21. November 2024

Großangelegte Durchsuchungen in Berlin wegen Kinderpornografie und mutmaßlichem Cybergrooming

Im Rahmen eines großangelegten Einsatzes haben Polizeikräfte heute früh auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Berlin zwölf Wohnanschriften in der Hauptstadt durchsucht.

Der Einsatz, bei dem rund 40 Polizeibeamte beteiligt waren, richtete sich gegen zwölf Beschuldigte im Alter von 17 bis 63 Jahren, die im Verdacht stehen, kinder- und jugendpornografisches Material zu besitzen, zu verbreiten oder zu erwerben sowie Straftaten im Bereich des Cybergroomings vorbereitet oder durchgeführt zu haben.

Hintergründe der Ermittlungen

Im Fokus der Ermittlungen stehen insbesondere neun Erwachsene, die beschuldigt werden, kinderpornografische Inhalte über verschiedene Plattformen wie „KIK“, „WhatsApp“, „Knuddels“, „Skype“ und „Discord“ hochgeladen zu haben. Zudem wurden zwei Fälle von mutmaßlichem Cybergrooming bekannt:

Ein 35-jähriger Beschuldigter soll am 2. Mai 2024 über die Plattform „Reality“ Kontakt zu einem Mann aufgenommen haben, der sich als Kind ausgab. Der Verdächtige habe versucht, das vermeintliche Kind zu sexuellen Handlungen zu überreden.

Ein 48-Jähriger wird verdächtigt, im Mai 2024 über Facebook ein Treffen mit einem Erwachsenen zu arrangieren, der sich ebenfalls als Kind ausgab. Zudem soll der Beschuldigte diesem ein sexuelles Bild zugesandt haben. Das Treffen wurde abgebrochen, bevor es stattfand.

Durchsuchungen in zwölf Berliner Bezirken

Die Durchsuchungen fanden in Buch, Charlottenburg, Fennpfuhl, Kaulsdorf, Lichterfelde, Märkisches Viertel, Marzahn, Neu-Hohenschönhausen, Neukölln, Prenzlauer Berg, Wedding und Weißensee statt.

Dabei beschlagnahmten die Einsatzkräfte umfangreiches Beweismaterial, darunter:

5 Computer,

13 Tablets,

13 Notebooks,

24 Mobiltelefone,

zahlreiche weitere Datenträger.

Die Auswertung der beschlagnahmten Gegenstände ist bereits angelaufen und wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

Steigende Fallzahlen und hohe Aufklärungsquote

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) zeigt, dass die Fallzahlen im Bereich der Kinder- und Jugendpornografie weiterhin alarmierend ansteigen. Während 2015 etwa 14.500 Fälle aus den USA gemeldet wurden, lag die Zahl 2023 bei 179.000 – ein Zuwachs von etwa 32 % im Vergleich zum Vorjahr (2022: 136.500 Fälle).

Trotz der zunehmenden Belastung durch eine Vielzahl eingehender Hinweise, vor allem durch die Organisation National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC), verzeichnet die Polizei eine beeindruckende Aufklärungsquote. Diese lag im Jahr 2023 bei rund 90 %, was vor allem auf verbesserte technische Analysewerkzeuge und detaillierte NCMEC-Meldungen zurückzuführen ist.

Ein besorgniserregender Trend ist jedoch der steigende Anteil minderjähriger Betroffener, die aus Unachtsamkeit selbst intime Inhalte verbreiten. Oft handelt es sich dabei um Materialien, die von den Kindern und Jugendlichen selbst erstellt wurden.

Ein Zeichen gegen sexualisierte Gewalt

Mit der konzertierten Aktion möchte die Polizei ein klares Signal gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen setzen. Der Berliner Polizeisprecher betonte: „Wir setzen alles daran, diese abscheulichen Straftaten aufzuklären und die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Es ist unsere Pflicht, Kinder und Jugendliche vor diesen Gefahren zu schützen.“

Die Ermittlungen dauern an.

Fotos: © John Boutin

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