Am vergangenen Samstag haben sich im Wuhletal fleißige Hände verabredet und für Ordnung gesorgt – Säckeweise wurde der Naturraum von Müll befreit. Eine Initiative von Bewohnern des Bezirks – eine Idee, die seit Monaten immer mehr Menschen des Bezirks mitreißt. Am Ende dieser erfolgreichen Aktion wurde bei einer Bratwurst im Brötchen vom Grill-Trabi Erfahrungen mit dem Thema Müll ausgetauscht und das eigene Verhalten im Alltag mit dem Thema Müll und nachhaltige Alternativen reflektiert.

Aufgerufen zu dieser Aktion am Wuhleteich haben Bewohner des Bezirks. Jens und Lars haben diese „Großreinmach-Aktion“ vor dem Winter organisiert. Tatkräftig unterstützt wurden die beiden von „Clean up MaHe“ und Alexander J. Herrmann – mit dabei war diesmal auch der Grill-Trabi.

So sehen engagierte Müllsammler aus. Ein abschließendes Foto mit den Fundstücken des Tages

Die Initiative „Clean up MaHe„, das sind Janina, Sophia, Melli, Benni und René. Allesamt Bewohner des Bezirks, die das Thema Müllbeseitigung in Marzahn-Hellersdorf im Rahmen der privaten Organisation in die Hände genommen haben und seit Monaten den Kiez mit zahlreichen freiwilligen Unterstützern aufräumen. Dazu rufen sie immer wieder auf zum Mitmachen. Janina leitet eine Jugendfreizeiteinrichtung in Kaulsdorf, wenn sie mal nicht in ihrer Freizeit in teilweise unwegsamen Gelände Müll sammelt. Benni arbeitet ebenfalls in einer Jugendfreizeiteinrichtung in Marzahn als Erzieher und hat die mitgebrachten kleinen Helferlein wie Greifzange, Handschuhe , Müllbeutel, Wathosen immer gut im Blick. Die beiden sind die Gründer von Clean up MaHe. Man erkennt sie schon von weiten anhand ihrer knallblauen Oberbekleidung.


Auf diversen Social-Media-Kanälen, wie Facebook und Instagram, wurde für die Naturschutz-Aktion am Samstag geworben – ab 13.30 Uhr waren alle „Müllsammler“ auf der Terasse vor dem Umweltbildungszentrum, als vereinbarten Treffpunkt, versammelt. Familien mit Kindern, Nachbarn, Spontan-Passanten und vorallem „Wiederholungs-Sammler“. Die Bezeichnung Müllsammler darf man hier keinesfalls negativ interpretieren – ganz im Gegenteil, denn das Ende dieser Aktion hat ganz klar gezeigt, wie wichtig es ist, gemeinsam anzupacken und Müll zu sammeln, den andere unachtsam im Naturraum hinterlassen. Die Organisatoren haben Getränke bereitgestellt. Einige Gesichter wurden sofort von vergangenen Aktionen wiedererkannt, andere kamen neu hinzu – auch Spontanunterstützer machten mit. Für eine Erfrischung sorgten die bereitgestellten Getränke, wie Wasser mit Sprudel, ohne Sprudel und Säfte. Aufgefallen ist dabei sofort, dass keine Wegwerfbecher mitgebracht wurden, sondern wiederverwendbare, abwaschbare Becher – wie nachhaltig.

Punkt 13.30 Uhr lagen die Arbeitsmaterialien bereit, darunter Müllsäcke, Greifzange, Eimer, Handschuhe und Wathosen, die Hosen in allen möglichen Größen. Mit den Wathosen ist es möglich, bis zum Bauchnabel in das Wuhlegewässer zu steigen, doch Achtung, mit jedem Schritt droht ein Versinken im schlammigen Boden. Es gibt bei diesen Aktionen keinen Teamleiter, jeder macht das, wozu er bereit ist und wie es seine freie Zeit zulässt – wo Müll gesammelt wird, entscheidet jeder mit den „eigenen Augen und der Naee vorneweg“. Die Traube Menschen verteilte sich rund um dem Wuhleteich, denn dieser war gemäß dieser Müllsammelaktion das Ziel. Am Rande beobachteten mehrere Passanten und Spaziergänger die Aktion und lobten das Engagement, einige versprachen das nächste Mal dabei zu sein und informierten sich über mögliche Kommunikationswege.

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Diese Müllsammelaktionen im geschützten Naturraum bedarf immer großes Fingerspitzengefühl, insbesondere für die Flora und Fauna, darüber informierten die Initiatoren von Clean up MaHe anfangs und erklärten, dass man nicht einfach drauf los sammeln sollte, sondern, die dort lebenden Tiere immer im Blick haben sollte. Es wurde auch in abgelegene und schwer zugängliche Ecken geschaut, denn da sammelt sich der Müll, der vom Wasser in den Böschungsbereich getrieben wird. Bei den Müllsammelaktionen steht der Natur- und Klimaschutz immer im Vordergrund.


