27. Januar 2024

30 Jahre Sonnengelb: Die Straßenbahnen der BVG prägen weiterhin das Stadtbild Berlins

Vor genau 30 Jahren erlebte Berlin einen farbenfrohen Wandel, als die erste Straßenbahn der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in einem strahlenden „Sonnengelb“ durch die Stadt rollte. Die Fahrzeuge im einheitlichen Design sind seither zu einem unverkennbaren Wahrzeichen der Hauptstadt geworden.

Die Erinnerungen an den 31. Januar 1994 sind noch immer lebendig: Der Zug mit der Nummer 5143 startete seine Premierenfahrt auf der Linie 50. Vieles, was damals bei der BVG geschah, gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Dennoch hat sich eine markante Konstante gehalten – die Farbe. Als „Verkehrsgelb“ nach Norm 1023 bekannt, trägt sie seit 30 Jahren den liebevollen Namen „Sonnengelb“.

Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der BVG, betont die Bedeutung dieses einheitlichen Designs: „Mit unserem Gelb sind wir für Berlin schon fast ikonisch. Kaum ein anderes Unternehmen prägt das Bild unserer Stadt so wie wir.“

Der Schöpfer dieses Designs, Erik Spiekermann, auch als „Typografie-Papst“ bekannt, erzählt von der Entscheidung für das Gelb: „Ich nannte es Beamtengelb. Als ich vorschlug, die Fahrzeuge wirklich gelb zu lackieren, war die BVG sofort einverstanden. Die Farbe hieß offiziell RAL Verkehrsgelb, aber wir nannten sie Sonnengelb.“

Ikarus 260 © BVG-Archiv

Die gelben Fahrzeuge sind nicht nur Teil der optischen Identität der Stadt, sondern bieten auch Orientierung und Klarheit. Erik Spiekermann, der auch maßgeblich an der neuen Schrift und anderen Elementen des Corporate Designs beteiligt war, erinnert sich an die Anfänge: „Die BVG bringt Sonne in die Stadt“, titelten die Zeitungen.

TDE Großraumtriebwagen ab Baujahr 1959 vom VEB Waggonbau Gotha © BVG-Archiv

Die Geschichte des „Sonnengelbs“ markiert einen klaren Bruch mit der Vergangenheit der BVG, in der verschiedene Farben und Lackierungen existierten. Nach dem Fall der Mauer und der Zusammenführung der Verkehrsbetriebe schuf das neue Design Einheitlichkeit und Klarheit.

© BVG-Archiv

Heute sind tausende Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen im unverkennbaren Design unterwegs, und das „Sonnengelb“ hat sich als Markenzeichen der BVG etabliert. Ein Buch, das die Entwicklung der BVG vor der Wende und die Gestaltung des Corporate Designs in den 1990er-Jahren dokumentiert, steht bereits in den Startlöchern und wird von Erik Spiekermann und seinem Team herausgegeben.


Die Geschichte der Beiwagen der GBS: Vom Umbau bis zur musealen Erhaltung

Große Berliner Straßenbahn ab 1905, im Bild Fahrzeuge vom Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V. auf Sonderfahrt in Berlin – © Marzahn-Hellersdorf.com

In der Zeit ab 1905 wurden die dritten Beiwagen für den elektrischen Betrieb der GBS ausgeliefert, ergänzend zu vorherigen Serien von Sommerwagen zwischen 1897 und 1900. Die als Sommer-Winter-Wagen bekannte Serie erfuhr nach der Fusion mit anderen Straßenbahnen im Jahr 1920 eine Umnummerierung und eine neue Lackierung.

Nach verschiedenen Lackierungsänderungen in den 1920er und 1930er Jahren sowie umfangreichen Umbauten ab 1927, erhielten die Wagen in den 1930er Jahren die Bezeichnung B 06/27. Einige Wagen wurden in Konsum-Verkaufsbeiwagen umgebaut. Im Laufe der Jahre wurden mehrere Wagen ausgemustert und umgebaut, darunter auch Salzloren und Verkaufswagen.

Während des Zweiten Weltkrieges gingen 29 Wagen verloren, und nach dem Krieg wurden 64 Wagen nicht wieder aufgebaut. Einige erhielten neue Funktionen wie Konsum-Verkaufswagen. In den 1950er Jahren wurden einige Wagen zurückgebaut, und bei der Verwaltungstrennung gingen 21 Beiwagen an die BVG (Ost) und die übrigen 56 an die BVG (West).

Die BVG (West) schied die Wagen bis 1951 aus, während die BVG (Ost) Modernisierungen vornahm, einschließlich Tonnendächern und einheitlichen Fenstern. Weitere Umbauten erfolgten in den 1960er Jahren im Zuge der Umstellung auf OS-Betrieb.

Fotos: Große Berliner Straßenbahn ab 1905 in Berlin vom Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V. – © Marzahn-Hellersdorf.com

Im Rahmen des Rekoprogramms wurden die meisten Wagen in den späten 1960er Jahren umgebaut oder ausgemustert. Einige wurden zu Einrichtungs- und Zweirichtungsbeiwagen umgebaut, während drei Wagen als historische Fahrzeuge erhalten blieben. Diese werden heute vom Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin betreut und zu besonderen Anlässen eingesetzt.

Die Beiwagen der GBS haben eine faszinierende Entwicklung durchlebt, von ihrer Anfangszeit bis hin zu ihrer musealen Erhaltung, und tragen somit zur Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin bei.

Informationen: Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V., Große Berliner Straßenbahn – Wikipedia

Titelbild: © BVG-Archiv

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