Armut, Niedriglohn, wenig Reiche und überdurchschnittlich viele Wohnungslose – der neue Berliner Sozialbericht zeichnet ein detailliertes statistisches Bild des Bezirks. Die Datenlage ist präziser denn je.
Der Berliner Senat hat am 14. April 2026 den „Sozialbericht Berlin 2025 in Zahlen“ veröffentlicht. Auf 152 Seiten wertet die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung (SEN ASGIVA) statistische Daten zu acht sozialen Dimensionen aus – von finanzieller Armut über Beschäftigung und Bildung bis hin zu Wohnen und Reichtum. Die meisten Daten beziehen sich auf das Jahr 2023, teils auf frühere Zeiträume. Für den Bezirk Marzahn-Hellersdorf ergibt sich ein vielschichtiges Bild – mit klaren Belastungsschwerpunkten, aber auch strukturellen Vorteilen gegenüber anderen Problembezirken.
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Armutsgefährdung: Fast jede fünfte Berlinerin, jeder fünfte Berliner betroffen
Berlinweit liegt die Armutsgefährdungsquote im Jahr 2023 bei knapp 20 Prozent. Das bedeutet: Fast jede fünfte Person in Berlin gilt statistisch als armutsgefährdet. Zum Vergleich: 2015 lag dieser Wert noch bei rund 15 Prozent – in acht Jahren ist die Armutsgefährdung also um rund fünf Prozentpunkte gestiegen, während die Quote für Deutschland insgesamt im gleichen Zeitraum relativ stabil bei 14 bis 16 Prozent blieb. Berlin hat sich damit vom Bundestrend entkoppelt.
Der Bericht weist Marzahn-Hellersdorf gemeinsam mit Neukölln, Mitte und Spandau als einen der Bezirke mit besonders hohen Armutsgefährdungsanteilen aus. Konkrete Bezirkswerte werden für Marzahn-Hellersdorf nicht einzeln ausgewiesen, jedoch wird die Spanne der Berliner Bezirke benannt: Neukölln erreicht mit rund 26 Prozent den Spitzenwert, Pankow liegt mit etwa 13 Prozent am anderen Ende, Lichtenberg und Mitte liegen zwischen 24 und 26 Prozent. Marzahn-Hellersdorf ordnet sich im oberen Drittel dieser Verteilung ein.
Die Armutsgefährdungsquote gilt, wenn das Nettoäquivalenzeinkommen einer Person unter 60 Prozent des Berliner Medianeinkommens liegt. Für einen Einpersonenhaushalt bedeutet das: Wer im Jahr 2023 netto weniger als 1.240 Euro monatlich zur Verfügung hatte, galt statistisch als armutsgefährdet. Für Alleinerziehende mit einem Kind lag die Gefährdungsschwelle bei unter 1.691 Euro netto monatlich, für Paarhaushalte mit zwei Kindern bei unter 2.248 Euro.
Besonders stark betroffen von Armutsgefährdung sind in ganz Berlin Minderjährige (rund 25 % armutsgefährdet), junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren (etwa 33 %) sowie Personen mit Einwanderungsgeschichte (rund 31 bis 33 % unter Eingewanderten). Alleinerziehende in Berlin gelten zu rund 31 bis 36 Prozent als armutsgefährdet – ein Wert, der in Marzahn-Hellersdorf mit seinem überdurchschnittlich hohen Anteil an Bestandswohnungen und sozialem Wohnungsbau von besonderer Relevanz ist.
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Materielle Entbehrung: 5,7 Prozent der Berliner können sich das Nötigste nicht leisten
Über reine Einkommensarmut hinaus misst der Bericht auch „erhebliche materielle und soziale Entbehrung“. Als betroffen gilt, wer sich aus finanziellen Gründen mindestens sieben von dreizehn grundlegenden Lebensbereichen nicht leisten kann – darunter unerwartete Ausgaben zu schultern, regelmäßig Fleisch oder Fisch zu essen, eine Woche Urlaub im Jahr zu machen, die Wohnung angemessen zu heizen oder mindestens einmal im Monat Freunde zu treffen. In Berlin liegt dieser Anteil 2023 bei 5,7 Prozent der Bevölkerung und ist gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Der Wert liegt knapp einen Prozentpunkt unter dem Bundesdurchschnitt. Bezirksspezifische Daten zu diesem Indikator werden im Bericht nicht ausgewiesen.
