Mit den steigenden Temperaturen ist in Berlin wieder die Saison des Eichenprozessionsspinners (EPS) angelaufen. Auch in Marzahn-Hellersdorf melden sich derzeit immer wieder Leserinnen und Leser, die in Parks, an Spielplätzen oder entlang von Straßen auffällige Gespinste an Bäumen und Sträuchern entdeckt haben.
Häufig handelt es sich dabei jedoch nicht um den gefährlichen Eichenprozessionsspinner, sondern um die völlig harmlose Gespinstmotte. Wir erklären, woran man die beiden Arten unterscheidet, welche Bäume und Sträucher betroffen sind und welche Gesundheitsgefahren tatsächlich vom Eichenprozessionsspinner ausgehen.
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Die aktuelle Lage in Berlin
Nach Angaben des Pflanzenschutzamtes Berlin entwickeln sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr etwas langsamer. Die meisten Tiere befinden sich derzeit im dritten Larvenstadium. Ab diesem Stadium bilden die Raupen ihre charakteristischen Brennhaare aus, die bei Kontakt zu Hautreizungen, Augenreizungen und Atemwegsbeschwerden führen können.
Mehrere Berliner Bezirke haben in den vergangenen Tagen bereits Spielplätze, Schulhöfe und Sportanlagen vorübergehend gesperrt, um Kinder und Erwachsene vor Kontakt mit den Brennhaaren zu schützen. Die Bezirksstadträte für Umwelt haben sich gemeinsam an den Senat gewandt und fordern eine berlinweite Koordinierung der Bekämpfungsmaßnahmen sowie eine verlässliche Finanzierung.



Eichenprozessionsspinner: Das Wichtigste in Kürze
Der Eichenprozessionsspinner ist die Raupe eines unscheinbaren grau-braunen Nachtfalters. Die Raupen schlüpfen ab Mitte April und durchlaufen mehrere Larvenstadien. Ab dem dritten Stadium, meist im Juni, bilden sie feine Brennhaare aus. Diese Härchen enthalten ein Nesselgift und brechen bei Berührung leicht ab. Sie können vom Wind über weite Strecken verweht werden, sodass auch Menschen erkranken können, die sich gar nicht direkt am Baum aufgehalten haben.
Typische Beschwerden nach Kontakt sind:
Hautausschlag mit kleinen, juckenden Pusteln, ähnlich einer Insektenstichreaktion (sogenannte Raupendermatitis)
Reizungen der Augen und Bindehaut
Reizhusten, Atemnot und grippeähnliche Symptome
in seltenen Fällen allergische Schockreaktionen
Die Brennhaare bleiben auch in alten, bereits verlassenen Nestern über Jahre hinweg gefährlich, da sie ihre Wirkung nicht verlieren.
Wo lebt der Eichenprozessionsspinner?
Wie der Name schon sagt, ist der Eichenprozessionsspinner auf Eichen spezialisiert. Befallen werden vor allem Stieleichen und Traubeneichen, also klassische Alleebäume und Parkbäume, wie sie auch in Marzahn-Hellersdorf häufig an Straßenrändern, in Grünanlagen und auf Schulgeländen stehen. Die Nester finden sich typischerweise direkt am Stamm oder an stärkeren, älteren Ästen, oft in Bodennähe bis in mittlere Höhe. Sie wirken kompakt, dicht und polsterartig, manche vergleichen sie mit grauen Wattebäuschen oder Spinnweben aus festem Gespinst, die mit kleinen schwarzen Kotkrümeln durchsetzt sind.
Gespinstmotte: Der harmlose Doppelgänger
Ganz anders die Gespinstmotte: Sie befällt vor allem Sträucher und kleinere Bäume, in unseren Breiten besonders häufig Pfaffenhütchen, Traubenkirsche, Weißdorn, Schlehe und Apfelbäume. Die Raupen der Gespinstmotte überziehen ganze Äste, manchmal sogar komplette Sträucher, mit einem feinen, hellen, fast durchsichtigen Gespinst, in dem sich zahlreiche helle, gelblich-grüne Räupchen tummeln. Befallene Pflanzen können binnen weniger Tage komplett kahlgefressen und eingesponnen aussehen, was optisch sehr dramatisch wirkt.
Der entscheidende Unterschied: Gespinstmotten sind für Menschen vollkommen ungefährlich. Sie besitzen keine Brennhaare und lösen keinerlei gesundheitliche Beschwerden aus. Die befallenen Pflanzen treiben in der Regel im selben Jahr noch einmal neu aus und erholen sich vollständig.



Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale auf einen Blick
Eichenprozessionsspinner: Nester nur an Eichenstämmen oder dicken Ästen, kompakt und polsterartig, Raupen graubraun mit langen weißen Härchen, Vorkommen ausschließlich an Eichen, gesundheitsschädlich durch Brennhaare.
Gespinstmotte: Großflächige, feine, netzartige Gespinste über ganzen Ästen oder Sträuchern, Raupen hell, gelblich-grün, meist an Pfaffenhütchen, Traubenkirsche, Weißdorn, Schlehe oder Obstbäumen, für Menschen ungefährlich.
Was tun bei einem Verdachtsfall?
Wer ein verdächtiges Nest oder auffällige Raupen entdeckt, sollte den Bereich zunächst meiden und Kinder sowie Haustiere fernhalten. Von eigenmächtigen Entfernungsversuchen mit Hausmitteln raten die Berliner Gesundheits- und Umweltbehörden ausdrücklich ab, da dabei Brennhaare aufgewirbelt werden können. Stattdessen sollten Funde dem zuständigen Grünflächenamt oder Forstamt gemeldet werden, damit Fachfirmen die Nester fachgerecht entfernen können.
Bei Hautausschlag, Augenreizungen oder Atembeschwerden nach Kontakt mit Raupen oder Nestern sollte ärztlicher Rat eingeholt und auf einen möglichen Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner hingewiesen werden.
Foto(s): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 Whatsapp-KANAL Marzahn-Hellersdorf LIVE 🗞️



