft mehr als Kritisch gesehen werden.
Auf das Problem, dass sich mit dieser Baugenehmigung nach §34 BauGB (laut Frau Wessoly) auch prinzipiell über die einstimmige Entscheidung der BVV Marzahn-Hellersdorf zur Bebauung hier hinweggesetzt wird, möchte ich hier nicht mal eingehen.
Schauen wir mal, was in dieser Odyssee noch so passiert. Ich weiß auf jeden Fall nun deutlich besser, wie ich über bestimmte Personen im Bezirk zu denken habe.
Vielen Dank dafür.
Manfred
Leider hat Richard Recht
Heute wurden Parkverbotsschilder vor Hohensaatener Str. 11-15 aufgestellt .(gültig bis 12/28) Dadurch fallen jetzt für 2 Jahre
ca. 80 Parkplätze weg . Wo lassen die Mieter ihre Autos ?