Die Sanierung der Lemkestraße im Berliner Ortsteil Mahlsdorf ist seit Jahren ein sensibles Thema für Anwohner, Politik und Verwaltung.
Eine umfangreiche schriftliche Anfrage im Abgeordnetenhaus bringt nun zahlreiche zusätzliche Details ans Licht – von Beleuchtungskonzepten über Asphaltfragen bis hin zum Umgang mit Regenwasser und Bäumen.
Vier Bauabschnitte – langer Atem für Anwohner
Die Planungen für die grundhafte Sanierung der Lemkestraße reichen bis ins Jahr 2018 zurück. Der erste Bauabschnitt wurde 2021 abgeschlossen, der zweite startete im Juli 2024 und ist inzwischen baulich fertiggestellt. Insgesamt sind vier Bauabschnitte vorgesehen. Parallel zur Planung formierte sich bereits früh eine Bürgerinitiative, die sich bis heute kritisch und konstruktiv in den Prozess einbringt.
Beleuchtung: Sicherheit hat Vorrang vor Experimenten
Ein zentrales Anliegen der Anfrage war die Reduzierung von Lichtverschmutzung – sowohl zum Schutz der Anwohner als auch von Insekten und der Tierwelt. Vorgeschlagen wurde ein Modellprojekt mit gedimmter Straßenbeleuchtung und Bewegungsmeldern in den Nachtstunden.
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Der Senat verweist darauf, dass Berlin bereits Pilotprojekte mit sogenanntem „dynamischem Licht“ umgesetzt hat, allerdings ausschließlich in Grünanlagen, wo keine gesetzliche Beleuchtungspflicht besteht. Für öffentliche Straßen gilt hingegen § 7 Absatz 5 des Berliner Straßengesetzes: Sie müssen beleuchtet sein, wenn es aus Gründen der Verkehrssicherheit erforderlich ist.
Ein entscheidender Punkt: In Berlin liegt diese sogenannte polizeiliche Beleuchtungspflicht beim Straßenbaulastträger. Damit sind Spielräume für nächtliches Abschalten oder starkes Dimmen deutlich eingeschränkt. Eine Übertragung auf die Lemkestraße kommt erst infrage, wenn laufende Projekte abschließend bewertet wurden.
Asphaltfarbe: Klimavorteile vs. Verkehrssicherheit
Ein weiterer Vorschlag betraf den Einsatz von hellem Asphalt mit Granit- oder hellem Splittanteil. Dieser könnte die Aufheizung der Straße reduzieren, die Verdunstung senken und damit Wasser sowie kühlere Temperaturen im Wohngebiet begünstigen.
Der Senat schließt diese Bauweise grundsätzlich nicht aus, sofern sie den technischen Regelwerken entspricht. Gleichzeitig wird aber deutlich auf Nachteile hingewiesen: Dunkler Asphalt taut bei Frost schneller ab und trocknet nach Regen rascher – ein klarer Sicherheitsvorteil.
Zudem gilt die Lemkestraße aufgrund ihrer lockeren Einfamilienhausbebauung als ungeeignet für belastbare Klima-Messungen, da Luftzirkulation Temperatureffekte überlagert. Für Modellprojekte werden eher dicht bebaute Innenstadtlagen gesehen.
Regenwasser und Schwammstadt: Nur begrenzt möglich
Große Hoffnungen setzten viele Anwohner auf eine bessere Regenwasserversickerung im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie und des Schwammstadt-Prinzips. Die Realität vor Ort ist jedoch kompliziert:
Gutachten bescheinigen dem Untergrund der Lemkestraße eine sehr geringe Wasserdurchlässigkeit. Eine vollständige Versickerung des Straßenwassers wäre technisch riskant – es drohen Aufschwimmen der Fahrbahn oder Frostschäden. Deshalb bleibt die bestehende Regenwasserkanalisation erhalten.
Dennoch gibt es erste Anpassungen:
Im zweiten Bauabschnitt wurden Bordsteine im Bereich von Baumscheiben bewusst „auf Lücke“ gesetzt. So kann zumindest ein Teil des Regenwassers von Fahrbahn und Gehweg direkt den Bäumen zugeführt werden. Das Straßen- und Grünflächenamt will nun beobachten, wie sich diese Maßnahme langfristig auf Betrieb, Pflege und Wasserabführung auswirkt.
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Bäume: Fällungen und offene Entscheidungen
Besonders emotional diskutiert wird der Umgang mit dem Baumbestand. Trotz eines Gutachtens, das mehrere Bäume zunächst als stabil einstufte, wurde die Winterlinde mit der Kennzeichnung 22/1 im Herbst 2025 gefällt. Laut Bezirksamt hatten sich bereits 2022 gravierende biologische Schäden und eine Stammfußhöhlung gezeigt, die letztlich zum Absterben führten und eine akute Gefährdung darstellten.
Bei einem weiteren Baum (23/1) ist die Entscheidung noch offen. Eine Fällung wurde bislang nicht beschlossen.
Die Senatsantwort macht deutlich: Die Lemkestraße ist kein klassisches Experimentierfeld, sondern ein Sanierungsprojekt unter engen gesetzlichen, technischen und klimatischen Rahmenbedingungen. Dennoch werden punktuell neue Ansätze getestet – insbesondere beim Regenwassermanagement.
Für die kommenden Bauabschnitte bleibt entscheidend, welche Erkenntnisse aus den bisherigen Maßnahmen gewonnen werden und ob sie künftig als Blaupause für andere Straßen im Bezirk oder in ganz Berlin dienen können.
Symbolbild(er): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 MaHe LIVE Whatsapp-KANAL 🗞️

