Am S-Bahnhof Marzahn ist ein neues Kapitel im Berliner Nahverkehr aufgeschlagen worden: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben dort den Testbetrieb einer Schnellladestation für Elektrobusse aufgenommen.
Die Anlage soll Linienbusse künftig direkt im laufenden Betrieb mit Strom versorgen – ohne extra Umwege zum Depot.
Laden während der Pause
Das Prinzip ist einfach, aber wirkungsvoll: Elektrobusse der Linien X54, 191, 195 und 291 können an der Endhaltestelle ihre regulären Standzeiten zwischen den Fahrten nutzen, um Energie zu tanken – und anschließend sofort weiterfahren. Damit entfällt die Notwendigkeit, Fahrzeuge für längere Ladezeiten aus dem Verkehr zu ziehen. Die Betriebsstabilität soll dadurch spürbar steigen.

BVG-Technikvorstand Marc Hermann betonte die strategische Bedeutung: Jeder neue Ladepunkt bringe das Unternehmen einer emissionsfreien Flotte näher. Die neue Infrastruktur ermögliche es, Fahrzeuge hocheffizient direkt im laufenden Betrieb zu laden – was im Alltag maximale Flexibilität verschaffe.
Teil eines größeren Plans
Die Station am S-Bahnhof Marzahn ist kein Einzelprojekt, sondern Auftakt des Programms „Stella“: Insgesamt sollen berlinweit 20 Endhaltestellen zu Schnellladepunkten ausgebaut werden. Sechs davon befinden sich derzeit im Bau.
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Auch in Marzahn-Hellersdorf entstehen weitere Standorte: Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic nannte Kaulsdorf, die Köthener Straße sowie Kaulsdorf-Nord als nächste Stationen.
Die Bezirksbürgermeisterin hob hervor, welche Rolle der Bus im Bezirk spielt: In Marzahn-Hellersdorf sind die BVG-Buslinien weit mehr als eine Ergänzung zur S-Bahn – sie sind das Rückgrat der Mobilität in den Kiezen. Eine verlässliche Ladeinfrastruktur stärke daher unmittelbar die Qualität des Nahverkehrs vor Ort.

270 neue E-Busse bis 2027
Der Testbetrieb in Marzahn fällt in eine Phase des beschleunigten Wandels bei der BVG. Bis 2027 sollen 270 weitere Elektrobusse in Dienst gestellt werden. Damit würde die E-Busflotte auf rund 550 Fahrzeuge anwachsen – knapp ein Drittel der gesamten Flotte von etwa 1.500 Fahrzeugen. Ergänzt wird die Ladeinfrastruktur an den Endstellen durch neue Elektrobetriebshöfe in der Säntisstraße und in Treptow.
160 Millionen Euro Bundesförderung
Die Transformation der BVG-Flotte wird maßgeblich durch den Bund mitfinanziert. Im Rahmen der Förderrichtlinie für alternative Antriebe im Personenverkehr fließen insgesamt 160 Millionen Euro an die BVG. Staatssekretärin Dr. Claudia Elif Stutz vom Bundesverkehrsministerium kündigte an, dass die Förderung auch 2026 fortgesetzt werde. Ein Teil der Mittel stammt aus dem europäischen Programm NextGenerationEU über den Deutschen Aufbau- und Resilienzplan. Koordiniert wird die Förderrichtlinie von der NOW GmbH, umgesetzt durch den Projektträger Jülich. Zusätzliche Unterstützung leistet die Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.

Staatssekretär Arne Herz fasste die Ambition dahinter zusammen: Was in Marzahn beginne, solle Maßstab für das gesamte Stadtgebiet werden – eine leise, saubere Busflotte, die mitten im Betrieb Energie lädt, statt im Depot zu warten.
Fotos: © John Boutin



