Nach mehr als zwei Jahrzehnten ohne öffentliches Freibad rückt das lang ersehnte Schwimmbad für Marzahn-Hellersdorf in greifbare Nähe: Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport, das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf und die Berliner Bäder-Betriebe haben am Montag, dem 6. Juli 2026, im Bezirksinformationszentrum am Kienberg einen Zwischenstand der Planungen für ein neues Funktionsbad mit Außenbecken vorgestellt.
Für das Vorhaben am Standort Jelena-Šantić-Friedenspark stehen insgesamt 35,4 Millionen Euro zur Verfügung – 25,1 Millionen Euro für das Funktionsbad und 10,3 Millionen Euro für das Außenbecken.
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Finanziert wird das Projekt aus SIWA-Mitteln (Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt) sowie aus dem Sondervermögen des Bundes.
Finanzierung im Hauptausschuss gesichert

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach bei der Vorstellung von einem Durchbruch. Man sei einen riesigen Schritt auf dem Weg zum Schwimmbad für Marzahn-Hellersdorf vorangekommen, sagte sie. Im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses habe man 35,4 Millionen Euro für das Vorhaben sichern können. Damit könne eine Schwimmhalle mit Außenbecken und allem, was dazugehöre, vorangetrieben werden. Deutlicher könnten sich das Land Berlin, der Bezirk und die Berliner Bäder-Betriebe nicht für dieses Schwimmbad positionieren, so Spranger.

Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic (CDU) betonte die Bedeutung des Projekts für den Bezirk. Das neue Kombibad sei weit mehr als ein Bauprojekt – es sei eine Investition in die Lebensqualität des Bezirks. Marzahn-Hellersdorf brauche attraktive Sport- und Freizeitangebote für Familien, Kinder und Jugendliche sowie gute Bedingungen für den Vereins- und Schulsport. Dass es gelungen sei, die Finanzierung zu sichern und konkrete Pläne vorzulegen, sei dem Schulterschluss vieler Beteiligter zu verdanken. Gemeinsam habe man an einem Ziel gearbeitet, das nun in greifbare Nähe rücke, erklärte Zivkovic.
Machbarkeitsstudie bis Ende August – zwei Varianten werden untersucht
Ende August 2026 sollen die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie im Auftrag der Berliner Bäder-Betriebe vorliegen. Beauftragt wurden zwei Variantenuntersuchungen. Neben einem Hallenbad mit einem Sport- und einem Lehrschwimmbecken soll auch ein Außenbecken samt freiförmiger Poollandschaft sowie Neben- und Funktionsgebäude entstehen.

Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Bäder-Betriebe, Dr. Johannes Kleinsorg, erläuterte das Nutzungskonzept. Man wolle ein Bad schaffen, das ganzjährig attraktiv sei, sagte er. Innen- und Außenbereich sollten gemeinsam, aber auch unabhängig voneinander betrieben werden können. Als Nutzergruppe sei in erster Linie die Öffentlichkeit vorgesehen. Aufgrund des wachsenden Bedarfs denke man eine Nutzung durch Schulen und Vereine aber schon mit, so Kleinsorg.
Die konkreten Zahlen: Sechs Bahnen, Lehrschwimmbecken, Reservefläche

Die bei der Pressekonferenz gezeigten – ausdrücklich als vorläufige Muster gekennzeichneten – Planungsunterlagen geben erstmals einen konkreten Eindruck von den Dimensionen des Vorhabens. Auf dem rund 12.000 Quadratmeter großen Plateau im Jelena-Šantić-Friedenspark soll das Funktionsbad mit einer Bruttogrundfläche von etwa 3.000 bis 3.500 Quadratmetern entstehen. Eine Beispielvariante sieht ein Sportbecken mit 25 mal 16,66 Metern und sechs Bahnen (416,50 Quadratmeter Wasserfläche) sowie ein Lehrschwimm- beziehungsweise Kursbecken mit 10 mal 16,66 Metern (160 Quadratmeter) vor. Auf dem Plateau ist zudem eine Reservefläche für ein nachträgliches Außenbecken und Liegeflächen eingeplant, außerdem sind Parkplatzflächen berücksichtigt. Der Geltungsbereich des Bebauungsplans umfasst insgesamt rund 7,3 Hektar.
Als möglicher Anbieter wurde beispielhaft das Konzept „POOL out of the BOX“ vorgestellt: modulares Bauen mit Holz, ein Vorfertigungsgrad von 90 Prozent im Werk, kurze Bauzeit, unmittelbare Nutzung nach Aufbau und Montage sowie Schwimmbecken aus Edelstahl. Als Referenz dient ein derzeit im Bau befindliches Hallenbad in Holzmodulbauweise in Stuttgart mit rund 2.673 Quadratmetern Bruttogrundfläche, 312,50 Quadratmetern Wasserfläche, einer Photovoltaik-Anlage mit 129,9 kWp und Baukosten von etwa 15 Millionen Euro netto.
Öffentlichkeitsbeteiligung läuft noch bis zum 17. Juli
Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hatte in der Vergangenheit eine Standortanalyse mit Standortauswahl durchgeführt. Als geeigneter Standort wurde der Jelena-Šantić-Friedenspark am Kienberg identifiziert – in direkter Nachbarschaft zu den Gärten der Welt und dem U-Bahnhof Kienberg (U5).