Mindestsicherung: Fast jede siebte Berlinerin, jeder siebte Berliner auf Transferleistungen
Ende 2023 bezog knapp jede siebte Berlinerin und jeder siebte Berliner staatliche Mindestsicherungsleistungen – also Bürgergeld, Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Die Mindestsicherungsquote in Berlin liegt damit bei rund 15 Prozent. Bundesweit sind es neun Prozent. Bereits 2015 war Berlin mit knapp 20 Prozent deutlich über dem Bundeswert; seitdem ist die Quote in Berlin um rund vier Prozentpunkte gesunken, hat sich dem Bundeswert aber nicht wirklich angenähert.
Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf identifiziert der Bericht explizit zwei Planungsräume mit besonders hohen Mindestsicherungsquoten: Gut Hellersdorf und die Hellersdorfer Promenade im östlichen Teil des Bezirks. Dort konzentriert sich der Anteil von Haushalten, die staatliche Grundleistungen erhalten, auf einem Niveau, das der Bericht mit vergleichbaren Hotspots in Neukölln, Mitte und Spandau in einem Atemzug nennt.
Berlinweit beziehen fast jede vierte Person unter 18 Jahren Mindestsicherungsleistungen (rund 25 %). In den anderen Altersgruppen variieren die Anteile 2023 zwischen neun und 17 Prozent. Unter Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit liegt die Mindestsicherungsquote bei mehr als einem Viertel, unter Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit bei rund einem Zehntel. 55 Prozent aller Mindestsicherungsempfangenden in Berlin haben dabei die deutsche Staatsangehörigkeit – das heißt, Armut ist keineswegs ein reines Einwanderungsphänomen.
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Altersarmut: Sieben Prozent der Rentner betroffen – doppelt so viel wie bundesweit
Rund sieben Prozent der Berliner Einwohnerinnen und Einwohner oberhalb der Regelaltersgrenze bezieht im Jahr 2023 Grundsicherungsleistungen nach SGB XII. Das ist fast das Doppelte des Bundeswerts, der zwischen drei und vier Prozent schwankt. Zwischen 2015 und 2023 ist die Altersarmutsquote in Berlin um rund einen Prozentpunkt gestiegen. Differenziert nach Geschlecht zeigt sich ein paradoxer Befund: Die Grundsicherungsquote im Alter liegt bei Männern mit 9,1 Prozent über der der Frauen (7,3 %), gleichzeitig sind Frauen mit einer Armutsgefährdungsquote von rund 20 Prozent im Rentenalter stärker gefährdet als Männer (rund 18 %). Erklärt wird dieser Widerspruch unter anderem damit, dass Frauen trotz Anspruch häufiger keine Grundsicherung beantragen.
Für Marzahn-Hellersdorf – mit einem traditionell hohen Anteil älterer Ostberliner, die zu DDR-Zeiten vollbeschäftigt waren und entsprechende Rentenansprüche erworben haben – dürfte die Altersarmut tendenziell etwas moderater ausfallen als in Bezirken mit höherem Anteil an Menschen ohne vollständige Erwerbsbiografie. Konkrete Bezirksdaten zur Altersarmut enthält der Sozialbericht jedoch nicht.
Kinderarmut: Rund 128.600 Kinder in Berliner Bedarfsgemeinschaften – Marzahn-Hellersdorf überdurchschnittlich belastet
Im Jahr 2023 lebten berlinweit rund 128.624 Kinder unter 15 Jahren in Haushalten, die Grundsicherung nach SGB II (Bürgergeld) beziehen. Das entspricht rund 25 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren in Berlin – also jedes vierte Kind. Zum Vergleich: 2015 waren es noch 149.019 Kinder (damals rund ein Drittel aller Kinder). Die absolute Zahl der Kinder in Bedarfsgemeinschaften sank also um etwa 14 Prozent, gleichzeitig stieg die Gesamtzahl der Kinder in Berlin um rund acht Prozent (von 474.131 auf 513.294). Bundesweit liegt die Quote bei 13 bis 16 Prozent – Berlins Kinderarmut übersteigt den Bundeswert damit durchgehend um zehn bis 15 Prozentpunkte.
