Zum Jahreswechsel gehört in Deutschland für viele Menschen das Feuerwerk einfach dazu. Bunte Raketen, laute Böller und funkelnde Lichter am Nachthimmel sollen den Übergang in das neue Jahr feiern und symbolisieren. Für einige sind die Knalle und Lichteffekte ein unverzichtbarer Bestandteil des Silvesters, andere hingegen empfinden sie als störend, belastend oder gar gefährlich. Auch im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf zeigt sich dieses Spannungsfeld sehr deutlich.
Während manche Anwohner dort das Feuerwerk lieben und sich kaum ein Silvester ohne bunte Raketen vorstellen können, plädieren andere längst für einen Verzicht oder zumindest starke Einschränkungen. Doch was steckt hinter der Faszination für die Böllerei, und welche Gründe gibt es für die zunehmende Kritik?
Im Folgenden wird die Thematik ausführlich beleuchtet – von historischen Ursprüngen über psychologische Hintergründe bis zu Umweltauswirkungen und möglichen Alternativen, mit besonderem Blick auf Marzahn-Hellersdorf.
Historische Wurzeln und kulturelle Bedeutung
Geister vertreiben und Glück herbeirufen
Die Tradition des lauten Jahreswechsels geht auf verschiedene Bräuche zurück. In vielen Kulturen glaubte man, dass laute Geräusche böse Geister vertreiben könnten. In Deutschland war das sogenannte „Perchtenlaufen“ (vorrangig in Süddeutschland und Österreich) ein Brauch, bei dem Menschen in gruseligen Masken und mit viel Lärm durch die Straßen zogen. Im Laufe der Zeit übernahmen Feuerwerkskörper nach und nach die Rolle der lauten Instrumente.
Feuerwerk in anderen Kulturkreisen
Nicht nur in Deutschland ist das Abbrennen von Feuerwerk verbreitet. In China etwa hat das Feuerwerk eine jahrhundertelange Tradition und eine ganz besondere kulturelle Stellung. Es wird vermutet, dass Schwarzpulver – die Basis für Feuerwerkskörper – bereits im 9. Jahrhundert in China erfunden wurde. Heute spielen Feuerwerke auch dort bei verschiedenen Festen, insbesondere zum chinesischen Neujahr, eine bedeutsame Rolle.
Faszination für Licht und Feuer
Feuer, Licht und Knall üben eine gewisse Ur-Faszination auf den Menschen aus. Das Flackern von Flammen oder bunte Explosionen am Himmel wecken Neugier und Staunen. Auch bei Feierlichkeiten wie Hochzeiten, Sportevents oder Stadtfesten wird häufig ein Feuerwerk gezündet, um eine besondere Stimmung zu erzeugen. In Marzahn-Hellersdorf wiederum begeistern besonders die professionellen Shows, wie sie hin und wieder bei Veranstaltungen in den Gärten der Welt angeboten werden.
Gründe für die Begeisterung an Feuerwerkskörpern
Ästhetische und emotionale Erlebnisse
Das Himmelsspektakel kurz nach Mitternacht ist für viele Menschen ein echter Gänsehautmoment. Die Farben, Muster und Formen, die sich mit lautem Knall am Nachthimmel entfalten, können Glücksgefühle auslösen und verleihen dem Jahreswechsel eine fast magische Aura. Auch in Marzahn-Hellersdorf suchen viele Anwohner zum Jahreswechsel bevorzugt Orte mit guter Sicht, um das Feuerwerkpanorama über den weiten Hochhaussiedlungen hinweg zu genießen.Der Kienberg, die Ahrensfelder Berge oder der Landschaftspark Wuhletal bieten eine exklusive Aussicht auf das Feuerwerk im Bezirk.
Kollektive Freude und Gemeinschaftserlebnis
Silvester wird meist in Gemeinschaft gefeiert – sei es in der Familie, im Freundeskreis oder auch in der Nachbarschaft. Das gemeinsame Planen und Abbrennen von Raketen und Knallern kann den Gruppenzusammenhalt stärken. Es entsteht das Gefühl, gemeinsam etwas Spektakuläres zu erleben und den alten Ballast des vergangenen Jahres symbolisch „wegzuknallen“. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl findet sich auch in den Wohngebieten von Marzahn-Hellersdorf, wenn sich Nachbarn auf Balkonen und in Hinterhöfen zum gemeinsamen Böllern treffen.