Gesammelt wurden die Klassiker: Flaschen und Dosen (häufig Pfand) und Verpackungsmaterialien. Die Liste der gesammelten Werke ist lang: Plastikschüsseln, Becher, Konservendosen, verschlossene Hundekackbeutel, Holzbretter, Stahlgestänge, Einkaufswagen, Autoradio, Klappstuhl (voll funktionsfähig), Fußbälle, Schaufel, Kinderschuh und ganz viel Kleinmüll. Für die Bergung eines außergewöhnlichen Fundstücks mussten die Unterstützer erstmal zur Wathose greifen, denn es ging jetzt beinahe bauchnabeltief im Uferbereich direkt an der Terrasse tief ins Wasser. Mehrere Hände waren nötig. Im Wasser war vorab etwas orangefarbenes zu sehen. Bei genauem Hinsehen entpuppte sich das Fundstück als echte Umweltschweinerei – ein E-Roller eines bekannten E-Roller-Verleihers, der diese in Marzahn-Hellersdorf bereitstellt. Mit der Zeit war der Roller tief im sumpfigen Bodes des Wuhleteichs eingesunken und nur mit großer Anstrengung zu bergen. Neben dem E-Roller wurde ein vollständiges Mopedrad als weiterer wichtiger Fund im Wuhleteich geborgen. Es gibt Fundsachen, wo sich die ehrenamtlichen Müllsammler gefragt haben, wie „das“ da hingekommen ist, eine schwere Sitzbank mit seitlichen Griffen, wie sie häufig in Transportern verbaut ist. Diese war so schwer, dass sie von zwei erwachsenen kräftigen Männern getragen werden mussten – wer diese extra in den Wuhleteich entsorgt hat ist unklar.

Gemäß dem Sprichwort „Zwei Mann, zwei Ecken“, wurde die schwere Sitzbank zum Sammelplatz getragen

An schwierigen Stellen wurde die mitgebrachte Strickleiter zur Hilfe geholt, um auch in schwer zugänglichen Ecken an Müll zu gelangen. Die tüchtigen Müllsammler waren nicht zu kleinkariert, aber auch da wo sich die Nutzer des Wuhletals unbeobachtet fühlen, wenn sie ihre Kippen entsorgen wurde sauber gemacht. Unzählige Kippenreste wurden an den Wuhleterrassen mühevoll aus den Ritzen der Holzbänke entfernt. Anzumerken sei dabei, dass die Sitzmöglichkeiten für alle Nutzer vorgesehen sind, auch Kinder sitzen dort und diese erforschen ihre Umgebung gern mit ihren kleinen Fingerchen – wie ECKLIG!

Unappetitlich, Kippen in den Ritzen der Bank

Ein Metalldetektor kam ebenfalls zum Einsatz. Auch hier kann allerhand metallischer Müll zu Tage gefördert werden – man sieht ihn nicht, aber man hört ihn mit diesem Gerät. Ein Teilnehmer rollerte der Aktion dazu und entschloss sich einfach mitzumachen – „Das bringt Karmapunkte“, wie er sein spontanes Mitmachen erklärte. Mitmachen sollen zukünftig auch viele andere, insbesondere diejenigen, die sich ebenfalls für die Sauberkeit in Marzahn-Hellersdorf interessieren. Die Initiatoren der gestrigen Müllsammelaktion, Lars und Jens, planen mit Clean up MaHe schon weitere Termine, wie wir gehört haben.


Nach rund 2 Stunden intensivem Müllsammeln waren die Sammler auch fix und fertig. Der Pfand wurde sortiert und später auch weggebracht. Von den gesammelten Pfandsummen finanzieren die Initiatoren die Getränke für weitere tolle Aktionen in Marzahn-Hellersdorf.

Am Ende haben sich die Mühe und Kraft gelohnt, auch wenn die Aktionen immer wieder stattfinden müssen

Nachdem der Müll und die Flaschen sortiert waren, ging es zur benachbarten Kleingartenanlage „Am Kienberg“, die freundlicherweise den Platz für den Grill-Trabi bereitgestellt hat, denn auch die Kleingärtner gehören zur Nachbarschaft und haben ein großes Interesse an einem sauberen Wuhletal, wie uns zwei Großeltern lobenend beim Verlassen der Kleingartenanlage erzählten. Hier konnten alle gemeinsam bei einer Bratwurst im Brötchen mit Senf oder wahlweise Ketchup die letzten zwei Stunden Revue passieren lassen. Diese Aktion war ein voller Erfolg, darüber waren sich alle einig. Für das nächste Mal dürfen sich gern weitere ehrenamtliche Helfer anschließen, denn beim Müll sammeln ist man nie allein und neue Kontakte aus dem Kiez werden dabei von ganz allein geknüpft.

In den kommenden Wochen wird es eine ergänzende Aktion am Wuhleteich geben – seid gespannt. Wir werden euch darüber auf dem Laufenden halten.

Gesammelte (Pfand-)Flaschen und Dosen aus dem Wuhletal. Unter den Bierflaschen waren fast nur namhafte Biermarken 🙂

Clean up MaHe findet ihr auf Facebook und Instagram. Schaut gern bei den tatkräftigen Unterstützern von „Gebäudeservice Sili“ vorbei. Den aktuellen Kiez-Kompakt-Newsletter könnt ihr bei Alexander J. Herrmann abonnieren.

Fotos: © Marzahn-Hellersdorf.com


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