Der Bericht stellt fest, dass zahlreiche Planungsräume in Marzahn-Hellersdorf unterdurchschnittliche Kinderarmutsquoten aufweisen – explizit werden für den Bezirk niedrige Quoten (unter zehn Prozent) in mehreren Bereichen erwähnt. Gleichzeitig zählen Teile von Marzahn-Hellersdorf zu den Stadtgebieten mit höheren Werten. Die im Bericht explizit genannten Problemplanungsräume Gut Hellersdorf und Hellersdorfer Promenade – die auch bei der Mindestsicherungsquote herausstechen – liegen im selben Milieu. Die Kindheitsarmut ist in Marzahn-Hellersdorf insgesamt räumlich stark ungleich verteilt: Die Großsiedlungsbereiche sind erheblich stärker betroffen als die Einfamilienhausgebiete in Biesdorf, Mahlsdorf und Kaulsdorf. Für Neukölln zeigen einzelne Planungsräume (Schulenburgpark, Weiße Siedlung, Jahnstraße) mit fast zwei Dritteln aller Kinder in Bedarfsgemeinschaften Extremwerte, die fast zweieinhalb Mal über dem Berliner Durchschnitt liegen – vergleichbare Konzentrationen sind in Marzahn-Hellersdorf nicht zu beobachten.
Einkommen: Löhne weit unter Berliner Durchschnitt
Seit Anfang 2025 liegen erstmals kleinräumige Einkommensdaten für Berlin vor – konkret die monatlichen Brutto-Medianeinkommen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigter. Das berlinweite Medianeinkommen dieser Gruppe liegt bei 3.955 Euro brutto im Monat. In einkommensstarken Planungsräumen (vor allem in Mitte, Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf) erreicht der Medianwert mindestens 4.711 Euro – mehr als 700 Euro über dem Berliner Durchschnitt.
Marzahn-Hellersdorf liegt am anderen Ende der Verteilung: Zahlreiche Planungsräume im Bezirk weisen Brutto-Medianeinkommen von weniger als 3.440 Euro monatlich auf – also mehr als 500 Euro unter dem Berliner Schnitt. Damit gehört der Bezirk gemeinsam mit Lichtenberg, Neukölln und Spandau zu den vier einkommensschwächsten Bezirken der Hauptstadt.
Besonders ausgeprägt ist der Niedriglohnbereich. Als Niedriglohn gilt, wer weniger als zwei Drittel des Bundesmedians verdient – das sind im Jahr 2023 weniger als 2.530 Euro brutto monatlich. Berlinweit liegt der Anteil der Vollzeitbeschäftigten in diesem unteren Entgeltbereich bei 14,8 Prozent. In mehreren Planungsräumen in Marzahn-Hellersdorf überschreitet dieser Anteil die Marke von 25 Prozent – also fast das Doppelte des Berliner Durchschnitts. Der Bericht nennt explizit die Planungsräume Böhlener Straße, Hellersdorfer Promenade und Zossener Straße als Gebiete mit besonders hohen Niedriglohnanteilen.
Zur Einordnung: Unter Vollzeitbeschäftigten, die weniger als 2.530 Euro brutto verdienen, bleibt nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben in der Regel weniger als 1.800 bis 2.000 Euro netto übrig – bei Berliner Mietpreisen, die selbst in Marzahn-Hellersdorf in den vergangenen Jahren gestiegen sind, eine zunehmend angespannte Lage.
Beschäftigung: Hohe Erwerbsquote, aber Niedriglohn dominiert
In der Beschäftigung zeigt Marzahn-Hellersdorf ein positives Bild: Mit einem Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter von mindestens 60 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter gehört der Bezirk zu den berlinweiten Spitzenreitern – gemeinsam mit Treptow-Köpenick, Lichtenberg und Pankow. In Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf liegen diese Werte dagegen teils deutlich niedriger. Der Bericht erläutert, dass das in den westlichen Innenstadtbezirken kein Zeichen von Arbeitslosigkeit sei, sondern auf den hohen Anteil von Selbstständigen, Beamten und anderen Beschäftigungsformen zurückzuführen ist, die in der Sozialversicherungsstatistik nicht erfasst werden. Im östlichen Berlin – und damit in Marzahn-Hellersdorf – ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hingegen die mit Abstand dominierende Erwerbsform.