Ritual des Übergangs
Feuerwerk markiert wie kaum ein anderes Ritual den Übergang von einem alten zu einem neuen Jahr. Viele verbinden damit ein Loslassen des Vergangenen und die Hoffnung auf einen frischen, strahlenden Anfang. Das laute Zischen und Knallen kann in diesem Moment fast wie ein symbolisches „Abschütteln“ negativer Erlebnisse wirken.
Kindheitserinnerungen und Nostalgie
Für viele Erwachsene ist das Silvesterfeuerwerk ein liebgewonnener Brauch aus der Kindheit. Das gemeinsame Zünden von Wunderkerzen und Knallfröschen mit Eltern und Großeltern kann von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diese nostalgischen Gefühle sind ein starker Grund, warum viele an der Böllerei festhalten – nicht nur deutschlandweit, sondern auch lokal in Marzahn-Hellersdorf, wo die Nachbarschaft in vielen Plattenbauten eine große Rolle spielt.

Gründe für die Ablehnung von Feuerwerkskörper
Trotz der großen Begeisterung für Raketen und Böller gibt es eine wachsende Zahl von Menschen, die diese Tradition kritisch sehen. Die Gegenargumente reichen von persönlichem Unbehagen bis hin zu globaler Umweltverantwortung.
Lärmbelastung und Stress
Viele Menschen reagieren empfindlich auf laute Geräusche. Gerade Haustiere (z. B. Hunde, Katzen, Pferde, Vögel), Wildtiere sowie Kleinkinder und ältere Menschen können durch den plötzlichen Knall massiv erschreckt werden. Der Lärm kann stressbedingte Reaktionen, Panikattacken oder Schlafstörungen auslösen. Auch für Personen mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) sind laute Knälle oftmals extrem belastend.
In Marzahn-Hellersdorf berichten Anwohner immer wieder davon, dass schon Tage vor Silvester vereinzelte Knaller gezündet werden und damit die nächtliche Ruhe stören.
Umwelt- und Gesundheitsaspekte
Feuerwerkskörper bestehen aus Schwarzpulver, Metallen und chemischen Zusätzen. Beim Abbrennen werden Schadstoffe und Feinstaubpartikel freigesetzt, die die Luftqualität kurzzeitig erheblich verschlechtern können. In einigen Städten gibt es Messungen, die belegen, dass nach Mitternacht an Silvester die Feinstaubbelastung um ein Vielfaches über dem zulässigen Grenzwert liegt. Menschen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma können hierunter leiden. Darüber hinaus bleiben Raketen- und Böllerüberreste oft als Müll in der Landschaft zurück und belasten die Umwelt.
Auch im weitläufigen Gebiet von Marzahn-Hellersdorf klagen manche über verschmutzte Parkanlagen und Spielplätze, auf denen die Reste der abgebrannten Raketen und Batterien herumliegen.
Sicherheitsrisiken
Silvester ist für Einsatzkräfte wie Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei eine der arbeitsreichsten Nächte im Jahr. Durch unsachgemäß gezündete oder mangelhafte Feuerwerkskörper kann es zu Unfällen kommen, die sowohl Sachschäden als auch schwere Verletzungen wie Verbrennungen, Knalltraumata oder gar Verlust von Gliedmaßen zur Folge haben können. Gerade der unsachgemäße Gebrauch oder Alkoholgenuss erhöhen die Unfallgefahr beträchtlich.
Die Berliner Feuerwehr weist jährlich eindringlich auf die Gefahren im Umgang mit Feuerwerkskörpern hin und gibt Tipps zu sicherem Verhalten rund um den Jahreswechsel.
Soziale Ungleichheiten
Feuerwerkskörper können – je nach Qualität und Menge – durchaus kostspielig sein. Manche Stimmen kritisieren, dass bei knapper Kasse das Geld lieber in sinnvolle Projekte oder private Rücklagen gesteckt werden sollte, statt es sprichwörtlich „in die Luft zu jagen“. Zudem erreichen teure Raketen und spektakuläre Effekte häufig nur diejenigen, die über entsprechende finanzielle Mittel verfügen – ein Umstand, der als ungerecht empfunden werden kann.
Einige Bewohner in Marzahn-Hellersdorf initiieren daher Spendenaufrufe, um statt Böllern lokale Projekte zu unterstützen – beispielsweise Jugendzentren, für das Tierheim Berlin oder Senioreneinrichtungen im Bezirk.

Debatte um Verbote und Einschränkungen
Aufgrund der genannten Nachteile gibt es immer wieder Diskussionen darüber, Feuerwerk zu regulieren oder sogar gänzlich zu verbieten.
