Es ist einer der bekanntesten, aber auch geschichtsträchtigsten „Lost Places“ im Berliner Nordosten: Die ehemalige DDR-Vertragsarbeitersiedlung an der Gehrenseestraße / Wollenberger Straße im Bezirk Lichtenberg.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten des tiefen Leerstands und des fortschreitenden Verfalls hat nun ein neues Kapitel für das geschundene Areal begonnen.
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Hinter den Bauzäunen sind die ersten Bagger angerückt, um die entkernten Plattenbauten stückweise abzureißen und Platz für eine umfassende Neuentwicklung zu machen.
Vom Symbol der Planwirtschaft zum verlassenen Geisterort
Die Geschichte des Areals reicht zurück bis in die späte DDR-Zeit. Nach dem Abschluss eines Regierungsabkommens zwischen der DDR und der Sozialistischen Republik Vietnam im Jahr 1980 wurde der Komplex im Jahr 1982 bezogen. Die aus neun Plattenbauten bestehende Siedlung entwickelte sich zu einer der größten Unterkünfte für ausländische Vertragsarbeiter in der DDR. In Spitzenzeiten lebten hier Tausende Menschen – vornehmlich aus Vietnam, aber auch aus anderen sozialistischen Partnerstaaten wie Mosambik, Angola oder Kuba.
2021
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Die Unterbringung war funktional und eng: In kleinen Mehrbettzimmern teilten sich die Arbeiterinnen und Arbeiter Gemeinschaftsküchen und Sanitäranlagen; eine echte Integration in die Stadtgesellschaft war vom damaligen System kaum vorgesehen.
Mit der politischen Wende und dem Ende der DDR änderte sich alles. Viele Vertragsarbeiter mussten in ihre Heimatländer zurückkehren, andere versuchten, sich unter veränderten Bedingungen eine neue Existenz in Berlin aufzubauen.
Die Wohnungen wurden nach und nach freigezogen. Bis zum Jahr 2003 wurden schließlich die letzten Mietverhältnisse beendet.
Seitdem stand die Siedlung komplett leer. Fenster und Türen wurden im Laufe der Jahre ausgebaut, Vandalismus und Brandstiftungen setzten der Substanz zu, und die Natur holte sich große Teile des Geländes zurück. Mehrere Eigentümerwechsel sowie immer wieder gescheiterte Planungen ließen das Areal über 20 Jahre lang als städtebaulichen Missstand und als tristes Mahnmal brachliegen.
2022
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Der Teilabriss schafft Platz für Bildung
Nun kommt dauerhafte Bewegung in die Stadtentwicklung. Der aktuell laufende Teilabriss konzentriert sich vor allem auf den östlichen Rand des Geländes. Die hiermit freiwerdende Fläche wird dringend für die soziale Infrastruktur benötigt: Vorgesehen ist der Bau einer modernen Schule. Konkret handelt es sich um eine sogenannte „2-in-1-Schule“, bei der eine integrierte Sporthalle direkt auf dem Dach des Gebäudes entstehen soll. Den aktuellen Planungen zufolge soll der Schulbau bis 2028 fertiggestellt sein, um pünktlich zum Schuljahr 2028/29 den Betrieb aufzunehmen.
Die Zukunft: Das neue Quartier „Gehrenseehöfe“
Der Abriss der alten DDR-Plattenbauten ebnet den Weg für ein ambitioniertes Großprojekt. Das städtebauliche Konzept, welches aus den Federn der Büros MLA+ Architecture und Atelier Loidl stammt, bricht mit der monotonen Zeilenbauweise der Vergangenheit. Es orientiert sich stattdessen an den klassischen Berliner Wohnhöfen und sieht geschützte Innenbereiche, begrünte Freiflächen sowie eine aufgelockerte Struktur mit mehreren höheren Gebäuden vor.
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Insgesamt soll ein lebendiges neues Stadtquartier entstehen, das dringend benötigten Wohnraum schafft:
- Über 1.000 Wohnungen: Geplant ist ein Mix aus Ein- bis Fünfzimmerwohnungen, die allesamt barrierefrei zugänglich sein werden. Ein relevanter Anteil der Wohnungen soll zudem mietpreisgebunden angeboten werden.
- Infrastruktur & Gewerbe: Neben dem Wohnraum fließen rund 4.900 Quadratmeter Gewerbefläche in die Planungen ein, um Einzelhandel, soziale Dienste und Gastronomie anzusiedeln. Auch mehrere Kitas sind fester Bestandteil des Konzepts.
Während die ersten Bagger bereits die Arbeiten für den Schulstandort vorantreiben, müssen für den finalen Hochbau des Wohnquartiers noch weitere Genehmigungen und Planfeststellungen durchlaufen werden. Bis die ersten Mieter in die modernen „Gehrenseehöfe“ einziehen können, wird es also noch ein paar Jahre dauern – doch das physische Ende der ehemaligen Vertragsarbeitersiedlung markiert unumkehrbar den Beginn einer neuen Ära für Alt-Hohenschönhausen.
Verwendete Quellen: Der Bericht basiert auf den aktuellen journalistischen Recherchen und Veröffentlichungen des Fachportals ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN und einer Anfrage im Abgeordnetenhaus des Abgeordneten Martin Pätzold.
Foto(s): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 Whatsapp-KANAL Marzahn-Hellersdorf LIVE 🗞️


