Die Berliner Feuerwehr hat ihren Jahresbericht 2025 veröffentlicht und zieht darin Bilanz über ein Jahr der Rekorde und des Wandels.
Mit 558.293 Einsätzen wurde der höchste Wert in der 174-jährigen Geschichte der Behörde verzeichnet – ein Anstieg von 4,9 Prozent gegenüber 2024. Senatorin für Inneres und Sport, Iris Spranger, und Behördenleiter Prof. Dr. Karsten Homrighausen stellten die Bilanz auf einer gemeinsamen Pressekonferenz vor.
Einsatzrekord zum vierten Mal in Folge
Zum vierten Mal in Folge bewältigte die Berliner Feuerwehr die Einsatzzahlen in Höhe von nahezu einer halben Million – doch dieses Mal wurde erstmals die Schwelle von einer halben Million dauerhaft überschritten. Statistisch gesehen wurde alle 56 Sekunden ein Notruf abgesetzt. Die Zahl der Notrufe in der Einsatzleitstelle stieg auf 1.132.637, ein Plus von rund 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Behördenleiter Homrighausen erklärte dazu, die Verdoppelung der Einsatzzahlen in den vergangenen 25 Jahren sei Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels: Eine wachsende, älter werdende Bevölkerung, schwächer werdende soziale Strukturen und zunehmende Wetterextreme durch den Klimawandel trieben die Nachfrage nach Hilfe stetig nach oben.
Rettungsdienst als größtes Wachstumsfeld
Besonders stark zulegen musste der Rettungsdienst. Mit rund 508.000 Einsätzen verzeichnete er einen Gesamtanstieg von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was einem absoluten Plus von etwa 450.000 Einsätzen entspricht. Noch deutlicher war der Zuwachs bei den Fehleinsätzen: Mit rund 28.000 Fehleinsätzen liegt die Zahl 9,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Medizinische Gefahrenabwehr verzeichnet damit die stärkste Dynamik innerhalb der gesamten Organisation.
Im Bereich der Technischen Gefahrenabwehr wurden 49.483 Einsätze geleistet, ein Zuwachs von 7,7 Prozent. Darunter fielen 10.539 Brandeinsätze – in etwa so viele wie im Vorjahr. Die technischen Hilfeleistungen nahmen dagegen um 9,7 Prozent zu und summierten sich auf 16.263 Einsätze. Die Fehleinsätze in der Technischen Gefahrenabwehr stiegen auf 7.404 Einsätze, ein Plus von 9,7 Prozent.
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Eine schwierige Silvesternacht
Das Jahr begann für die Berliner Feuerwehr unmittelbar mit einer der schwersten Silvesternächte der jüngeren Geschichte. Senatorin Spranger verurteilte in ihrem Vorwort ausdrücklich den verstärkten Einsatz illegaler Feuerwerkskörper – insbesondere sogenannter Kugelbomben –, die die Lage erheblich verschärft und die Einsatzkräfte in besonderer Weise gefährdet hätten. Mehr und größere Brände als in den Vorjahren prägten die Nacht zum 1. Januar 2025.
Auch ein Brandanschlag im September stellte die Behörde auf eine harte Probe: Auf Stromkabel in Johannisthal wurde ein Anschlag verübt, der über mehrere Tage hinweg umfangreiche Einsätze notwendig machte. Der dadurch ausgelöste Stromausfall in Treptow-Köpenick war eine der komplexesten Lagen des gesamten Jahres. Hinzu kamen im Sommer 2025 zwei starke Unwetter sowie eine weitere Hitzeperiode, die den Klimaeffekt auf das Berliner Einsatzgeschehen erneut unterstrichen.
Neue Alarmierungsstruktur im Rettungsdienst
Einen der zentralen Reformschritte des Jahres bildete die Einführung einer neuen Alarmierungsstruktur im Rettungsdienst. Anstelle eines einheitlichen Reaktionsmusters wird nunmehr nach fünf Notfallkategorien unterschieden, die medizinische Dringlichkeit, einzusetzende Mittel und Hilfsfristen differenziert abbilden. Die Berliner Feuerwehr bezeichnet sich damit als Vorreiterin in Deutschland. Erste Auswertungen zeigen, dass die Behörde bei kritischen Rettungseinsätzen im Durchschnitt eine Minute früher am Einsatzort eintrifft als zuvor – ein messbarer Fortschritt, der unmittelbar Menschenleben retten kann. Beim höchsten Dringlichkeitslevel RD1 wurden in 16,5 Prozent der Fälle lebensrettende Maßnahmen und Medikamente eingesetzt.
Datenstrategie als Rückgrat der Modernisierung
Die Reformbemühungen sind eng mit einer neuen Datenstrategie verknüpft. Die Berliner Feuerwehr hat ein zentrales Data Warehouse eingerichtet, in dem Daten aus unterschiedlichsten Bereichen verknüpft und für Auswertungen nutzbar gemacht werden. Konkret bedeutet das: Der Weg einer zu behandelnden Person vom Notruf bis zur Aufnahme in der Klinik wird nun vollständig dokumentiert und ausgewertet. Stimmt die Ersteinschätzung der Leitstelle? War eine stationäre Aufnahme notwendig oder reichte eine ambulante Versorgung? Diese Erkenntnisse fließen direkt in die Notrufabfrage und Ausbildung zurück.