Regionale Verbotszonen
Einige Städte in Deutschland haben in der Vergangenheit bereits sogenannte „Böllerverbotszonen“ eingerichtet – häufig in besonders dicht besiedelten Altstädten oder in Bereichen, in denen viele Fachwerkhäuser stehen. In Marzahn-Hellersdorf gibt es bislang keine offiziellen großflächigen Verbotszonen, doch gerade in den Bereichen mit großen Menschenansammlungen wird vermehrt über Einschränkungen diskutiert.
Konzessioniertes Feuerwerk
In manchen Kommunen darf Feuerwerk nur von professionellen Pyrotechnikern abgebrannt werden, etwa im Rahmen einer städtischen Silvesterveranstaltung. Der private Verkauf und das Zünden bestimmter Kategorien von Feuerwerkskörpern ist dann untersagt. Auch in Marzahn-Hellersdorf wird über ähnliche Konzepte nachgedacht, um mögliche Gefahren und Umweltbelastungen zu reduzieren. In der Mehrower Allee in Marzahn wurden dazu in den letzten Jahren sogenannte „Böllerverbotszonen“ eingerichtet.

Gesellschaftliche Akzeptanz
Die Meinung in der Bevölkerung zum Thema Böllerei hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Umfragen zufolge sehen immer mehr Menschen das privat organisierte Silvesterfeuerwerk kritisch, vor allem aufgrund des Lärms und der Umweltbelastung. Dennoch bleibt der Drang nach einer farbenfrohen und lauten Jahreswende für einen großen Teil der Bevölkerung fest verankert.
Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf spiegeln Anwohnerkommentare in unserer Facebookgruppe „Marzahn-Hellersdorf LIVE“ das gesamtstädtische Stimmungsbild wider: Eine wachsende Zahl fordert mehr Rücksichtnahme, während andere sich an dem Brauch festhalten, den sie aus ihrer Kindheit kennen.
Mögliche Alternativen und Kompromisslösungen
Um die Silvesterstimmung zu bewahren und gleichzeitig Rücksicht auf Gesundheit und Umwelt zu nehmen, haben sich in den vergangenen Jahren einige Alternativen etabliert:
Professionelle Feuerwerke
Statt überall privates Feuerwerk zuzulassen, können Gemeinden oder Eventveranstalter große zentrale Feuerwerke organisieren. Diese sind oft auf eine kurze, eindrucksvolle Show begrenzt. Dadurch wird der ungeplante, zumeist über Stunden verteilte Knallteppich reduziert. Professionelle Pyrotechniker sorgen zudem für Sicherheitsvorkehrungen und eine geringere Unfallgefahr.
Auch in Marzahn-Hellersdorf gab es in der Vergangenheit schon solche professionellen Feuerwerke, etwa bei Großveranstaltungen in den Gärten der Welt. Ein zentral organisiertes Feuerwerk könnte langfristig eine Lösung sein, um den Lärm- und Müllpegel im gesamten Bezirk zu reduzieren.
Lasershows und Drohnenshows
Eine moderne und beeindruckende Variante sind Lasershows, bei denen Lichteffekte und Musik kombiniert werden. Auch Drohnenshows mit illuminierten Drohnen gewinnen in vielen Städten an Beliebtheit. Hierbei formen hunderte von Drohnen Bilder und Muster am Himmel – lautlos oder zumindest sehr viel leiser als herkömmliche Raketen. Dies reduziert nicht nur die Lärmbelästigung, sondern verhindert auch Feinstaub- und Müllprobleme.
So könnte beispielsweise auch in Marzahn-Hellersdorf eine solche Lasershow über den Hochhaussiedlungen inszeniert werden, um den Bezirk in ein einzigartiges Lichterspiel zu tauchen – ganz ohne den typischen Feuerwerkslärm.
Leise Feuerwerkskörper
Es existieren inzwischen spezielle pyrotechnische Produkte, die mit weniger Knall auskommen. Diese sogenannten „Silent Fireworks“ setzen mehr auf Licht- und Glitzereffekte. Sie können eine Kompromisslösung für diejenigen sein, die auf optische Spektakel nicht verzichten möchten, dabei aber den Lärm reduzieren wollen.
Spenden statt Böllern
Mancherorts entstehen Initiativen, die dazu aufrufen, das Geld für Feuerwerkskörper an gemeinnützige Organisationen zu spenden. Wer dennoch feiern möchte, kann sich beispielsweise Wunderkerzen und anderes Kleinstfeuerwerk besorgen oder gemeinsam mit Freunden auf eine größere, offizielle Show warten.
Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf sammeln einzelne Vereine und Nachbarschaftsinitiativen auf diesem Wege Spenden für Jugendprojekte, um so das Miteinander zu stärken.
