Heute ist Christi Himmelfahrt. Für Gläubige ist es eines der ältesten Hochfeste des Christentums, für viele andere der Startschuss für Bollerwagen, Bier und Ausflüge ins Grüne.
Nirgendwo tritt diese Doppelnatur so deutlich zutage wie in Berlin und Brandenburg — dort, wo der Brauch seinen Ursprung hat.
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Der religiöse Kern
Christi Himmelfahrt gehört zu den ältesten christlichen Hochfesten und wird seit dem 4. Jahrhundert begangen. Das Fest erinnert an die Rückkehr Jesu Christi zu seinem Vater im Himmel, 40 Tage nach seiner Auferstehung an Ostern. Die frühe Kirche kannte das Fest noch nicht als eigenständigen Tag — Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu wurden ursprünglich gemeinsam begangen. Erst das Konzil von Nicäa im Jahr 325 legte die 40-tägige Frist fest und erhob Christi Himmelfahrt zum eigenständigen Hochfest.
Weil Ostern stets auf einen Sonntag fällt, ist der 40. Tag nach Ostern zwingend ein Donnerstag — ohne Ausnahme. Das macht Christi Himmelfahrt zu einem der wenigen Feiertage, der strukturell nie auf einen anderen Wochentag fallen kann.
In der Liturgie beider großen Kirchen ist der Tag ein Festgottesdienst. Vielerorts gibt es Gottesdienste unter freiem Himmel sowie Bittprozessionen, sogenannte Flurprozessionen, die aus dem Mittelalter stammen. Ein seltener, aber faszinierender Brauch aus der Frühzeit: An manchen Orten zogen Ministranten eine Christusfigur durch ein Loch in der Kirchendecke, woraufhin von oben Blüten, Heiligenbildchen und bisweilen brennendes Flachs als Sinnbild der Pfingstfeuerzungen herabregneten.
Populär in Berlin-Brandenburg: Die Herrenpartie
Der weltliche Brauch, der Christi Himmelfahrt heute weithin prägt, ist in seiner Entstehung klarer lokalisierbar als oft angenommen. Wer den Herrentag für eine DDR-Erfindung hält, irrt. Die sogenannte Herrenpartie ist eine deutsche Tradition aus dem späten 19. Jahrhundert, welche in Berlin-Brandenburg populär gefeiert wurde. Schon um 1900 zogen Männer an Christi Himmelfahrt zu Ausflügen insbesondere ins Berliner Umland — in den Grunewald, an den Müggelsee, ins Brandenburgische.
Um 1900 begannen überwiegend alleinstehende Männer aus dem Berlin-Brandenburger Raum, an dem arbeitsfreien Feiertag Gruppenausflüge zu unternehmen. Da es in der wachsenden Großstadt viele schlecht untergebrachte Männer gab, trafen diese sich am meist schon milden Maitag, um gemeinsam Alkohol zu trinken und etwas zu unternehmen. Heute vermutet die Forschung, dass wirtschaftliche Interessen von Brauereiunternehmern bei der Verbreitung des Brauchs eine Rolle spielten.
Bis 1929 war der populäre Berlin-Brandenburger Brauch bereits so fest etabliert, dass er sogar als Stoff für einen Kinofilm taugte: „Die fidele Herrenpartie“ — quasi ein Stummfilm-Vorläufer heutiger Männertag-Komödien. Zwei Jahre später schrieb die Hauptstadtpresse bereits ganz selbstverständlich vom „Herrenpartietag“.
Die DDR und das Fortleben eines verbotenen Feiertags
Während Christi Himmelfahrt in der Bundesrepublik stets ein gesetzlicher Feiertag blieb, strich die DDR ihn Mitte der 1960er Jahre als arbeitsfreien Tag. Trotzdem lebte die Tradition weiter. Eine volkskundliche Arbeit der Humboldt-Universität aus den 1980er Jahren beschreibt für die DDR ein „spontanes Aufleben“ der Herrenpartie, besonders in den 1970er Jahren. Der Begriff „Herrentag“ setzte sich im Osten auch deshalb stärker durch, weil religiöse Bezeichnungen offiziell vermieden wurden.