Berlinweit sank die Erwerbslosenquote zwischen 2015 und 2023 von rund 10 Prozent auf rund 5 Prozent – eine bemerkenswerte Halbierung innerhalb von acht Jahren. Bundesweit liegt die Quote 2023 bei rund drei Prozent. Berlin bleibt also trotz der positiven Entwicklung deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
Beim Thema „Arbeit trotz Transferbezug“ – also Haushalte, in denen trotz Beschäftigung ergänzend Bürgergeld bezogen wird – ordnet der Bericht Marzahn-Hellersdorf im Mittelfeld ein: Die Quote liegt in etwa um den gesamtstädtischen Jahreswert von rund 2,5 Prozent für 2023. Dieser Berliner Wert ist mehr als doppelt so hoch wie auf Bundesebene. Stärker belastet sind Neukölln, Spandau, Reinickendorf und Mitte; besser aufgestellt sind Treptow-Köpenick, Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und Pankow.
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Bildung: 25 Prozent mit niedrigen Schulabschlüssen, nur jede fünfte bis sechste Person mit Hochschulabschluss
Im Bereich Schulbildung belegt Marzahn-Hellersdorf einen der hinteren Plätze in Berlin. Der Anteil der Bezirksbevölkerung ohne Schulabschluss oder mit lediglich Hauptschulabschluss liegt 2023 bei rund 25 Prozent – ein Wert, der nur von Spandau (34 %) und Neukölln (32 %) übertroffen wird. Lichtenberg folgt mit rund 24 Prozent. Zum Vergleich: Friedrichshain-Kreuzberg liegt bei rund 70 Prozent Hochschulreife-Anteil, Pankow, Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf bei jeweils rund 63 Prozent, Steglitz-Zehlendorf bei rund 58 Prozent.
Berlinweit hat etwas mehr als jede zweite Person die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife erworben. In Marzahn-Hellersdorf ist das nach Schätzung des Berichts bei deutlich weniger der Fall. Hochschul- oder Promotionsabschlüsse besitzen in Marzahn-Hellersdorf nur rund 17 bis 20 Prozent der Bevölkerung – also etwa jede fünfte bis sechste Person. Deutschlandweit verfügen 33 Prozent über einen akademischen Abschluss, in Berlin insgesamt 33 Prozent ebenfalls. Marzahn-Hellersdorf liegt damit erheblich unter dem gesamtberliner Schnitt.
Stattdessen dominiert die Lehr- und Facharbeiterausbildung: Rund ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung hat eine solche abgeschlossen – das ist einer der höchsten Werte in ganz Berlin und Ausdruck der historischen Zusammensetzung des Bezirks als Arbeiterwohngebiet.
Berlinweit zeigt sich auch im Bildungsbereich ein Trend zur Polarisierung: Der Anteil der Bevölkerung mit Hochschulreife stieg seit 2016 kontinuierlich, gleichzeitig nahm der Anteil ohne jeglichen Schulabschluss im Jahr 2023 zu – auf rund sieben Prozent, also etwa jede dreizehnte Berlinerin und jeden dreizehnten Berliner. In Marzahn-Hellersdorf dürfte dieser Anteil aufgrund der Bevölkerungsstruktur ebenfalls leicht über dem gesamtstädtischen Schnitt liegen.
Frühkindliche Bildung: Berlinweit nutzen 2023 rund zwei Drittel aller Kinder unter sieben Jahren eine öffentlich geförderte Kindertagesbetreuung. Der Bericht stellt fest, dass in Stadtteilen mit höherer Kinderarmut die Kita-Betreuungsquote tendenziell niedriger ausfällt (Korrelationskoeffizient nach Pearson: -0,58). Für Marzahn-Hellersdorf – mit seiner strukturell erhöhten Kinderarmutsquote in bestimmten Teilen – ist das ein relevanter Hinweis.
