Vier Straßen im Quartier Stadtgut Hellersdorf tragen jetzt sichtbar Geschichte: Die Eva-Strittmatter-Straße, die Elfriede-Brüning-Straße, die Sarah-Kirsch-Straße und die Ingeborg-Feustel-Straße wurden bereits mit Namensergänzungsschildern ausgestattet. Am Dienstagnachmittag fand nun die feierliche Einweihung statt.
Die Tafeln informieren künftig über Leben und Werk der Schriftstellerinnen, nach denen die Straßen benannt sind, und laden Anwohner wie Spaziergänger dazu ein, sich mit den Lebenswegen der Namensgeberinnen auseinanderzusetzen.
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Eingeweiht wurden die Schilder um 15:30 Uhr an der Ecke Sarah-Kirsch-Straße / Kastanienallee durch Bezirksstadträtin Juliane Witt und die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte im Bezirksamt, Maja Loeffler. Zahlreiche Interessierte waren der öffentlichen Einladung gefolgt.

Die Straßen sind im Zuge der Entwicklung des neuen Wohnquartiers Gut Hellersdorf entstanden, in dem die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU unter anderem 448 Wohnungen entlang der Kastanienallee errichtet hat. Die Namensvorschläge wurden in enger Zusammenarbeit zwischen der GESOBAU und der Kommission Gedenkorte erarbeitet. Das Bezirksamt folgte damit einer Empfehlung der Bezirksverordnetenversammlung, die sich dafür ausgesprochen hatte, bei Straßenbenennungen verstärkt weibliche Persönlichkeiten zu berücksichtigen.

„Eine Eva-Strittmatter-Straße, eine Elfriede-Brüning-Straße, eine Sarah-Kirsch-Straße und eine Ingeborg-Feustel-Straße gehören nach Marzahn-Hellersdorf“, erklärte Bezirksstadträtin Juliane Witt.
Mit den Straßennamen würdige der Bezirk vier Autorinnen, deren Werke viele Menschen bis heute bewegten. Sie hätten die Literatur der DDR maßgeblich geprägt und auch nach der Wiedervereinigung weitergeschrieben und publiziert. Die Benennung trage dazu bei, weibliche Perspektiven stärker im öffentlichen Raum sichtbar zu machen und dauerhaft in die Geschichte des Bezirks einzuschreiben.
Vier Frauen, vier Lebenswege

Eva Strittmatter (1930–2011) gilt als die meistgelesene Lyrikerin deutscher Sprache. In Neuruppin geboren, studierte sie Germanistik und Romanistik an der Humboldt-Universität und lebte ab den 1950er Jahren mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Erwin Strittmatter, auf dem Schulzenhof bei Dollgow in Brandenburg. Ihr Debütband „Ich mach ein Lied aus Stille“ erschien 1973 – ihre Gedichtbände erreichten Millionenauflagen und wurden über Generationen hinweg verschenkt, abgeschrieben und auswendig gelernt. Daneben schrieb sie Kinderbücher und Essays.

Elfriede Brüning (1910–2014) erlebte mehr als ein Jahrhundert deutscher Geschichte. Die gebürtige Berlinerin, Tochter eines Tischlers und einer Näherin, veröffentlichte bereits mit 16 Jahren erste Feuilletons, schloss sich dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller an und war im antifaschistischen Widerstand aktiv – 1935 wurde sie von der Gestapo verhaftet. In der DDR wurde sie mit Romanen wie „Regine Haberkorn“ (1955) und „Ein Kind für mich allein“ zu einer der meistgelesenen Autorinnen des Landes. Im Mittelpunkt ihrer rund 30 Bücher standen stets die Lebenswirklichkeit arbeitender Frauen und deren Kampf um Gleichberechtigung – eine Haltung, mit der sie auch bei der DDR-Kulturbürokratie aneckte. Brüning starb 2014 im Alter von 103 Jahren in Berlin.

Sarah Kirsch (1935–2013) zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Geboren als Ingrid Bernstein in Limlingerode im Südharz, nahm sie den Vornamen Sarah aus Protest gegen den Antisemitismus an. Mit Bänden wie „Landaufenthalt“ (1967) und „Zaubersprüche“ (1973) entwickelte sie einen unverwechselbaren, naturmagischen Ton. Nach ihrem Protest gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 geriet sie unter Druck und verließ die DDR 1977 in Richtung West-Berlin; später lebte sie zurückgezogen in Schleswig-Holstein. 1996 erhielt sie den Georg-Büchner-Preis, die wichtigste Literaturauszeichnung des deutschen Sprachraums.

Ingeborg Feustel (1926–1998) schließlich prägte die Kindheit von Millionen Menschen im Osten Deutschlands, oft ohne dass diese ihren Namen kannten: Die Berlinerin, die zunächst als Neulehrerin in Blankenfelde arbeitete, erfand als Autorin für das Kinderfernsehen der DDR die Figuren Pittiplatsch, Moppi und Plumps. Ihre Geschichten für den „Abendgruß“ des Sandmännchens und die Reihe „Zu Besuch im Märchenland“ gehörten zu den erfolgreichsten Produktionen des DDR-Fernsehens und werden bis heute gehört und gelesen. Daneben schrieb sie zahlreiche Kinderbücher und Kinderlieder und arbeitete für Kinderzeitschriften wie BUMMI und FRÖSI.
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Mit den neuen Ergänzungsschildern bleibt diese Vielfalt an Lebenswegen – von der Lyrikerin über die Widerstandskämpferin bis zur Kinderbuchautorin – nun dauerhaft im Straßenbild des Stadtguts Hellersdorf ablesbar.
Foto(s): © Marzahn-Hellersdorf.com | facebook | Instagram 📲 Whatsapp-KANAL Marzahn-Hellersdorf LIVE 🗞️