Für das Bebauungsplanverfahren 10-118 „Multifunktionsbad Kienberg“ läuft derzeit die Beteiligung der Öffentlichkeit: Vom 17. Juni bis 17. Juli 2026 wird der Entwurf des Bebauungsplans mit Begründung, Umweltbericht und den wesentlichen umweltbezogenen Stellungnahmen veröffentlicht. Die Unterlagen liegen unter anderem im Stadtentwicklungsamt in der Premnitzer Straße 4 sowie im Bezirklichen Informationszentrum in der Hellersdorfer Straße 159 aus. Auch die erforderlichen Gutachten und Fachbeiträge werden aktuell erstellt.
Lange Vorgeschichte mit Rückschlägen
Das Projekt hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Seit der Schließung des Kaulsdorfer Wernerbades im Jahr 2002 existiert in Marzahn-Hellersdorf kein öffentliches Freibad mehr – der Bezirk ist damit der einzige in Berlin ohne ein solches Angebot. Das Bebauungsplanverfahren wurde bereits 2021 eingeleitet. Ursprünglich als Kombibad mit Familienbad und Saunalandschaft konzipiert, wurde das Vorhaben im Dezember 2024 aus haushälterischen Gründen zunächst aus der konkreten Vorhabenliste der Berliner Bäder-Betriebe gestrichen und auf eine Typenschwimmhalle reduziert. Die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung fand von Februar bis März 2025 statt. Mit der nun gesicherten Finanzierung kehrt die Planung wieder zum Konzept eines Bades mit Innen- und Außenbereich zurück.
Kritik am Standort im Park
Ganz unumstritten ist das Vorhaben allerdings nicht. Acht Berliner Naturschutzverbände – darunter BUND, NABU, GRÜNE LIGA und BLN – hatten den Bebauungsplan bereits im März 2025 im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung grundsätzlich abgelehnt. Der Jelena-Šantić-Friedenspark ist vollständig als Ausgleichs- und Kompensationsfläche festgesetzt; eine Bebauung würde einen Doppelausgleich von bis zu 62.000 Quadratmetern Entsiegelungsfläche erfordern. Aus der Bezirkspolitik kommt zudem die Forderung, die direkt benachbarte, bereits vollständig versiegelte Parkplatzfläche an der Hellersdorfer Straße vor dem Satzungsbeschluss als eigenständige Standortalternative zu prüfen. Diese Abwägung wird im weiteren Bebauungsplanverfahren erfolgen – die während der laufenden Beteiligung eingehenden Stellungnahmen fließen in die Abwägung der öffentlichen und privaten Belange ein.
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Mit dem Vorliegen der Machbarkeitsstudie Ende August 2026 und dem Fortgang des Bebauungsplanverfahrens werden die nächsten Weichen für das Projekt gestellt. Sollte alles nach Plan laufen, könnte Marzahn-Hellersdorf nach fast einem Vierteljahrhundert wieder ein öffentliches Bad mit Außenbecken erhalten. Ein nicht offizieller Eröffnungstermin ist für Ende 2029 „gedacht“.
Verwendete Quellen: Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Inneres und Sport vom 6. Juli 2026, Präsentation der Berliner Bäder-Betriebe zur Pressekonferenz Funktionsbad Kienberg, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, Beteiligungsplattform DiPlanung
Foto(s): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 Whatsapp-KANAL Marzahn-Hellersdorf LIVE 🗞️



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