Wohnen: Günstigste Mietbelastung Berlins, aber Wohngeldbedarf und Wohnungslosigkeit auffällig
Im Kapitel Wohnen zeigt Marzahn-Hellersdorf einen herausstechenden Vorteil: Die mittlere Mietbelastungsquote ist im Bezirk – gemeinsam mit Lichtenberg – die niedrigste in ganz Berlin. Berlinweit liegt die Mietbelastungsquote (Median aller Mieterhaushalte) im Jahr 2022 bei rund 27 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens – drei Prozentpunkte über dem Bundeswert von 24 Prozent. In Marzahn-Hellersdorf fällt sie dem Bericht zufolge deutlich darunter aus. Etwa jeder fünfte Berliner Haushalt wendet mindestens 40 Prozent seines Nettoeinkommens für die Miete auf – diese Gruppe gilt als übermäßig belastet. In Marzahn-Hellersdorf ist dieser Extremanteil aufgrund des moderateren Mietniveaus in der Großwohnsiedlung geringer.
Gleichzeitig gibt es beim Wohngeldbezug auffällige Befunde. Auf Ebene der Bezirksregionen zeigen Marzahn-Mitte und Hellersdorf Nord im Jahr 2022 Wohngeldbezugsquoten von mindestens zwei Prozent aller Haushalte – das gehört zu den erhöhten Werten in Berlin. Nach der Wohngeldreform zum 1. Januar 2023, die die Einkommensgrenzen für den Bezug anhob, stieg die Inanspruchnahme berlinweit deutlich an. Für Marzahn-Hellersdorf bedeutet das: In den nördlichen Bereichen des Bezirks mit ihrer Plattenbaustruktur hat ein merklicher Teil der Haushalte von der Reform profitiert.
Beim Thema Wohnungslosigkeit zeigt der Sozialbericht für Marzahn-Hellersdorf einen bemerkenswert hohen Wert. Der Anteil untergebrachter wohnungsloser Personen an der Gesamtbevölkerung liegt im Bezirk im Jahr 2023 bei 1,2 Prozent – der drittgrößte Wert unter allen Berliner Bezirken. Höher liegt nur Charlottenburg-Wilmersdorf mit 1,5 Prozent und Tempelhof-Schöneberg mit 1,3 Prozent. Bezirke wie Mitte, Spandau, Steglitz-Zehlendorf und Neukölln liegen bei jeweils nur 0,8 Prozent.
Hintergrund: In Berlin stieg die Gesamtzahl untergebrachter Wohnungsloser von 13.400 Personen im Jahr 2022 auf 39.375 im Jahr 2023 – ein Anstieg um fast das Dreifache. Bundesweit stieg die Zahl von 193.915 auf 372.060, also auf knapp das Doppelte. Berlin entwickelte sich damit ungünstiger als der Bundestrend. In die Statistik eingerechnet werden auch anerkannte Geflüchtete und Personen mit Chancen-Aufenthaltsrecht, die vorübergehend in Gemeinschaftsunterkünften leben – was erklären könnte, warum Marzahn-Hellersdorf mit seinen vorhandenen Kapazitäten für Gemeinschaftsunterkünfte hier überproportional vertreten ist. Für Anfang 2024 vermeldet der Bericht darüber hinaus rund 8.400 obdachlose oder verdeckt wohnungslose Menschen in ganz Berlin.
Reichtum: Nur vier bis fünf Prozent Einkommensreiche – weit unter Berliner Schnitt
Im Kapitel Reichtum rundet sich das Bild ab. Die Einkommensreichtumsquote – der Anteil der Bevölkerung mit einem Nettoäquivalenzeinkommen von mehr als 200 Prozent des Berliner Medians – liegt in Marzahn-Hellersdorf bei vier bis fünf Prozent. Das ist einer der niedrigsten Werte unter allen Berliner Bezirken, vergleichbar mit Neukölln, Lichtenberg und Spandau. Zum Vergleich: In Pankow, Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf liegt die Einkommensreichtumsquote bei rund 13 Prozent, also fast dreimal so hoch.
Für einen Einpersonenhaushalt in Berlin beginnt Einkommensreichtum im Jahr 2023 statistisch ab einem monatlichen Nettoäquivalenzeinkommen von 4.134 Euro. Für Paare ohne Kinder liegt die Schwelle bei 6.202 Euro netto, für Haushalte mit Kindern zwischen 7.567 und 10.847 Euro netto – je nach Kinderzahl. Wer diese Schwellen in Marzahn-Hellersdorf erreicht, ist statistisch eine Ausnahme.
