16. Januar 2026

Mahnmal des Stillstands: Cecilienplatz-Ruine ein Jahr versiegelt – keine Bagger, keine Antworten

Der Cecilienplatz liegt an diesem Januartag still da. Der Winter dämpft die Geräusche, das Licht ist fahl, die Wege wirken leerer als sonst. Wer hier vorbeigeht, bleibt oft kurz stehen – nicht aus Neugier, sondern aus Gewohnheit. Der Blick fällt automatisch auf das Gebäude, das seit Jahren dazugehört und doch nie wirklich Teil des Platzes war. Die Cecilienplatz-Ruine. Marzahn-Hellersdorf LIVE berichtete darüber vor einem Jahr.

Heute, am 16. Januar 2026, jährt sich ein Ereignis, das für viele Anwohnerinnen und Anwohner in Kaulsdorf-Nord eine besondere Bedeutung hat. Genau ein Jahr ist es her, dass die Versiegelung des leerstehenden Gebäudes begann. Ein Bau, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren ungenutzt, verwahrlost und immer wieder Schauplatz von Vandalismus und Brandstiftungen war, wurde damals endgültig verschlossen. Türen wurden verriegelt, Zugänge gesichert, Fenster unzugänglich gemacht.

Die Maßnahme wurde als notwendiger Schritt begründet – als Schutz für die Umgebung, für Passantinnen und Passanten, für die Menschen, die hier wohnen. Und tatsächlich brachte die Versiegelung zunächst Ruhe. Weniger Einsatzfahrzeuge, weniger nächtliche Unruhe, ein Gefühl von Sicherheit. Für viele schien sie der längst überfällige erste Schritt zu sein. Die Hoffnung: Wenn das Gebäude schon gesichert wird, dann vielleicht, weil nun endlich Bewegung in die Sache kommt.

Doch diese Hoffnung verblasste schneller als erwartet. Denn nach der Versiegelung folgte nichts. Keine Abrissarbeiten, keine sichtbaren Vorbereitungen für einen Neubeginn, keine Informationen, die über das Offensichtliche hinausgingen. Der Bau blieb, wie er war – nur nun unzugänglich. Was zuvor ein offenes Problem war, wurde zu einem verschlossenen.


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Monat für Monat verging. Der Frühling kam, der Sommer, der Herbst. Der Cecilienplatz blieb unverändert. Die Ruine stand weiter wie ein Fremdkörper im Zentrum des Platzes, eingefasst von Alltag und Leben, aber selbst ohne Funktion. Für die Anwohnerinnen und Anwohner wurde sie zunehmend zu einem Symbol. Nicht nur für den Verfall eines Gebäudes, sondern für das Gefühl, dass Entscheidungen aufgeschoben werden und Verantwortung im Ungefähren bleibt.

Viele erinnern sich noch gut an die Ankündigungen rund um den Cecilienplatz. An Diskussionen, Pläne, Erwartungen. An die Frage, was aus diesem Ort werden könnte: Wohnraum, Gewerbe, ein lebendiger Treffpunkt für den Kiez. Heute ist davon nichts sichtbar. Stattdessen prägt Stillstand das Bild. Ein Stillstand, der nicht laut ist, sondern leise – und gerade deshalb schwerer wiegt.

Die Versiegelung hat eines gezeigt: Probleme lassen sich absperren, aber nicht auf diese Weise lösen. Sicherheit kann man herstellen, Zukunft nicht. Ein Jahr nach Beginn der Maßnahme fehlt es weiterhin an Transparenz. Es gibt keine öffentlich kommunizierten Zeitpläne, keine klar benannten nächsten Schritte, keine verlässlichen Aussagen darüber, wann und wie es weitergeht.

Für viele Menschen im Umfeld ist das frustrierend. Der Cecilienplatz ist kein abgelegener Ort, sondern Teil des täglichen Lebens. Kinder gehen hier entlang, Anwohner erledigen ihre Einkäufe, ältere Menschen nutzen die Wege. Dass ausgerechnet hier ein zentrales Gebäude über Jahre hinweg ungenutzt bleibt, hinterlässt Spuren – nicht nur im Stadtbild, sondern auch im Vertrauen.

Heute, ein Jahr nach der Versiegelung, steht der Cecilienplatz exemplarisch für eine vertane Phase. Nicht, weil nichts hätte gesichert werden dürfen, sondern weil auf die Sicherung keine Perspektive folgte. Der Platz wartet – und mit ihm die Menschen, die hier leben.

Was es jetzt braucht, ist kein weiteres Schweigen, sondern Klarheit. Klare Aussagen, klare Zuständigkeiten, klare Zeiträume. Denn ein Kiez lebt von Bewegung, von Entwicklung, von sichtbaren Entscheidungen. Der Cecilienplatz hätte das Potenzial, mehr zu sein als eine abgeschlossene Hülle aus Beton. Doch dieses Potenzial wird nur dann Wirklichkeit, wenn aus dem Stillstand endlich ein Aufbruch wird.

Positive Nachricht: Die im März 2024 im Rahmen von Zwangsmaßnahmen durch das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf durchgeführte Installation der Beleuchtung in den Durchgängen zum U-Bahnhof funktioniert bis heute tadellos.

Wir werden die Entwicklung am Cecilienplatz weiter aufmerksam begleiten und spätestens in einem Jahr erneut über den dann aktuellen Sachstand berichten.

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Foto(s): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 Whatsapp-KANAL Marzahn-Hellersdorf LIVE 🗞️

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