Psychologische und soziale Aspekte
Identität und Brauchtum
Feste, Rituale und Bräuche wie Silvesterböllerei dienen der Gemeinschaft und deren Identitätsstiftung. Das Aufgeben eines solchen Brauchs wird mitunter als Verlust eigener Kultur empfunden. Die Frage lautet dann oft: „Wenn wir das Feuerwerk aufgeben, was bleibt dann von unserem Silvesterfest?“ Auch in Marzahn-Hellersdorf ist zu beobachten, dass sich Bewohner oft über Traditionen definieren, die sie seit Kindertagen kennen.
Symbolik des Neuanfangs
Gerade das Feuerwerk wird symbolisch als Aufbruch in ein neues Jahr verstanden. Ein emotional aufgeladener Moment, der vielen Menschen hilft, das Vergangene loszulassen und optimistisch nach vorn zu schauen.
Konfliktpotenzial
In Wohngebieten und Mehrfamilienhäusern treffen Silvesterfeuerwerks-Fans und Gegner besonders unmittelbar aufeinander. Die Lärmbelastung ist hier für viele höher spürbar. Unsachgemäßer Gebrauch von Böllern auf engem Raum kann zu gesundheitlichen Gefahren führen und den sozialen Frieden belasten.
In einigen Straßenzügen von Marzahn-Hellersdorf gibt es zudem Berichte über vereinzelte Vandalismusfälle, bei denen Böller mutwillig in Mülltonnen oder Briefkästen geworfen werden – ein extremes Beispiel dafür, wie schnell aus Feiern auch gefährliche Situationen entstehen können.

Die Diskussion um das Silvesterfeuerwerk spitzt sich vor dem Hintergrund steigenden Umweltbewusstseins, Gesundheitsschutzes und Lärmempfindlichkeit zunehmend zu. Während die einen Feuerwerk als unverzichtbaren Bestandteil des Jahreswechsels feiern, wünschen sich andere strengere Regulierungen oder ein Verbot. Der gesellschaftliche Trend geht in vielen Städten bereits dahin, private Böllerei einzuschränken und auf größere, zentrale Feuerwerke oder alternative Veranstaltungen wie Lasershows zu setzen.
Für viele Menschen sind Raketen und Böller untrennbar mit Silvester und Nostalgie verbunden, spiegeln Brauchtum und Kultur wider und bieten einen emotionalen Höhepunkt zum Jahreswechsel. Auf der anderen Seite stehen wissenschaftliche Erkenntnisse und gesundheitliche Bedenken: Feinstaub und Müll, Lärmstress für Tiere und Menschen sowie eine erhöhte Unfallgefahr sprechen dafür, das bisher weitgehend unkontrollierte Abfeuern von Pyrotechnik zu überdenken.
In Marzahn-Hellersdorf wie auch in anderen Bezirken Berlins zeigt sich dieser Zwiespalt ganz konkret: Eine lebendige Tradition auf der einen Seite, die Suche nach umweltbewussteren, sicheren Alternativen auf der anderen.
Letztlich ist es eine Frage der Abwägung: Ein rücksichtsvolles Miteinander, das individuelle Bedürfnisse berücksichtigt und gleichzeitig den Schutz von Mensch, Tier und Umwelt im Blick behält, könnte ein Schlüssel für künftige Silvesterfeiern sein. Professionelle, leise oder gänzlich alternative Lichtinszenierungen bieten sich als Kompromiss an, damit auch kommende Generationen in Marzahn-Hellersdorf und darüber hinaus einen unbeschwerten, feierlichen Jahreswechsel erleben können – ob laut und bunt oder bewusst leise und umweltschonend.
Kurz zusammengefasst: Silvester und die damit verbundene Böllerei sind in der deutschen Kultur und auch im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf tief verwurzelt. Die Faszination für Farben, Knall und Gemeinschaftsgefühl wird jedoch zunehmend von Bedenken hinsichtlich Lärm- und Umweltbelastung, Sicherheitsrisiken und Gesundheitsschutz begleitet. Kommunen und Stadtteile reagieren mit Einschränkungen oder gänzlich neuen Konzepten wie Lasershows oder zentralen Feuerwerken. Ein respektvoller Umgang, das Bewusstsein für mögliche Risiken und ein offener Dialog zwischen unterschiedlichen Interessengruppen können dazu beitragen, dass alle ein frohes und sicheres neues Jahr erleben – auch in Marzahn-Hellersdorf.
Informationen: Kienbergpark
Foto(s): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 Whatsapp-KANAL Marzahn-Hellersdorf LIVE 🗞️