Die technische Infrastruktur basiert auf automatisierten ETL-Prozessen in Python und SQL, ergänzt durch ein intuitives Dashboard für Nutzerinnen und Nutzer ohne technischen Hintergrund. Als Nebenprodukt können Datenauszüge künftig als Open Data veröffentlicht werden – tagesaktuell und qualitätsgesichert, wie es das E-Government-Gesetz Berlin vorsieht. In der Leitstelle wurde zudem eine Echtzeit-Supervision eingeführt: Bei besonders schwierigen Notrufen können Disponenten in Echtzeit fachliche Unterstützung hinzuziehen.
Kooperative Leitstelle nimmt Gestalt an
Am Europäischen Tag des Notrufs, dem 11. Februar, wurde am Standort Nikolaus-Groß-Weg das Richtfest der neuen Kooperativen Leitstelle gefeiert. Damit rückt die Inbetriebnahme näher. Senatorin Spranger zeigte sich optimistisch: Die Aus- und Fortbildung der künftigen Leitstellenmitarbeitenden stehe bereits in den Startlöchern.
Neue Akademie am alten Flughafen Tegel geplant
Ein weiteres großes Zukunftsprojekt ist der Neubau der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie (BFRA) auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel. Die Vorplanungsunterlagen wurden zur Prüfung eingereicht. Spranger zeigte sich zuversichtlich, dass dort eine moderne und dringend benötigte Ausbildungsstätte entstehen wird. Damit würde die bisherige Akademie, die am 28. Juni 2025 erstmals einen „Tag der Hauptstadtretterin“ ausrichtete, einen adäquaten Neubau erhalten. 135 Teilnehmerinnen aus Berlin, Brandenburg und anderen Bundesländern nutzten das neue Format, um Einblicke in Einsatzdienst, Ausbildung und Technik zu gewinnen.
Historische Ausbildungsoffensive: Erstmals über 1.000 Nachwuchskräfte
Im Personalbereich meldet die Berliner Feuerwehr ebenfalls Rekorde. Mit 5.214 Stellen verzeichnete die Behörde einen Stellenzuwachs von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders bemerkenswert: Dank der laufenden Ausbildungsoffensive überstieg die Zahl der Auszubildenden erstmals die Marke von 1.000 – insgesamt befanden sich 1.029 Nachwuchskräfte in der Ausbildung. Der Berliner Senat hatte allen Nachwuchskräften eine Anschlussstelle zugesichert, was die Attraktivität der Ausbildung weiter steigert.
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Die Anzahl der weiblichen Nachwuchskräfte wuchs auf 133 Auszubildende an – ein Anstieg von rund 13 Prozent. Die Anzahl der Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehren blieb mit 1.663 Kräften nahezu stabil. Die Mitgliederzahl der Jugendfeuerwehr stieg auf 1.353 junge Brandschützerinnen und Brandschützer, ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Erste Wachleiterin in der Geschichte der Behörde
Auch strukturell setzt die Berliner Feuerwehr Zeichen. Im Berichtsjahr wurde erstmals in der Geschichte der Behörde eine Frau zur Wachleiterin ernannt. Begleitet wird dieser Schritt von einem Frauen-Mentoring-Programm, in dem erfahrene Kolleginnen Nachwuchskräfte begleiten, die sich beruflich weiterentwickeln möchten. Homrighausen bekräftigte, dass eine moderne Personalkultur, die auf Menschen ausgerichtet ist, die Grundlage für die langfristige Gewinnung qualifizierten Personals bleibe.
Dr. Eiko Spielmann als Ärztlicher Leiter Rettungsdienst fest berufen
Zum 10. Juli 2025 wurde Dr. Eiko Spielmann dauerhaft als Ärztlicher Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) der Berliner Feuerwehr bestellt, nachdem er die Funktion seit Februar 2023 kommissarisch innegehabt hatte. Spielmann begann seine Laufbahn bei der Berliner Feuerwehr bereits zwischen 2000 und 2002 als Rettungsassistent auf den Feuerwachen Moabit und Suarez. Nach dem Medizinstudium und klinischer Erfahrung am Unfallkrankenhaus Berlin und am Universitätsklinikum Mainz kehrte er 2020 zur Berliner Feuerwehr zurück. Er war maßgeblich an der Einführung des RTW-B-Segments sowie der neuen Notfallkategorien beteiligt.
Fuhrpark vollständig digitalisiert
Im Bereich Technik wurde die Digitalisierung der Zentralwerkstatt abgeschlossen. Sämtliche Werkstattabläufe im Fuhrparkmanagement sind seit 2025 vollständig digital – von der Auftragserteilung auf der Wache bis zur Abholung nach Wartung oder Reparatur. Die Folge: kürzere Ausfallzeiten der Fahrzeuge und eine höhere Verfügbarkeit der Einsatzmittel im Alltag.
Jahresbericht als Dokument des Wandels
Der Jahresbericht 2025 ist nicht nur eine Einsatzstatistik. Er dokumentiert den strukturellen Wandel einer Großstadtfeuerwehr, die unter wachsendem Druck – mehr Menschen, mehr Extremwetter, mehr soziale Schieflagen – gezielt in Digitalisierung, Ausbildung und Führungskultur investiert. Der vollständige Bericht ist online unter berlin.de/feuerwehr abrufbar.
Verwendete Quelle: Berliner Feuerwehr, Jahresbericht 2025; Pressemitteilung der Berliner Feuerwehr
Foto(s): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 Whatsapp-KANAL Marzahn-Hellersdorf LIVE 🗞️