Nach der politischen Wende wurde Christi Himmelfahrt kurz vor Ostern 1990 in den neuen Bundesländern wieder als gesetzlicher Feiertag eingeführt. Nach der Wende verbreitete sich die Bollerwagen-Variante dann verstärkt auch in Westdeutschland — als Wiederbelebung einer ursprünglich preußisch-berlinerischen Tradition.
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Regional: Berlin, Brandenburg und der Osten
In Berlin, Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern heißt der Tag bis heute häufig Herrentag oder Männertag. Auch hier dominieren Herrenpartien mit Bollerwagen oder Fahrradtouren. In Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Teilen Brandenburgs ist auch die Bezeichnung „Männertag“ verbreitet.
Die Wasserschutzpolizei in Brandenburg kündigt am Himmelfahrtstag regelmäßig verstärkte Kontrollen an, wenn Ausflügler auf Flüssen und Seen unterwegs sind. In manchen Teilen Ostdeutschlands besteht zudem ein alter Brauch, Fahrzeuge an diesem Tag mit Flieder- und Birkenzweigen zu schmücken.
Ein statistisch gefährlicher Tag
Die gesellschaftliche Kehrseite des Feiertags ist gut dokumentiert. Laut Statistischem Bundesamt verzeichnete der Vatertag 2024 mit 287 Alkoholunfällen im Straßenverkehr den höchsten Tageswert des gesamten Jahres. 204 dieser Unfälle gingen mit Personenschaden einher, 58 Menschen wurden schwer verletzt, einer starb. Damit ist der Herrentag statistisch der gefährlichste Tag im deutschen Straßenverkehr in Bezug auf Alkohol.
Tradition im Wandel
Christopher Neumaier vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam sieht den Brauch trotz gewandelter Geschlechterrollen als fest verankert an. „Die Geschlechterrollen haben sich ein Stück weit gewandelt, aber dieser Ausflugstag, dieses Feiern, das Alkoholkonsumieren, das hat sich gehalten.“ Der Vatertag habe als traditionelles Element sogar einen Boom erfahren.
Zunehmend wird der Tag allerdings auch in Deutschland als arbeitsfreier Familientag mit Ehepartner und Kindern begangen — eine Entwicklung, die vor allem in jüngeren Generationen sichtbar ist. In Berlin organisieren einige Initiativen am Herrentag inzwischen Kochaktionen für Obdachlose oder Alleinerziehende — eine Neudeutung des Tages als Gelegenheit zur Gemeinschaft jenseits der Bollerwagen-Routine.
Drei Namen, eine Geschichte
Ob Christi Himmelfahrt, Vatertag oder Herrentag — der Donnerstag im Mai vereint heute drei sehr unterschiedliche Bedeutungsebenen unter sich: das älteste christliche Hochfest nach Ostern, einen deutsch-österreichisch-schweizerischen Sonderweg beim Vatertag und einen Brauch, der in Berliner Hinterhöfen des Kaiserreichs wurzelt und von der DDR unbeabsichtigt konserviert wurde. Deutschland, Österreich und die Schweiz sind übrigens die einzigen Länder, in denen der Vatertag traditionell mit Christi Himmelfahrt verknüpft ist — in den USA und Großbritannien fällt er auf den dritten Sonntag im Juni, in Italien und Spanien auf den 19. März.
Verwendete Quellen:
- Erzbistum Köln: Hochfest Christi Himmelfahrt — Ursprung, Bedeutung und Bräuche (erzbistum-koeln.de)
- Citopendia: Christi Himmelfahrt 2026 (citopendia.de)
- Berliner Zeitung: Herrentag — Wie lässt sich Männlichkeit feiern ohne Bollerwagen und Suff? (berliner-zeitung.de)
- Rhein-Neckar-Zeitung / dpa: Bollerwagen und Bier — Warum der Vatertag weiter aktuell ist (rnz.de)
- Steuerberater Haffner: Vatertag, Herrentag, Christi Himmelfahrt (steuerberater-haffner.de)
- Wikipedia: Vatertag (de.wikipedia.org)
- Wikipedia: Christi Himmelfahrt (de.wikipedia.org)
- de-academic.com: Liste der Feiertage der DDR
- Geschichte-Wissen-Forum: „Christi Himmelfahrt“ auf Ostdeutsch
- MSN/Gesellschaft: Himmelfahrt, Vatertag, Herrentag — was feiern wir eigentlich?
Titelbild: Ki-generiert


