10. Juli 2026

Verkehrsbilanz 2025: Mehr Unfälle in Berlin, weniger Tote – Marzahner Promenade ist berlinweit häufigster Kinderunfall-Ort

Die Polizei Berlin hat ihre Verkehrssicherheitslage für das Jahr 2025 vorgelegt.

Die Bilanz fällt zwiespältig aus: Berlinweit registrierte die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt 137.373 Verkehrsunfälle – ein Anstieg um 3,01 Prozent beziehungsweise 4.009 Fälle gegenüber 2024 und der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre.

Zugleich sank die Zahl der Verkehrstoten deutlich: 37 Menschen verloren 2025 ihr Leben im Berliner Straßenverkehr, 18 weniger als im Vorjahr. Für Marzahn-Hellersdorf, dessen Ortsteile Marzahn, Hellersdorf, Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf zu den Polizeiabschnitten 32 und 33 gehören, enthält der 39-seitige Bericht der Landespolizeidirektion mehrere Befunde mit direktem Bezug zum Bezirk – allen voran eine alarmierende Zahl zur Sicherheit von Kindern.


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Marzahner Promenade führt traurige Statistik an

Der auffälligste lokale Befund betrifft die jüngsten Verkehrsteilnehmer: Die Marzahner Promenade führt mit vier registrierten Unfällen die berlinweite Liste der häufigsten Unfallörtlichkeiten mit Kinderbeteiligung an – noch vor Kreuzungen in Prenzlauer Berg, Wedding und Wilmersdorf. Auch die Kreuzung Am Wasserwerk / Landsberger Allee taucht mit drei Kinderunfällen in dieser Liste auf. Damit liegen zwei der fünf gefährlichsten Orte für Kinder im Berliner Straßenverkehr im oder am Rande des Bezirks.

Fünf verletzte Personen in Eiche

Die Zahlen fügen sich in einen besorgniserregenden Gesamttrend: Berlinweit stieg die Zahl der Verkehrsunfälle mit aktiver Kinderbeteiligung um 11,05 Prozent auf 864 Fälle. 556 Kinder wurden leicht und 106 schwer verletzt, ein Kind starb. Erfasst werden dabei nur Unfälle, bei denen Kinder zwischen null und 14 Jahren aktiv als Verkehrsteilnehmer beteiligt waren – mitfahrende Kinder zählen nicht in diese Statistik. Als häufigste Ursachen aufseiten der Kinder nennt der Bericht das Nichtbeachten des Fahrzeugverkehrs (118 Fälle), Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr (92) und das plötzliche Betreten der Fahrbahn (45). Bei 62,82 Prozent aller Unfälle mit Kinderbeteiligung waren die Kinder Haupt- oder Mitverursachende.

Landsberger Allee bleibt Unfallschwerpunkt – auch für Raser

Die Landsberger Allee, die auf ihrem östlichen Abschnitt durch Marzahn verläuft, gehört weiterhin zu den unfallträchtigsten Straßen der Stadt. Mit 226 Verkehrsunfällen (ohne Park- und Rangierunfälle) rangiert sie berlinweit auf Platz vier der häufigsten Unfallstrecken, hinter Tempelhofer Damm und Sonnenallee (je 286) sowie Frankfurter Allee (252).

Vier Verletzte in Hellersdorf

Die Magistrale taucht zudem in gleich mehreren Risikogruppen-Statistiken auf: 41 Unfälle mit Beteiligung von Seniorinnen und Senioren, acht Unfälle mit zu Fußgängern und fünf Straßenbahnunfälle wurden dort registriert.

Auch beim Thema illegale Autorennen spielt die Straße eine unrühmliche Rolle: Mit 15 eingeleiteten Ermittlungsverfahren wegen verbotener Kraftfahrzeugrennen liegt die Landsberger Allee auf Platz drei der häufigsten Tatörtlichkeiten in Berlin – nur auf den Autobahnen A 100 (60 Verfahren) und A 113 (26) wurde häufiger gerast. Berlinweit leitete die Polizei 645 Strafermittlungsverfahren wegen verbotener Kfz-Rennen nach Paragraf 315d Strafgesetzbuch ein, so viele wie nie in den vergangenen fünf Jahren. Allein 307 dieser Straftaten waren Fluchten vor polizeilichen Kontrollen – laut Bericht häufig ausgelöst durch Banalitäten oder zur Verdeckung anderer Straftaten. Zu beachten ist allerdings: Die Landsberger Allee verläuft durch mehrere Bezirke, eine Zuordnung zu einzelnen Straßenabschnitten nimmt der Bericht nicht vor.

Drei Verletzte in Kaulsdorf

Weniger Straßenbahnunfälle – gute Nachricht für den Tram-Bezirk

Für Marzahn-Hellersdorf als einen der straßenbahnreichsten Bezirke Berlins relevant: Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Straßenbahnbeteiligung sank berlinweit um 5,31 Prozent auf 464 Fälle. 173 Menschen wurden dabei leicht und 32 schwer verletzt, zwei Personen starben. Die Straßenbahnführenden selbst waren nur bei 11,91 Prozent dieser Unfälle Haupt- oder Mitverursachende – wenn, dann meist durch Fehler beim Fahrzeugführen (48 Fälle). In die Statistik fließen dabei nur Ereignisse ein, bei denen die Tram auf straßenbündigen Gleisen im öffentlichen Verkehrsraum unterwegs war; alles andere wird als Betriebsunfall gewertet.

