Ein heftiger Streit um die Raumnutzung in Berlin-Hellersdorf ist am Samstagnachmittag völlig aus dem Ruder gelaufen, teilt die Berliner Polizei mit.
Was als verbales Gefecht zwischen zwei Lagern des linken Spektrums begann, endete in stundenlangen Auseinandersetzungen, die sich bis auf das Dach des Gebäudes verlagerten.
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Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an.
Schwarze Kleidung, Sturmhauben, Holzlatten und Baseballschläger: Szenen, die man sonst eher aus Straßenschlachten zwischen politisch gegnerischen Lagern kennt, spielten sich in der Wurzener Straße in Hellersdorf-Nord ab. Das Kuriose und Brisante an diesem Fall ist, dass beide beteiligten Gruppen von den Behörden dem linken Spektrum zugeordnet werden. Die Spaltung verlief dabei entlang einer der derzeit tiefsten geopolitischen Bruchlinien, da eine mutmaßlich pro-israelische und eine mutmaßlich pro-palästinensische Gruppierung aneinandergerieten.
Der Konflikt entflammte gegen 14:00 Uhr nachmittags in einem Jugendzentrum in der Wurzener Straße. Nach bisherigen Erkenntnissen der Berliner Polizei ging es bei der Ursache des Konflikts um das Vorrecht, bestimmte Räumlichkeiten innerhalb des Gebäudes zu nutzen. Die Situation spitzte sich rasant zu, als die pro-palästinensische Seite Verstärkung anforderte und innerhalb kurzer Zeit rund 20 Personen mobilisierte. Diese eintreffenden Unterstützer ließen keinen Zweifel an ihren Absichten aufkommen. Komplett schwarz gekleidet und vermummt bauten sie sich vor dem Objekt auf, bewaffnet mit Holzlatten, Baustellenabsperrungen und mitgeführten Feuerlöschern.
Zunächst blieb es bei lautstarken verbalen Attacken gegen die im Objekt befindliche pro-israelische Gruppe, die sich optisch ebenfalls schwarz gekleidet und vermummt formiert hatte.
Doch die verbale Konfrontation schlug schnell in offene Gewalt um. Die Belagerer warfen Gegenstände und Baumaterialien in Richtung des Geländes und sprühten den Inhalt der Feuerlöscher leer, um die Gegenseite einzunebeln und zu attackieren. Als die ersten Streifenwagen der Berliner Polizei mit Blaulicht vorfuhren, löste sich die Gruppe vor dem Gebäude schlagartig auf und die rund 20 Angreifer flüchteten unerkannt in die umliegenden Straßen.
Wer dachte, der Einsatz sei damit beendet, täuschte sich jedoch, denn die Dynamik des Konflikts verlagerte sich nach innen und in die Höhe. Im Inneren des Gebäudes verbarrikadierte sich eine der Gruppen vehement, um der anderen den Zutritt zu verwehren, woraufhin stundenlange Versuche folgten, die Blockade zu brechen. Gegen 18:30 Uhr – viereinhalb Stunden nach Beginn des Streits – erreichte die Eskalation ihren Höhepunkt. Anwohner und Einsatzkräfte bemerkten mehrere Personen auf dem Dach des Objekts, die dort oben in schwindelerregender Höhe unter anderem mit Baseballschlägern körperlich aufeinander losgingen. Noch bevor die Polizei Zugriff nehmen konnte, flüchteten die Schläger aus dem Sichtfeld der Beamten ins Innere des verwinkelten Gebäudes.
Trotz der massiven Gewaltanwendung mit Schlagwerkzeugen wurde nach derzeitigem Ermittlungsstand wie durch ein Wunder niemand verletzt.
Die Polizei riegelte das Gelände schließlich ab und durchsuchte den Komplex akribisch. Insgesamt wurden 29 Personen vorübergehend in ihrer Freiheit beschränkt, um deren Identitäten festzustellen und Beweise zu sichern. Die Behörden haben mittlerweile zwei Strafverfahren wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs eingeleitet. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zu den genauen Hintergründen und den flüchtigen Rädelsführern übernommen. Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie tief die Gräben innerhalb der linken Szene beim Thema des Nahostkonflikts mittlerweile verankert sind.
Foto(s): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 Whatsapp-KANAL Marzahn-Hellersdorf LIVE 🗞️


