Sparen oder Datenfalle? Was Verbraucher über Supermarkt-Apps wissen sollten
Supermarkt-Apps sind aus dem Alltag vieler Verbraucher nicht mehr wegzudenken. Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage nutzen fast drei Viertel der Smartphone-Besitzer diese Anwendungen, um Rabatte zu erhalten oder an Treueprogrammen teilzunehmen. Doch wer denkt, dass er dabei nur spart, irrt sich womöglich. „Viele Verbraucher überschätzen die Vorteile dieser Apps“, warnt Christine Steffen, Datenschutzexpertin der Verbraucherzentrale NRW. Denn der Preis für Vergünstigungen ist oft die Preisgabe persönlicher Daten. Hier sind die größten Missverständnisse über Supermarkt-Apps – und was wirklich dahintersteckt.
Irrtum 1: Mit Rabatten spart man immer Geld
Nicht jeder Rabatt ist ein echter Gewinn. Die Preisersparnis hängt stark von den Kaufgewohnheiten ab. Wer bevorzugt regionale und saisonale Produkte kauft oder zu Eigenmarken greift, fährt oft günstiger als mit reduzierten Markenartikeln. Zudem verleiten Mengenrabatte häufig dazu, mehr zu kaufen, als eigentlich benötigt wird – was am Ende keine Ersparnis, sondern eher höhere Ausgaben bedeutet.
Irrtum 2: Die Ersparnis ist immer transparent
„30 Prozent auf Bio-Joghurt!“ Klingt gut, aber auf welchen Preis genau? Händler müssen den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage angeben, um irreführende Rabatte zu verhindern. Erst im September 2024 entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) gegen Aldi Süd, dass angepriesene Preisreduzierungen sich auf diesen Preis beziehen müssen – ein Schutz gegen künstlich aufgeblähte Rabatte. Verbraucher sollten sich daher nicht von bunten Werbebannern täuschen lassen, sondern genau hinschauen.
Irrtum 3: Rabatte sind kostenlos
Apps einfach herunterladen und sparen? So einfach ist es nicht. Supermärkte nutzen Rabatt-Apps gezielt zur Datensammlung. Im Gegensatz zu klassischen Stempelkarten erfassen die Apps detaillierte Informationen über Kaufverhalten, Vorlieben und sogar Gesundheitsdaten – zum Beispiel durch den Kauf von laktosefreien Produkten oder Diätartikeln. Selbst die Art der App-Nutzung wird ausgewertet: Wie oft wird sie geöffnet? Welche Produkte werden länger angeschaut? Diese Daten werden nicht nur für maßgeschneiderte Werbung, sondern oft auch für weitere Analysen und möglicherweise den Verkauf an Dritte genutzt.
Irrtum 4: Personalisierte Werbung ist harmlos
Werbung, die genau auf die eigenen Vorlieben abgestimmt ist – praktisch oder manipulativ? Personalisierte Angebote nutzen psychologische Tricks, um zum Kauf zu verleiten. Begrenzte Mengen, exklusive Rabatte und zeitlich befristete Angebote erzeugen künstlichen Druck. Je mehr ein Anbieter über seine Kunden weiß, desto gezielter kann er Schwächen ausnutzen – und das kann zu ungewollten Spontankäufen führen.
Irrtum 5: Gegen Datensammlung kann ich nichts tun
Doch, Verbraucher haben Rechte! Datenschutzeinstellungen in den Apps bieten oft die Möglichkeit, bestimmte Funktionen auszuschalten, z. B. die Standortfreigabe oder personalisierte Werbung. Wer genau wissen möchte, welche Daten gesammelt und gespeichert werden, kann von seinem Auskunftsrecht Gebrauch machen – etwa mit einem kostenlosen Musterbrief der Verbraucherzentrale NRW.
Fazit: Sparen mit Bedacht
Supermarkt-Apps können durchaus helfen, beim Einkauf zu sparen – wenn man sie bewusst nutzt. Wichtig ist, Rabattversprechen kritisch zu hinterfragen, die Datenweitergabe zu prüfen und sich nicht von personalisierter Werbung unter Druck setzen zu lassen. Denn in vielen Fällen zahlen Verbraucher nicht nur mit Geld, sondern auch mit ihren persönlichen Daten.
Weiterführende Informationen:
- Tipps zur sicheren Nutzung von Supermarkt-Apps: Verbraucherzentrale NRW
- Bitkom-Umfrage zur Nutzung von Supermarkt-Apps: Bitkom.org
- EuGH-Urteil zu irreführenden Preisreduzierungen: Verbraucherzentrale BaWü
- Musterbrief für Auskunftsanfragen nach DSGVO: Verbraucherzentrale NRW
Titelbild: © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 MaHe LIVE Whatsapp-KANAL 🗞️