Ohne Führerschein und mutmaßlich betrunken – Schwerverletzter Mann in Biesdorf

37 Verkehrstote – 22 davon Seniorinnen und Senioren

Die Opferbilanz des Jahres 2025 zeigt ein deutliches Muster: Von den 37 Verkehrstoten – 18 Frauen und 19 Männer – waren 22 Seniorinnen und Senioren. In 17 Fällen waren die Getöteten selbst hauptverantwortlich für das Unfallgeschehen, in 18 Fällen lag die Ursache im Fehlverhalten anderer Verkehrsbeteiligter, in zwei Fällen wirkte beides zusammen.

Besonders drastisch fällt der Befund bei den zu Fußgängern aus: 17 Fußgänger kamen ums Leben – sieben weniger als 2024 –, davon waren 16 älter als 64 Jahre. Sechs Personen starben, weil sie beim Überschreiten der Fahrbahn den Fließverkehr missachteten, zwei infolge der Missachtung einer Ampel. In vier Fällen war umgekehrt ein Fehlverhalten von Fahrzeugführenden gegenüber Fußgängern ursächlich, in zwei Fällen wurde eine Person beim Rückwärtsfahren tödlich verletzt.

Pkw kollidiert mit Straßenbahn in Mahlsdorf – eine verletzte Person

Insgesamt verunglückten 17.005 Menschen im Berliner Straßenverkehr, 3,15 Prozent mehr als im Vorjahr. Während die Zahl der Leichtverletzten auf 15.128 stieg, ging die der Schwerverletzten auf 1.840 zurück – der niedrigste Wert der Fünfjahresreihe. Als Schwerverletzte gelten Personen, deren Verletzungen eine stationäre Krankenhausbehandlung von mindestens 24 Stunden erfordern; als Verkehrstote zählen ausschließlich Menschen, die innerhalb von 30 Tagen an den unmittelbaren Unfallfolgen versterben.

Die Zahl der Unfälle mit Seniorenbeteiligung kletterte um 5,64 Prozent auf 17.693. Die Polizei weist darauf hin, dass die Gruppe der Menschen ab 65 Jahren derzeit die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe darstellt – ein Befund, der für die Verkehrssicherheitsarbeit in Marzahn-Hellersdorf mit seinen alternden Großsiedlungen besondere Bedeutung haben dürfte.


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Jugendliche und E-Scooter: Die stärksten Anstiege

Den prozentual stärksten Zuwachs aller Altersgruppen verzeichneten die Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren: Ihre Unfallzahlen stiegen um 15,88 Prozent auf 635 Fälle. 281 Jugendliche wurden leicht und 64 schwer verletzt, Todesopfer gab es in dieser Gruppe nicht. Bei den jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) stiegen die Unfälle um 7,68 Prozent auf 17.364, vier junge Menschen starben.

Eine verletzte Persin in Marzahn

Noch deutlicher fällt der Anstieg bei den Elektrokleinstfahrzeugen aus: Unfälle mit E-Scootern und ähnlichen Fahrzeugen nahmen um 27 Prozent auf 1.378 Fälle zu, darunter 173 Alleinunfälle. 871 E-Scooter-Fahrende wurden leicht und 98 schwer verletzt; Todesopfer gab es 2025 anders als im Vorjahr keine. Häufigste Unfallursache der Führenden war die verkehrswidrige Benutzung der Fahrbahn oder anderer Straßenteile (239 Fälle) – gemeint ist etwa das verbotene Fahren auf Gehwegen.

Auch Radunfälle nahmen zu: 7.184 Verkehrsunfälle mit Radbeteiligung bedeuten ein Plus von 3,61 Prozent, insgesamt verunglückten 4.953 Radfahrende. Die Zahl der getöteten Radfahrer sank jedoch deutlich von elf auf fünf – ein Alleinunfall wegen nicht angepasster Geschwindigkeit, zwei Abbiegeunfälle, zwei Vorfahrtsmissachtungen. An den tödlichen Kollisionen waren zwei Pkw und zwei Lkw beteiligt; drei der Getöteten waren Seniorinnen oder Senioren.

Verkehrsunfall mit Unfallflucht in Kaulsdorf – eine verletzte Frau

Bei den Kraftradfahrenden – für die Motorrad- und Rollerszene im Bezirk relevant – stiegen die Unfälle um 3,10 Prozent auf 3.693 Fälle, darunter 363 Alleinunfälle. Fünf Kraftradfahrende starben, 317 wurden schwer verletzt. Häufigste Ursache aufseiten der Zweiradfahrenden war nicht angepasste Geschwindigkeit (360 Fälle); die Zahl der Alkoholunfälle stieg von 27 auf 34.