Berlinweit gilt rund neun Prozent der Bevölkerung als einkommensreich – etwas mehr als auf Bundesebene. Die Zahl der Berliner Spitzenverdienenden (Jahreseinkünfte ab einer Million Euro) hat sich zwischen 2015 und 2021 mit einem Anstieg von 815 auf 1.601 nahezu verdoppelt – bundesweit betrug der Anstieg im gleichen Zeitraum nur 63 Prozent. Dieser Trend konzentriert sich auf die westlichen Innenstadtbezirke und bleibt an Marzahn-Hellersdorf weitgehend vorbei.
Beim Vermögen ist die Schieflage noch ausgeprägter: Das durchschnittliche individuelle Nettovermögen in Berlin lag 2017 bei rund 57.000 Euro. Gleichzeitig verfügte die Hälfte der Berliner Bevölkerung nur über ein Vermögen von maximal 5.620 Euro – eine extreme Ungleichverteilung. Für Marzahn-Hellersdorf dürfte der Medianwert aufgrund der geringen Eigentumsquote in den Plattenbaugebieten noch darunter liegen, während die Einfamilienhausbereiche in Biesdorf, Mahlsdorf und Kaulsdorf das bezirkliche Vermögensbild leicht nach oben verschieben.
Gesundheit: Berliner Durchschnitt ohne bezirksspezifische Negativbefunde
Im Kapitel Gesundheit enthält der Sozialbericht keine Einzeldaten für Marzahn-Hellersdorf. Berlinweit liegt die Lebenserwartung für Frauen im Dreijahreszeitraum 2019 bis 2021 zwischen 82,4 und 84,8 Jahren, für Männer zwischen 77,6 und 79,4 Jahren – je nach Bezirk. Frauen leben demnach durchschnittlich vier bis fünf Jahre länger als Männer. Die vorzeitige Sterblichkeit (Todesfälle unter 70 Jahren pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner ohne Einjährige) variierte für Frauen in Berlin zwischen rund 145 und 169, für Männer zwischen 271 und 320.
Bei Umweltmehrfachbelastungen – der gleichzeitigen Betroffenheit durch Lärm, Luftverschmutzung, thermische Belastung und unzureichende Grünflächenversorgung – schneiden periphere Bezirke wie Marzahn-Hellersdorf strukturell besser ab. Rund 361 der 542 Berliner Planungsräume weisen höchstens eine erhöhte Umweltbelastung auf; 88 Prozent dieser Planungsräume liegen außerhalb des S-Bahn-Rings. Die grünen Ortsteile Biesdorf, Mahlsdorf und Kaulsdorf mit ihren Waldgebieten, Kleingartenanlagen und geringer Bebauungsdichte gehören zu den am wenigsten umweltbelasteten Teilen der Stadt.
Ein Bezirk mit strukturell verfestigter Einkommensschwäche
Der Berliner Sozialbericht 2025 belegt für Marzahn-Hellersdorf eine strukturell verankerte soziale Herausforderung: Der Bezirk liegt bei Armutsgefährdung, Mindestsicherungsquote, Niedriglohnbeschäftigung, Kinderarmut, Schulbildung und Einkommensreichtum konsequent am unteren Ende der Berliner Vergleichsskala. Gleichzeitig profitiert der Bezirk von einer der niedrigsten Mietbelastungsquoten in ganz Berlin, einer überdurchschnittlich hohen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsquote und vergleichsweise günstigen Umweltbedingungen.
Die räumliche Binnenstruktur des Bezirks ist dabei entscheidend: Gut Hellersdorf, Hellersdorfer Promenade, Böhlener Straße und Zossener Straße sind die im Sozialbericht namentlich benannten Brennpunkte für Niedriglohn, Mindestsicherungsbezug und soziale Belastung. Biesdorf, Mahlsdorf und Kaulsdorf hingegen – mit ihrer kleinteiligen Eigenheim- und Kleingartenbebauung sowie einem einkommensstärkeren Bevölkerungsmix – weisen eine grundlegend andere soziale Lage auf und fallen in den meisten der vom Bericht beschriebenen Problemkategorien unterdurchschnittlich auf.
Ausführliche Informationen: 👉 Sozialbericht 2025
Quelle: Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung (SEN ASGIVA): Sozialbericht 2025 – Berlin in Zahlen, veröffentlicht April 2025.


