26. Februar 2026

Jugendeinsamkeit in Berlin: Senat sieht Handlungsbedarf – aber kein eigenes Schwerpunktprogramm

Die Einsamkeit junger Menschen in Berlin ist Thema einer aktuellen Schriftlichen Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Abgeordnete Regina Kittler (LINKE) wollte vom Senat wissen, wie verbreitet Jugendeinsamkeit ist und welche konkreten Maßnahmen es dagegen gibt. Die Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie liegt nun vor .

Deutlicher Anstieg während der Pandemie

Eigene landesspezifische Studien zur Einsamkeit junger Menschen führt das Land Berlin nicht durch. Der Senat stützt sich stattdessen auf bundesweite Erhebungen. Diese zeigen insbesondere während der Corona-Pandemie einen deutlichen Anstieg von Einsamkeitsgefühlen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

So ergaben Auswertungen der BELLA- und COPSY-Studien, dass die Einsamkeitsraten im Jahr 2020 auf 34,6 Prozent anstiegen. Auch 2024 berichteten noch 20,5 Prozent der Befragten über zeitweise Einsamkeit. Laut Zeitverwendungserhebung 2022 fühlten sich zudem 15,2 Prozent der 10- bis 17-Jährigen und 24,7 Prozent der 18- bis 29-Jährigen häufig einsam.


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Als Ursachen werden insbesondere Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen und der Wegfall sozialer Freizeitangebote während der Pandemie genannt. Fachleute sehen anhaltende Einsamkeit zudem als Risikofaktor für psychische und körperliche Erkrankungen.

Kein eigenes Handlungsfeld „Jugendeinsamkeit“

Der Senat bearbeitet das Thema jedoch nicht als eigenständiges politisches Handlungsfeld. Stattdessen wird Einsamkeit im Rahmen der allgemeinen Förderung psychischer Gesundheit junger Menschen betrachtet .

Zu den bestehenden Strukturen zählen unter anderem:

  • die 13 Schulpsychologischen und Inklusionspädagogischen Beratungs- und Unterstützungszentren (SIBUZ),
  • Angebote der Jugend- und Jugendsozialarbeit nach SGB VIII,
  • das Landesprogramm „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen“,
  • Beratungsangebote wie „Jugendnotmail“, das Kinder- und Jugendtelefon („Nummer gegen Kummer“) sowie die Beratungsstelle neuhland für suizidgefährdete junge Menschen.

Allein für die allgemeine Kinder- und Jugendarbeit nach § 11 SGB VIII standen 2024 rund 132,4 Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommen gesamtstädtische Mittel sowie weitere Förderprogramme im zweistelligen Millionenbereich .

Beteiligung junger Menschen wird ausgebaut

Über das Jugendfördergesetz wurden in allen Berliner Bezirken Beteiligungsstrukturen wie Kinder- und Jugendparlamente, Jugendbüros oder Beteiligungskoordinationen aufgebaut. Zusätzlich wurden 1,44 Millionen Euro jährlich zur Stärkung dieser Strukturen verankert .

Ziel ist es, junge Menschen stärker in politische Entscheidungsprozesse einzubinden und ihnen Mitgestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen – auch als präventiver Ansatz gegen soziale Isolation.

Keine eigene Studie geplant

Eine eigene Berliner Studie zur Jugendeinsamkeit ist derzeit nicht geplant. Auch eine gezielte Zusammenarbeit mit Hochschulen oder dem Statistischen Landesamt zur regionalen Auswertung findet laut Senat aktuell nicht statt .

Die Bekämpfung von Einsamkeit wird somit weiterhin als Teil der allgemeinen Strategien zur Förderung psychischer Gesundheit und sozialer Teilhabe junger Menschen verstanden – nicht jedoch als eigenständiger politischer Schwerpunkt.

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