Abbiegefehler bleiben Unfallursache Nummer eins

Bei den personenbezogenen Unfallursachen dominieren berlinweit die Fehler beim Abbiegen mit 11.230 Fällen, gefolgt vom Nichtbeachten der Vorfahrt (5.044) und nicht angepasster Geschwindigkeit (2.704). Letztere war zugleich die häufigste Ursache bei tödlichen Unfällen (zehn Fälle), gefolgt vom Fehlverhalten von Fußgängern und dem Fehlverhalten gegenüber zu Fußgängern (je neun Fälle). Wichtig zur Einordnung: Nicht angepasste Geschwindigkeit bedeutet nicht zwingend eine Überschreitung des Tempolimits – erfasst wird auch, wer zwar unterhalb der zulässigen Höchstgeschwindigkeit fährt, aber den Straßen-, Witterungs- oder Sichtverhältnissen nicht gerecht wird.

Im Jahresverlauf war der November mit 12.545 Unfällen der unfallreichste Monat, der August mit 9.074 der ruhigste. Rund ein Viertel aller Berliner Unfälle waren Park- und Rangierunfälle (34.161), hinzu kamen 9.219 Alleinunfälle – beide Werte erreichten Fünfjahreshöchststände.

Radfahrerin in Alt& Friedrichsfelde von LKW überrollt – Schwerverletzt

Überwachung massiv ausgeweitet – über eine Million Tempoverstöße

Die Polizei hat ihre Verkehrsüberwachung 2025 deutlich hochgefahren: 12.784 Schwerpunkteinsätze bedeuten einen kräftigen Anstieg gegenüber den 8.874 Einsätzen des Vorjahres. Die Schwerpunkte lagen auf Abbiegeverstößen (1.553 Einsätze), Alkohol und berauschenden Mitteln (1.562), Handynutzung am Steuer (1.558) und Radfahrsicherheit (1.063).

Die mobilen Blitzer erfassten bei 8.271 Messeinsätzen rund 20,5 Millionen Fahrzeuge und registrierten 825.819 Überschreitungen.

Bemerkenswert dabei: Die Überschreitensquote sank auf 4,03 Prozent – der niedrigste Wert der Fünfjahresreihe. Relativ gesehen fahren die Berliner also disziplinierter, obwohl die absoluten Zahlen Rekorde erreichen. Die 24 stationären Geschwindigkeitsmessanlagen und 24 kombinierten Geschwindigkeits- und Rotlichtanlagen registrierten 351.338 Tempoverstöße, mehr als in jedem der vier Vorjahre. Hinzu kamen 21.530 geahndete Rotlichtverstöße, davon 4.897 sogenannte qualifizierte Verstöße mit mehr als einer Sekunde Rotphase.

Ein verletzter Fußgänger in Hellersdorf

Insgesamt registrierte die Polizei erstmals mehr als vier Millionen Verkehrsordnungswidrigkeiten (4.035.760). Die Zahl der Geschwindigkeitsverstöße insgesamt überschritt mit 1.071.113 erstmals die Millionenmarke. Bei den Rotlichtverstößen entfielen 33.657 auf Kraftfahrzeuge, 10.102 auf Radfahrer und 254 auf Fußgänger. 68.254 Fahrzeuge wurden umgesetzt.

Bei den eingeleiteten Verkehrsstrafverfahren (27.088) fällt der Sprung beim Fahren ohne Haftpflichtversicherung auf: von 5.598 auf 7.016 Fälle. Die Verkehrsunfallfluchten stiegen weiter auf 34.221.

Prävention: Rekordzahlen bei Veranstaltungen für Kinder und Senioren

Parallel zur Überwachung baute die Polizei ihre Präventionsarbeit aus. 12.605 Veranstaltungen für Kinder – einschließlich der schulischen Radfahrausbildung – bedeuten einen neuen Höchstwert. Bei den Angeboten für ältere Menschen verdoppelte sich die Zahl nahezu von 592 auf 1.378 Veranstaltungen, darunter Seniorensprechstunden, Sicherheitstage, E-Scooter-Trainings und generationenübergreifende „Großeltern-Enkel-Tage“. Zum Schuljahresbeginn gab es eine zweiwöchige Schwerpunktaktion mit verstärkter Verkehrsüberwachung an Schulen, im Oktober fanden stadtweit rund 260 Aktionen zur Sichtbarkeit in der dunklen Jahreszeit statt.

Keine Zahlen für die Abschnitte 32 und 33

Eine Einschränkung bleibt: Daten für einzelne Polizeiabschnitte wie die für Marzahn-Hellersdorf zuständigen Abschnitte 32 und 33 oder für die Ortsteile Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf weist die Verkehrssicherheitslage nicht aus. Die Statistik wird zentral von der Landespolizeidirektion (LPD Stab 14 Verkehr) für das gesamte Stadtgebiet geführt. Der vollständige Bericht mit Datenstand vom 13. Februar 2026 steht auf berlin.de als PDF-Dokument zum Download bereit.

Verkehrsunfall in Marzahn-Hellersdorf

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